Freitag, 24. August 2018

Depression und Sport


So einfach kann es sein Depression vorzubeugen:

Sport schützt vor Depressionen. Das hat eine internationale medizinische Studie ergeben, über die die australischen Universitäten New South Wales und Sydney berichten.
Der Effekt sei unabhängig von Alter und Gesundheit. Die Forscher werteten Daten aus 49 Untersuchungen in Brasilien, Belgien, Australien, den USA, Großbritannien und Schweden mit fast 267 000 Teilnehmern aus. Die zeigten, dass Herumsitzen die Wahrscheinlichkeit einer Depression erhöhe. Das gelte bei allen Altersgruppen auf allen Kontinenten. Die Forscher kommen zusammenfassend zum Ergebnis, dass mehr als ein Zehntel aller Depressionen mit nur einer Stunde Sport pro Woche verhindert werden könnte. Sie planen nun weitere Studien, um Effekte einzelner Sportarten herauszufinden.

Quelle: https://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-spezial/wissen/schon-eine-stunde-sport-schuetzt-vor-depressionen_aid-30121207

Mittwoch, 22. August 2018

Arbeitslos - Burnout - Neues Leben


Dieser Mann war arbeitslos, bekam ein Burnout und Dank der Hilfe anderer hat er sich den Weg zurück erkämpft. Ein Beispiel das Mut macht (Artikel):

Etwa vier Millionen Deutsche leiden unter Depressionen. Experten gehen davon aus, dass viele der rund 2,3 Millionen Arbeitslosen nicht arbeiten gehen können, weil Depressionen im Spiel sind. So wie bei Ronald Seidel.

Bin ich depressiv geworden, weil ich meinen Job verloren habe, oder habe ich meinen Job verloren, weil ich depressiv war? Diese Fragen stellt sich Ronald Seidel aus Leipzig nicht mehr. Er weiß: Nur wegen seiner Erkrankung hat er alles verloren. "Ich war mit einem Schlag völlig überfordert, war völlig abgeschlafft", erinnert sich der 48-Jährige. Das, was sich schon lange vorher angestaut hatte, konnte er nicht mehr unterdrücken. Er verlor die Kontrolle über sein Leben.

Alles, was ihm blieb, war sein Auto

Ronald Seidel ließ alles hinter sich: die Wohnung mit allem, was ihm gehört, seine zwei Kinder - er war außerstande, den Kontakt zu ihnen zu halten. Auch seine Firma ließ er im Stich. Gerade noch Chef von zehn Mitarbeitern, wurde er obdachlos. Zwei Jahre lang hat er im Auto gelebt.
Ich habe entschieden, meine Wohnung zu verlassen, mich ins Auto zurückzuziehen und einfach nichts mehr zu tun. Es war ein totaler Abschluss mit meinem Umfeld. Ich wollte nichts mehr hören, nichts mehr sehen und nichts mehr wissen. Ich habe im Auto gegessen und geschlafen und darin meine Zeit totgeschlagen.
Ronald Seidel

Die kleinsten Dinge werden zum Problem

Warten, dass die Zeit vergeht: Solche Schilderungen hört Prof. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe regelmäßig von seinen Patienten. "Wenn man in die Depression gerät, dann werden kleinste Dinge zu einem Problem", sagt er. "Man kann sich nicht aufraffen, die Zähne zu putzen, nicht telefonieren. Oft sind die Menschen nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen."
 

Nach erfolgreicher Behandlung wieder handlungs- und arbeitsfähig

Auch Ronald Seidel war psychisch krank. Deshalb konnte er auch nicht mehr arbeiten. Seine Jobvermittlerin erkannte, dass er möglicherweise ein psychisches Problem hat. Sie bot ihm ein psychosoziales Coaching mit einer Diplom-Psychologin der Uni-Klinik Leipzig an. Dabei erfuhr er zum ersten Mal, dass er in diese ausweglose Situation geriet, weil er krank war. "Herr Seidel kam mit Depressionen und mit einer Angstsymptomatik zu uns", erklärt Anja Kästner von der Psychiatrischen Klinik der Universität Leipzig.

Erst nachdem es Ronald Seidel geschafft hatte, seine Depression in den Griff zu bekommen, stand er auch dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung – und fand prompt einen Job. Sieben Jahre nach seinem Absturz ist Ronald Seidel wieder zurück im Leben. Sogar den Kontakt zu seinen beiden Töchtern hat er wiederhergestellt. Das ist für ihn das Wichtigste.
Menschen mit psychischen Erkrankungen, Langzeitarbeitslose in Behandlung zu bringen, das ist für mich der größte Verbesserungsspielraum und der effizienteste Ansatz, um die Situation zu verbessern.
Prof. Ulrich Hegerl | Stiftung Deutsche Depressionshilfe  
Sie haben Selbsttötungsgedanken oder eine persönlichen Krise? Die Telefonseelsorge hilft Ihnen rund um die Uhr: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Der Anruf ist anonym und taucht nicht im Einzelverbindungsnachweis auf. Auf der Webseite www.telefonseelsorge.de finden Sie weitere Hilfsangebote, zum Beispiel per E-Mail oder im Chat.

Quelle: https://www.mdr.de/brisant/wenn-depressionen-die-kontrolle-uebernehmen-100.html

Weg aus dem Burnout finden


Tolles Beispiel wie sich ein Burnout als nützlich erweisen kann (Artikel):

Wenn in Stefan Mais Leben etwas nicht so läuft wie geplant, wenn seine Pläne durchkreuzt werden, dann hat er einen Standardsatz, der ihm durch den Kopf geht: „Jetzt bin ich aber mal gespannt, wofür das wieder gut ist.“
Dass Dinge, die ganz und gar nicht gut sind, dennoch ihr Gutes haben, hat er schmerzhaft gelernt. Mai arbeitete als Wirtschaftsinformatiker lange Jahre in derselben Firma, als der Einbruch kam. Er war völlig ausgebrannt und bekam Depressionen. Im Rückblick sagt er heute: „Ich hatte ein Helfersyndrom.“
In Klinik und Reha einiges gelernt
Damals aber wusste er erst einmal nicht mehr weiter. Fast acht Monate fiel er wegen Krankheit aus. In Klinik und Reha aber hat er einiges gelernt, nicht nur die Kunst Nein zu sagen. „Wenn vieles in unserem Verhalten an der Konditionierung hängt“, dachte er, „dann kann man solche Konditionierungen ja auch ändern.“

Das ist leichter gesagt als getan, dennoch kam ein veränderter Stefan Mai nach acht Monaten in seinen Betrieb zurück. „Und damit konnten die Kollegen nicht umgehen“, erinnert er sich. Es dauerte noch zwei Jahre, dann endete das Arbeitsverhältnis und der damals 45-Jährige stand auf der Straße. Das Einzige, was er zu dieser Zeit mit Sicherheit wusste, er wollte nicht wieder zurück ins alte Schema. Wo der Weg stattdessen hingehen sollte, war ihm noch völlig unklar. „Ich habe gespürt, da wartet noch etwas auf mich“, sagt er heute, aber die Zweifel waren groß.

Was hat ihm letztlich geholfen? Nun da war einmal die Unterstützung seiner Familie. Seine Frau Sabine und die beiden Töchter trugen die kommenden Jahre mit, in denen Mai vor allem Ausbildungen machte. Betriebliches Gesundheitsmanagement war die erste, dann qualifizierte er sich als Stressmanagementtrainer, als systemisch integrativer Coach, als Kursleiter und Ausbilder und er ist NLP-Practitioner. NLP steht für Neuro-Linguistisches Programmieren, Kommunikationstechniken und Methoden zur Veränderung psychischer Abläufe im Menschen.
Neben der Familie hat ihn vor allem seine spirituelle Orientierung getragen, das Bewusstsein, dass es da „eine Macht gibt, die für uns da ist und uns lenkt“. Und so kam für ihn eins zum anderen, während seiner Ausbildungen lernte er immer wieder Menschen kennen „die mich bereichert haben“, erklärt Mai.

2017 selbständig gemacht
2017 machte er sich dann selbstständig. Zwei dieser Menschen sind jetzt seine Kollegen, gemeinsam mit ihnen gründete er sein Unternehmen Benefit mit Standorten in Fulda Nürnberg und Üchtelhausen. Das, was er in seiner schweren Zeit über die Gesundheit gelernt hat, will er weitergeben, egal ob es um die persönliche, betriebliche oder gesellschaftliche Gesundheit geht.
2018 ließ sich Mai noch zum externen Datenschutzbeauftragten zertifizieren, so dass er jetzt auch wieder auf zwei Beinen steht, dem des Datenschutzbeauftragten und im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Im Rückblick sagt Mai heute: „Ich habe diesen Arschtritt vom Leben gebraucht, um etwas Neues anzufangen.“
Daneben kümmert er sich um etwas, dem es ebenso geht wie ihm vor wenigen Jahren noch: Die alte Kirchbergschule scheint am Ende. Als zweiter Vorsitzender des Fördervereins Kirchbergschule kämpft er um deren Erhalt und bemüht sich mit vielen Mitstreitern, dem alten Gemäuer in Üchtelhausen wieder Leben einzuhauchen. Und so ist es nur logisch, dass er sein Büro im ehemaligen Lehrerzimmer der Schule eingerichtet hat. Auch einen Seminar- und Schulungsraum hat er seit diesem Jahr angemietet und eingerichtet. Mit anderen Ehrenamtlichen teilt er den Traum, aus der ehemaligen Schule einen Ort der Begegnung mit Kunst, Kultur und Gesundheitsangeboten zu machen.

Quelle: https://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Den-Weg-aus-dem-Burnout-finden;art763,10040129

Dienstag, 21. August 2018

Burnout Test


Burn-out: Symptome, Ursachen, Therapie
Erschöpft, ausgebrannt, gestresst – ist das noch normal oder bereits ein Burn-out? Unser kleiner Test liefert erste Hinweise. Mehr über Ursachen, Anzeichen und Therapien des Burn-out.
 

Burn-out – kurz zusammengefasst

Für "Burn-out" gibt es keine einheitliche Definition. Meistens wird damit ein Zustand starker emotionaler und körperlicher Erschöpfung durch chronische Überforderung oder auch anhaltende Kränkungen im Beruf bezeichnet. Prävention und Therapie zielen darauf ab, die Strategien der Betroffenen im Umgang mit solchen Belastungen zu verbessern und Entlastungsmöglichkeiten zu schaffen.
Der Begriff "burn out" kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt "ausbrennen". Ausgebrannt, überfordert, erschöpft – so fühlte sich der Psychotherapeut Herbert Freudenberger im New York der 70er Jahre, nachdem er lange Zeit über seine Kräfte gearbeitet hatte. Bis zu einem Punkt, an dem plötzlich nichts mehr ging. Freudenberger schrieb über seine Erfahrung, sein Ausgebranntsein, und prägte auf diese Weise den Begriff.

Burn-out ist keine medizinische Diagnose

Burn-out – was genau ist das? Die Antwort auf diese Frage spaltet die Fachwelt. Zunächst einmal ist "Burn-out" ein prägnanter Begriff. Menschen, die sich in unserer Leistungsgesellschaft überlastet und chronisch körperlich und emotional erschöpft fühlen, können sich mit diesem Begriff unmittelbar identifizieren. Burn-out ist keine medizinische Diagnose. Es gibt auch keine eindeutigen, eine solche Krankhkeit beweisenden Krankheitszeichen. Insofern ist der Begriff Burn-out-Syndrom irreführend.
Manche Symptome überschneiden sich mit den Beschwerden einer Depression – zum Beispiel Antriebslosigkeit, Mutlosigkeit, Müdigkeit, das Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit. Manche Experten vermuten daher, dass es vielleicht keine scharfe Trennlinie zwischen den beiden Leiden gibt. Es ist nicht zuletzt eine Frage der Perspektive: Wer sich betroffen fühlt definiert selbst, ob er seinen Zustand "ausgebrannt" oder "Burn-out" nennt. Von außen betrachtet, anhand medizinischer Kriterien, erfüllt aktuell etwa jeder sechste Mensch, der sich "ausgebrannt" fühlt, die Kriterien einer Depression. 
Ursprünglich galt Burn-out als spezifische Problematik helfender Berufe. Ausbrennen konnten demnach zum Beispiel nur Krankenschwestern oder Lehrer, die sich in ihrem Job für ihre Mitmenschen verausgaben. Es zeigte sich jedoch, dass Burn-out-Beschwerden in jedem Beruf und auch ohne erkennbaren äußeren Arbeitsstress entstehen können.

Symptome: Welche Anzeichen deuten auf Burn-out hin?

Die Beschwerden, die mit Burn-out-Erleben einhergehen, können individuell verschieden sein. Eine klare Definition von Burn-out anhand von Symptomen ist nicht möglich. Für Betroffene ist in der Regel auch weniger die Symptomatik als die vermutete Ursache entscheidend, etwa: Ich fühle mich ausgebrannt, weil... ich im Beruf zu viel Stress hatte. Folgende Symptome werden oft im Rahmen von Burn-out-Konstellationen erlebt:
  • Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung: Die Betroffenen haben den Eindruck, dass sie ihre täglichen Aufgaben nicht mehr bewältigen können, fühlen sich überfordert und müde. Sie haben das Bedürfnis nach immer mehr Ruhepausen. Doch die Erholung hält nicht mehr so lange an wie gewohnt. Vielen fällt es immer schwerer, nach der Arbeit "abzuschalten".
  • Nachlassende Leistungsfähigkeit: Die Arbeit gelingt nicht mehr. Es kommt zu Konzentrationsstörungen und Nervosität. Entscheidungen fallen schwer. Fehler passieren. Die erhofften Erfolgserlebnisse bleiben aus. Oft versuchen die Betroffenen dann, umso intensiver zu arbeiten, um gegenzusteuern – was ihnen noch mehr Kraft raubt. Ängste können entstehen. Die emotionale Belastbarkeit nimmt ab.
  • Rückzug: Viele Burn-out-Betroffene igeln sich immer mehr ein. Sie geben Hobbies auf und vernachlässigen Partner und Freundeskreis.
  • Innere Leere, Sinnverlust: Die Freude am Alltag geht immer mehr verloren. Nichts macht mehr Spaß, alles ist anstrengend. Unzufriedenheit und Gleichgültigkeit machen sich breit. An die Stelle der ursprünglichen Begeisterungsfähigkeit tritt Zynismus, schließlich Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
Auch körperliche Symptome können sich bei Burn-out einstellen, für die der Arzt keine organische Ursache findet – sogenannte psychosomatische Beschwerden. Zum Beispiel Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme oder Rückenschmerzen.
Die US-amerikanische Psychologin Christina Maslach entwickelte Ende des vergangenen Jahrhunderts das Maslach Burnout Inventory (MBI), den bis heute am häufigsten verwendeten Fragebogen auf diesem Gebiet. Als Hauptmerkmale des Burn-out definierte sie dabei emotionale Erschöpfung, Gleichgültigkeit und Zynismus (sogenannte Depersonalisation) sowie verringerte Leistungsfähigkeit.
Oftmals wurde vermutet, dass sich Burn-out quasi gesetzmäßig in verschiedenen aufeinander folgenden Phasen entwickelt, vom Idealismus zu depressions-ähnlichen Zuständen. Wissenschaftlich ist dies nicht belegt.

Test: Bin ich Burn-out-gefährdet?

Wichtig: Der folgende Test kann lediglich Hinweise geben, ob Sie womöglich unter hoher Belastung stehen und sich tendenziell zusätzlich unter Druck setzen. Er ersetzt keine ärztliche beziehungsweise therapeutische Untersuchung. Ihre tatsächliche Situation, einschließlich der Frage ob und wenn ja welche Form der Behandlung angebracht ist, kann nur in einem solchen Rahmen angemessen geklärt werden. Der Fragenkatalog wurde von Professor Andreas Hillert zusammengestellt.
Welche Aussagen treffen auf Sie zu?
1. Ich erwarte von mir höhere Leistungen bei meinen täglichen Aufgaben, als die meisten anderen Menschen von sich verlangen.
2. Wenn ich bei meiner Arbeit versage, dann bin ich als Mensch an sich ein Versager.
3. Für mich ist es sehr wichtig, dass mich andere Menschen mögen.
4. Wenn Dinge schief gehen, mache ich üblicherweise mich selber dafür verantwortlich.
5. Kollegen um Unterstützung zu bitten, ist ein Zeichen von Schwäche.
6. Ich vermeide es, Risiken einzugehen, wann immer es möglich ist.
7. Ich habe genug Probleme im Leben gehabt und habe es verdient, keine neuen mehr zu bekommen.
8. Ich investiere mehr Energie in meinen Beruf, als ich dafür als Gegenleistung – sei es in Form von Geld, sei es in Form von Anerkennung – erhalte.
Wenn Sie einer oder mehreren Aussagen zugestimmt haben, muss das noch nicht heißen, dass Sie ausgebrannt sind. Insbesondere dann nicht, wenn Sie sich in Ihrem Leben, beruflich wie privat, wohl fühlen.
Nachdenklich sollte es Sie aber machen, wenn Sie sich in einer beruflichen Situation befinden, die Sie als sehr bedrückend empfinden, und wenn Ihre Stimmung und Ihr Schlaf beeinträchtigt sind. Oder auch, wenn Ihre Konzentrationsfähigkeit in der letzten Zeit gelitten hat, Sie nur noch widerwillig ins Büro gehen oder am Wochenende viel an Ihre Arbeit denken.
Sie leiden unter Ihrer derzeitigen Lebenssituation und schaffen es nicht, etwas zu ändern? Auch nicht durch die Unterstützung von Freunden, die Ihnen vermutlich bereits mehrfach geraten haben, "einen Gang zurück zu schalten"? Dann sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen. Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt sein. Er kann bei Bedarf an einen Psychotherapeuten überweisen.

Quelle: https://www.apotheken-umschau.de/burnout

Sonntag, 19. August 2018

Burnout bei 11jährigen Schülern ?


«Jetzt gegensteuern, sonst werden die Folgen fatal sein»: 11-Jährige erleiden Burn-out

Der Leistungsdruck auf Kinder hat in der Schweiz massiv zugenommen. Neben den schulischen Anforderungen müssen auch die Erwartungen der Eltern erfüllt werden. Nicht alle kommen damit klar – und erleiden ein Burn-out. 
 
Der Druck in der Schule war schon immer vorhanden. Jedoch scheint für viele die Grenze des Erträglichen überschritten worden zu sein. Bereits Kindergärtner klagen über Bauchschmerzen. Zudem leiden viele Volksschüler an Schlaflosigkeit, Angstattacken, Atemnot und Schwindel.
An der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bern verdreifachten sich Notfälle innerhalb von zehn Jahren. Beim Notfalldienst der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich stellte man im selben Zeitraum einen noch höheren Anstieg fest. «Die Gründe dafür sind vielfältig. Doch ein wesentlicher Faktor ist die Schule», zitiert die SonntagsZeitung Gregor Berger, Leiter der Notfallstation.
 
Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigt Erschreckendes: Jedes dritte 11-jährige Kind in der Schweiz leidet unter Schlafproblemen, 15 Prozent klagen über Niedergeschlagenheit und 12 Prozent über Kopfschmerzen. Auch bei Pro Juventute kommt man zu ähnlichen Erkenntnissen. 30 Prozent der Jugendlichen, die Gebrauch vom Sorgentelefon machen, klagen über «schwerwiegende persönliche Probleme». 2010 waren es noch 18 Prozent.
 

Ursachen

Thomas Mattig, Direktor der nationalen Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz, sagt, dass längstens nicht mehr alle Kinder dem Druck der Eltern und der Schule gewachsen sind. Und die Anforderungen sind in der Tat sehr hoch: Nach dem Regelunterricht warten Hausaufgaben, Nachhilfe, musische und sportliche Angebote. Einfach mal Kind sein, liegt da nicht drin. 
Gemäss Reto Wyss, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) und CVP-Regierungsrat im Kanton Luzern, ist die Schule nicht unbedingt der Hauptauslöser für die zunehmende Überforderung der Kinder. Die zusätzliche Belastung kommt durch weitere Tätigkeiten, wie Sport oder Musikunterricht zu Stande. «Dazu kommt der Medienkonsum – der teilweise schon bei Kindern mehr als zwei Stunden pro Tag beträgt.», sagt Wyss weiter. 
Doch die Daten der Unikliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie sprechen für sich. Während der regulären Schulzeit gibt es nicht sehr viele Vorfälle. Jedoch steigt die Zahl der Notfälle vor der Aufnahmeprüfung ins Gymnasium, während der Probezeit und vor der Lehrabschlussprüfung drastisch an.
 

Mädchen eher betroffen

Tendenziell sind Mädchen eher betroffen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass Mädchen alle Anforderungen erfüllen wollen. «Wenn sie merken, dass sie das nicht können, geraten sie in eine Krisensituation», sagt Psychiater Gregor Berger von der Zürcher Notfallstation gegnüber der SonntagsZeitung
Das Beispiel eines 10-Jährigen zeigt aber, dass auch Knaben gegen ein Burn-out nicht gefeit sind. Der besagte Junge wollte eines Morgens nicht mehr aufstehen. Trotz allem Zureden der Eltern und Lehrer verweigerte er den Schulbesuch. Psychologen diagnostizierten eine Erschöpfungsdepression, sprich ein Burn-out.
Ausgelöst wurde die Depression durch ständige Lehrerwechsel – der Bub hatte ganze acht davon. Kinder- und Jugendpsychologe Allan Guggenbühl bestätigt, dass einige Kinder mit einer hohen Anzahl von Lehrpersonen nicht klar kommen.
 

Weniger Hausaufgaben

Der schulpsychologische Dienst des Kantons Schwyz ist gegenwärtig daran, ein Angebot für Schüler mit Prüfungsangst zu erarbeiten. Im Kanton St.Gallen wurde ein solches Gruppentraining bereits im letzten Schuljahr durchgeführt. 
Um Schüler zu entlasten, gilt im Kanton Zürich während den Ferien ein Hausaufgabenverbot. In Bern wurde die Zeit für Hausaufgaben beschränkt: Erst- und Zweitklässler sollen wöchentlich nur noch 30 Minuten, Dritt- bis Sechstklässler 45 Minuten und Schüler der Oberstufe 90 Minuten dafür aufwenden. Im Kanton Genf besteht zudem die Möglichkeit, Hausaufgaben in einer betreuten Stunde gleich nach dem Unterricht zu lösen. 
Thomas Mattig sagt, dass das Problem in der Zukunft sicher zunehmen werde. Zusammen mit Bund und Kantonen wolle die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz das Problem breiter angehen und in den nächsten Jahren rund acht Millionen Franken in eine Kampagne zur psychischen Gesundheit investieren. «Wir müssen jetzt Gegensteuer geben», zitiert die SonntagsZeitung Mattig. «Sonst sind die Folgen für die Gesellschaft fatal.» (vom)
 

Freitag, 17. August 2018

Burnout erkennen


Guter Artikel zum Thema Burnout aus der Schweiz.
Mit Notfallkontakten in der Schweiz (für Betroffene) !

Hauptsächliches Merkmal eines Burn-outs ist die Erschöpfung. Normalerweise erholen wir uns in einer Nacht, über ein Wochenende oder mindestens in den Ferien. Wenn man sich aber nicht mehr erholen kann in einer nützlichen Frist, ist das ein Warnzeichen für ein Burn-out.
Eine normale Stressbelastung unterscheidet sich von einem Burn-out-Syndrom dadurch, dass die Symptome der Stressbelastung aufhören, wenn die Stressbelastung aufgehört hat. Ein Burn-out aber ist ein Zustand, der auch dann noch beobachtbar ist, wenn kein akuter Stress mehr da ist.
Häufige Erkältungen oder Reizbarkeit können ein Burnout-Symptom sein, aber auch «nur» eines für Stress. Wenn aber grosse Ängste entstehen, grosse Reizsensibilität, ausgeprägte Gefühlslabilität, häufiges Weinen, sozialer Rückzug, dann sprechen wir von einem beginnenden oder schon fortgeschrittenen Burn-out. Ebenfalls sind ausgeprägte Schlafstörungen im Sinne von langer Einschlafzeit oder Durchschlafstörungen ein Zeichen von einem sich entwickelnden Burn-out. Sind zudem die Konzentration und das Gedächtnis nicht mehr so gut und vergisst oder verlegt man ständig Dinge, könnte eine Abklärung angezeigt sein.
 
Burn-out ist ein Zustand, der sich stufenweise entwickelt. Er kann alle Menschen treffen, nicht nur Kaderpersonen oder Singles, sondern auch Menschen mit Familien und in ganz unterschiedlichen Berufen oder beruflichen Positionen. Insbesondere Menschen in sozialen Berufen, die viel mit anderen Menschen zu tun haben, sind Burn-out-gefährdet.

Bestimmte Eigenschaften erhöhen das Risiko: Geringes Selbstwertgefühl, sehr hohe Leistungsbereitschaft und Verausgabungsbereitschaft – ­gerade bei Menschen, die sich nicht gut abgrenzen können, bei Menschen, die in Beziehungen eher ambivalent sind, die eher zögerlich sind hinsichtlich der Problembewältigung von Herausforderungen, oder bei Alleinstehenden. Es gibt jedoch auch eine Serie von beruflichen oder privaten Situationen, die mehr Stress beinhalten und so ein Burn-out begünstigen: Wenn man besonders viele Aufgaben hat, ferner Zeitdruck, wenn man wenig Wertschätzung erhält oder ein Mangel an Autonomie oder Unterstützung vorliegt.
Burn-out wird in der medi­zinischen Diskussion als ein Risikozustand verstanden. Dieser entsteht durch Stress­belastung, insbesondere im Arbeitskontext, die zu psychischen oder körperlichen Folgeerkrankungen führen kann. Unter den psychischen Folgeerkrankungen ist die Depression die häufigste. Menschen, die beim Burn-out in eine Depression geraten, weisen eine soge­nannte Erschöpfungsdepression auf, die sich auszeichnet durch depressive Symptome und ausgesprochene Erschöpfung.
Bei Verdacht auf Burn-out ist es generell ratsam, sich an den Hausarzt zu wenden mit einer genauen Beschreibung der Probleme und der Bitte, bei Bedarf an eine Fachperson überwiesen zu werden. Verschiedene Internetseiten bieten Burn-out-Tests, zum Beispiel www.stressnostress.ch
 

Depressionen und der Schnitt ins eigene Fleisch


 
Ist es ein Schrei nach Aufmerksamkeit? Warum verletzen sich manche Menschen? Anders als bei Piercings oder Tattoos sind Selbst-Schnitte in der Regel kein Lifestyle-Phänomen. Vielmehr weisen sie auf eine ernste psychische Erkrankung hin. Bislang fehlte ein fundiertes Therapieangebot. Mit den fünf neuen Therapie-Plätzen am Max-Planck-Institut in München soll sich das ändern.

Freiwilliges Therapieangebot

Die Plätze stehen Erwachsenen aus ganz Bayern offen, die sich vom Arzt oder Therapeut überweisen lassen wollen. Für ihre Therapie hat das MPI ein Selbstverletzungs-Tagebuch entwickelt, das die Patienten vor ihrer Ankunft und während ihres stationären Aufenthalts führen. So lassen sich gezielt individuelle Muster erkennen und auch der Erfolg der Behandlung belegen.

Erleichterung Schmerz – bei unerträglicher innerer Anspannung

Sich selbst weh zu tun - das beginnt oft im Kindes- oder Jugendalter und ist ein ernstes Symptom. Bei einer Studie der Universität Ulm gaben 20 Prozent der befragten Jugendlichen an, sie würden sich schneiden oder ritzen. Betroffene suchen das Gefühl einer "Entspannung" in emotional stressigen Situationen. Doch oft verselbständigt sich diese Strategie. Bei einer unbehandelten zugrunde liegenden Störung weit über die Jugendzeit hinaus an. Experten gehen davon aus, dass sich heute fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung nicht-suizidale Selbstverletzungen zufügen.

Jeder 10. Depressive verletzt sich selbst

Ritzen ist in der Regel Ausdruck einer stressbedingten psychischen Erkrankung etwa der Borderline-Persönlichkeitsstörung, einer Posttraumatischen Belastungsstörung, oder einer Depression oder Essstörung. Und davon sind immer mehr Menschen betroffen: Heute leiden rund eine Millionen Erwachsener an einer Depression, so die AOK Bayern. Das MPI will zunächst den Therapiebedarf für junge Erwachsene ermitteln und plant langfristig weitere Kapazitäten ein, damit interessierte Patienten von dem neuen Therapieangebot in München profitieren können.

Quelle: https://www.br.de/nachrichten/bayern/hilfe-gegen-den-schnitt-ins-eigene-fleisch,R0p3Sxn