Samstag, 29. September 2018

Die Schilddrüse als Ursache für Depressionen


Für viele nicht bekannt ist die Tatsache, dass die Schilddrüse eine ganze Reihe von psychischen Krankheiten verursachen kann. Also immer - bei entsprechenden Symptomen - zuerst die Schilddrüse abklären lassen, zum Artikel:

Depressionen und Angstzustände zählen weltweit zu den häufigsten psychischen Störungen. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2016 mehr als 260.000 depressive Patienten sowie Angst-Patienten stationär in Kliniken behandelt. Meist erhalten die Betroffenen eine Psychotherapie sowie angstlösende Medikamente oder Antidepressiva. In einer Studie von 2018 jedoch zeigte sich, dass Depressionen und Angstzustände auch von einer kranken Schilddrüse verursacht sein könnten – was leider häufig übersehen wird.

Zusammenhang zwischen Depressionen, Ängsten und der Schilddrüse entdeckt

Viele Menschen leiden an Depressionen und Angstzuständen – und auch chronische Schilddrüsenbeschwerden sind auf dem Vormarsch, insbesondere die chronische Schilddrüsenentzündung Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung, die etwa 10 Prozent der Bevölkerung betreffen soll.
Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Uniklinik Bonn entdeckten nun gemeinsam mit Dr. Teja Wolfgang Grömer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Bamberg einen deutlichen Zusammenhang beider Problematiken.

Bei Depressionen und Angstzuständen ist oft die Schilddrüse krank

„Seit vielen Jahren werde ich von Hunderten von Patienten aufgesucht, die an Depressionen und Angstzuständen leiden“, erklärt Dr. Grömer.
„Ende 2015 dann entdeckte ich einen deutlichen Zusammenhang zwischen der autoimmunen Thyreoiditis und Depressionen bzw. Angstzuständen. Besonders auffällig war der Zusammenhang bei Personen, die an Depressionen und Angstzuständen gleichermassen litten. Ich stellte fest, dass mehr als die Hälfte aller Patienten mit Depressionen und Angstzuständen auch erhöhte Antikörperwerte aufwies, ein Hinweis für eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Ich entschied, die Angelegenheit intensiver zu erforschen.“

40 Prozent aller Depressiven hat eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung

In der entsprechenden Metastudie werteten die Forscher 21 unabhängige Studien aus, die insgesamt an über 36.174 Teilnehmern durchgeführt wurden. 35.168 davon litten an Depressionen, 34.094 an Angstzuständen.
Es zeigte sich nun, dass Patienten mit einer autoimmunen Thyreoiditis (AIT) 3,5-mal häufiger an einer Depression litten und 2,3-mal häufiger an Angstzuständen als Patienten, die keine Schilddrüsenentzündung hatten. Das bedeutet, dass 40 Prozent aller Depressiven und 30 Prozent aller Patienten mit Angstzuständen gleichzeitig AIT-Patienten waren.
Erkennt ein Arzt diesen Zusammenhang, kann er ganz anders therapieren. Im Vordergrund steht dann die Schilddrüsenerkrankung und nicht mehr unbedingt die Depression oder die Ängste. Denn sobald die Thyreoiditis unter Kontrolle ist, gehen natürlich auch die psychischen Beschwerden zurück.

Bei Depressionen und Angstzuständen unbedingt die Schilddrüse untersuchen!

Dr. Grömer rät dazu, alle Patienten, die an Depressionen und Angstzuständen leiden, unbedingt auf AIT zu untersuchen. Die meisten Patienten – so Dr. Grömer – fühlen sich sehr erleichtert, sobald sie erfahren, dass ihre Symptome auf einer Schilddrüsenerkrankung beruhen. Denn nicht selten hören Betroffene, dass es keine Erklärung für ihre Ängste und depressiven Beschwerden gäbe.

Hashimoto-Thyreoiditis: Die autoimmune Schilddrüsenentzündung

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis ist die Schilddrüse chronisch entzündet. Im Verlauf der Erkrankung kommt es immer wieder zu Unterfunktions- aber auch zu Überfunktionssymptomen. Dazu gehören auch innere Unruhe, Anspannung und Erschöpfung. Meist erkranken Frauen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Männer sind deutlich seltener betroffen.
Da die Erkrankung oft mit dem Beginn der Wechseljahre zusammentrifft und keinerlei Schmerzen verursacht, werden die Symptome gerne als typische Probleme des Klimakteriums gedeutet. Die für eine autoimmune Schilddrüsenentzündung typischen Blutwerte werden überdies bei Routineuntersuchungen nicht überprüft. Infolgedessen werden viele Patienten einfach nur mit Antidepressiva oder angstlösenden Medikamenten ruhig gestellt, während ihre Schilddrüsenerkrankung unerkannt bleibt.
Sollten Sie daher an Depressionen und/oder Angstzuständen leiden und Ihr Arzt nicht an eine Hashimoto-Thyreoiditis denken, erinnern Sie ihn daran!

Quelle: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/news/depressionen-und-angst-durch-schilddruesenerkrankung-180904093.html

Freitag, 28. September 2018

Tierversuche und Depression


Tierversuche ? Da denkt man auch nicht sofort daran, aber ja zwecks Depressionsforschung finden sehr viele Tierversuche statt. Ich bin als Vegetarier generell dagegen Tiere für unsere Zwecke zu missbrauchen, aber lesen Sie selbst:

Europäischer Tag der Depression - Tierversuche bringen keinen Fortschritt

(Köln) - Am 1. Oktober findet der 15. Europäische Depressionstag statt, um das öffentliche Bewusstsein für die Volkskrankheit Depression zu stärken. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert, dass Tierversuche im Bereich der Depressionsforschung nicht nur besonders grausam sind, sondern aufgrund mangelnder Übertragbarkeit auf den Menschen die Entwicklung wirksamer Therapien behindern.

Depressionen zählen zu den häufigsten Krankheiten in Deutschland und die Zahl der betroffenen Erwachsenen und Kinder wächst stetig. Das hat verschiedene Ursachen, z.B. gesellschaftliche Probleme oder eine verbesserte Berichterstattung, zeigt aber auch, dass es an effektiven Therapien mangelt. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert seit Langem, dass die Entwicklung gut wirksamer Medikamente durch den Einsatz von Tierversuchen eher behindert als gefördert wird. Gerade im Bereich der Erforschung und Therapie mentaler Erkrankungen wie z.B. Depressionen ist die Übertragung von Forschungsergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen von vornherein nicht gegeben.

"Im Bereich der Psychopharmaka wurde seit mehreren Jahrzehnten kein nennenswerter Fortschritt mehr erzielt. Die "Neuerungen", welche auf den Markt kamen, waren im Wesentlichen Modifikationen bereits bekannter Substanzen", sagt Dr. Andreas Ganz, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Vorstandsmitglied von Ärzte gegen Tierversuche. Den Hauptgrund für die Stagnation sieht Ganz im Einsatz von "Tiermodellen", d.h. Tieren, bei denen Symptome einer menschlichen Erkrankung nachgeahmt werden.

So müssen beim "forcierten Schwimmtest" Ratten oder Mäuse bis zur Erschöpfung schwimmen, um eine Depression zu simulieren. Geben die Tiere vorzeitig auf, gelten sie als depressiv. Weitere Ansätze sind Elektroschocks, ausgedehnter Nahrungsentzug mit anschließendem Präsentieren von Futter, das nicht erreicht werden kann, stundenlange Bestrahlung mit Lichtblitzen oder ausgedehnte Licht- oder Dunkelphasen. Der Verein hält solche "Tiermodelle" nicht nur für ethisch inakzeptable, sondern auch für vollkommen ungeeignet, um eine höchstkomplexe Erkrankung wie die Depression zu erforschen.

"Methoden wie der forcierte Schwimmtest sind teilweise 40-50 Jahre alt und haben bis heute zu keinen bahnbrechenden Erkenntnissen bezüglich der Krankheits-Entstehung und -Therapie geführt.", gibt Dr. Ganz zu bedenken. "Wie auch? Nirgendwo sonst in der Natur findet sich eine ähnlich komplex wechselwirkende Konstellation zwischen einem hochentwickelten Gehirn, einer durch menschliche Einflüsse geprägten Umwelt und einer durch den Menschen chemisch und physikalisch veränderten Umwelt wie bei der Depression." Facharzt Ganz kritisiert, dass wir die Herausforderungen von heute und morgen nicht mit Methoden von gestern lösen können.

Tierversuche in diesem Bereich sind nach Kenntnis der Ärzte gegen Tierversuche nicht nur wissenschaftlich fragwürdig, sondern auch besonders leidvoll und fallen oftmals unter den Schweregrad "schwer". Laut EU-Richtlinie sind solche Versuche eigentlich zu verbieten, Deutschland hat jedoch ein Schlupfloch genutzt, und erlaubt auch diese allerschlimmsten Tierversuche.

Am 27. Oktober organisiert der Verein zum zweiten Mal den WIST-Kongress mit dem diesjährigen Schwerpunkt "Psychiatrische und neurologische Erkrankungen". Renommierte internationale Wissenschaftler berichten dort von den Nachteilen der Tierversuche in diesem Bereich und zeigen innovative humanbasierte Forschungsmodelle auf.

 Quelle und Kontaktadresse: Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Pressestelle
Goethestr. 6-8, 51143 Köln
Telefon: (02203) 9040990, Fax: (02203) 9040991
E-Mail: info@aerzte-gegen-tierversuche.de
Internet: www.aerzte-gegen-tierversuche.de

Quelle: https://verbaende.com/news.php/Europaeischer-Tag-der-Depression--Tierversuche-bringen-keinen-Fortschritt?m=124602

Tipps zur Prävention von Burnout


Hier sind ein paar sehr nützliche Tipps zur Prävention. Siehe Bericht:

Wer von morgens bis abends unter Strom steht, gerät leicht in die Stressfalle. Doch wie lässt sich ein Burnout vermeiden? Wir erklären, welche Methoden zur Prävention funktionieren und was du noch über Burnout wissen solltest.


Gerade wenn wir unseren Job lieben, geben wir gern 120 Prozent! Aber ein Arbeitsleben auf der Überholspur hält selbst die motivierteste Frau nur für eine gewisse Zeit durch. Genauso wichtig ist es, immer mal wieder etwas auf die Bremse zu treten, damit wir nicht in die Stress-Falle und einen Burnout rutschen. Nur so sorgen wir dafür, dass wir gesund bleiben – und weiterhin im Job unser Bestes geben können!

Burnout vermeiden: Bin ich schon ausgebrannt? 

Manchmal verläuft die Grenze zwischen einer stressigen Phase und einem richtigen Burnout fließend. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig auf erste Anzeichen eines Burnouts zu achten:
  • Schlafstörungen 
  • Ständige Gereiztheit 
  • Übermüdung 
  • Abschalten scheint unmöglich / Gedanken kreisen immer um die Arbeit 
  • Angstzustände 
  • Generelle Erschöpfung 

Burnout vermeiden: Symptome ernst nehmen! 

Der größte Fehler, den wir machen können: Zu glauben, dass die Burnout-Beschwerden bestimmt von alleine wieder weggehen. Klar sind wir Powerfrauen, die sich ungern von ein, zwei durchwachten Nächten aufhalten lassen. Aber Körper und Seele protestieren ja nicht einfach nur zum Spaß! Nehmen wir unsere Symptome nicht ernst, werden die Beschwerden in der Regel nur noch schlimmer – bis Körper und Psyche komplett in den Streik treten und wir ausgebrannt sind.

Den Alltag ändern und Rückzugsinseln schaffen 

Einsicht ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. Wer anerkennen kann, dass er unter Dauerstress und ständigem Termindruck steht, ist auch eher bereit, etwas dagegen zu tun. Und wenn es nicht möglich ist, den straffen Zeitplan für das nächste Projekt etwas zu lockern, sollten wir schauen, an welchen anderen Stellschrauben wir drehen können, um Burnout zu verhindern.
Dabei ist es besonders wichtig, sich einmal selbst zu reflektieren – denn die eigene Einstellung spielt eine wichtige Rolle, wenn man einen Burn-out vermeiden will. Fühlen wir uns schnell überfordert von dem Berg Arbeit, der sich vor uns türmt? Oder motivieren all die Aufgaben uns erst recht? Wie geht es uns abends, wenn wir viel oder eben nur wenig geschafft haben? Oft  hilft es bei der Burn-out-Prävention, ein Stress-Tagebuch anzulegen und so herauszufiltern, welche Ursachen Stress und Erschöpfung eigentlich haben und durch welche Symptome sie sich äußern.

Burnout vermeiden: Diese Tipps helfen! 

Damit wir gesund und möglichst entspannt durch den Alltag kommen, helfen unser Artikel Stress abbauen und diese Tipps:
  • Rückzugsinseln schaffen, zum Beispiel jeden Abend eine Stunde lesen Abschalten lernen, z. B. durch Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation
  • Schlafrhythmus stabilisieren, indem man jeden Abend zur selben Zeit ins Bett geht und morgens zur immer gleichen Zeit aufsteht. Spätestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen sollten alle elektrischen Geräte vom Fernseher bis zum Smartphone ausgeschaltet werden
  • Sport – aber in Maßen. Sport hilft dabei, Stress abzubauen und fördert die Ausschüttung von Glückshormonen 
  • Arbeitsalltag checken: Passen die Arbeitszeiten zu meinem Tagesrhythmus? Ist die Erreichbarkeit nach Feierabend wirklich wichtig? 
  • Ziele definieren: Unerreichbare oder gar keine Ziele zu haben, sorgt für Frustration. Besser: Kleine Etappenziele setzen, zum Beispiel diese Woche maximal zwei Überstunden pro Woche machen, nächste Woche nur eine und so weiter 
  • Mindestens einen Ruhetag pro Woche einrichten, der ganz dir und deinen Bedürfnissen gehört – so gibst du dem Burnout keine Chance!
Quelle: https://www.brigitte.de/academy/karriere/burnout-vermeiden--tolle-tipps-zur-praevention-11265322.html

 

Donnerstag, 27. September 2018

Ernährung und Fastfood


Burger, Pommes und Currywurst - viele Menschen können gar nicht genug davon bekommen. Internationale Forscher haben jetzt allerdings in einer Studie vor Fastfood gewarnt: Es soll Depressionen begünstigen.

Der Verzehr von Fastfood steigert laut einer Studie das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Menschen, die dagegen Fisch, Früchte, Nüsse und Gemüse essen, sind demnach besser gegen die Volkskrankheit geschützt.
Wie Dr. Camille Lassale vom University College London dem britischen Guardian mitteilte, erhöhe schlechte Ernährung das Risiko einer Depression in erheblichem Maß. Veröffentlicht wurden diese Erkenntnisse im "Journal Molecular Psychiatry" von Wissenschaftlern aus Großbritannien, Spanien und Australien, die in 41 vorherigen Studien den Zusammenhang zwischen Ernährung und Depressionen untersuchten.

Zucker- und fetthaltige Speisen seien demnach nicht nur für den Körper, sondern auch für die Psyche schädlich, da eine Entzündung des Darms auch auf den gesamten Körper Auswirkungen habe und zu einer "systematischen Entzündung" führen könne. Schlechte Ernährung wirke sich so wie Rauchen und Fettleibigkeit negativ auf das Wohlbefinden aus. Lassale beschrieb den gesundheitsschädlichen Vorgang so, dass diese chronischen Entzündungen entstünden, indem durch Moleküle Neurotransmitter im Gehirn beeinflusst werden.

Quelle: http://www.general-anzeiger-bonn.de/besser-leben/genuss/essenundtrinken/Fastfood-beg%C3%BCnstigt-Depressionen-article3949786.html

Mittwoch, 26. September 2018

Depression durch das Stadtleben


Depressiv und einsam: So krank macht uns die Stadt

Wer in einer Großstadt wohnt, hat ein um bis zu 40 Prozent höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken. Wie kann man sich davor schützen und trotz Stadtlärm und Autoabgasen lächelnd durch die Häuserschluchten wandern?

Nirgends gibt es so viele Menschen und Möglichkeiten wie in modernen Metropolen. Und dennoch fühlen sich genau hier die Menschen oft am einsamsten. Und mit dem Gefühl von Einsamkeit ist nicht zu spaßen, denn es kann uns sogar körperlich krank machen.

Mehr psychische Krankheiten

Forscher fanden heraus, dass Menschen, die in Großstädten leben, ein bis zu 40 Prozent höheres Risiko haben, an Depressionen zu erkranken, und dreimal so häufig eine schizophrene Erkrankung entwickelten, als Bewohner von Kleinstädten oder ländlichen Gegenden.

Stressempfindlicher

In der Stadt ist immer was los: Konzerte, Kino, Menschenmassen, Autos, Lokale, Lichter, Lärm. Irgendwann kann das alles zu viel werden. Und das Gehirn von Städtern reagiert auf solchen Stadtstress sogar noch empfindlicher als das Hirn von am Land lebenden Menschen. Können die einfach mehr wegstecken? Nicht unbedingt, wichtig ist, dass man als Stadtbewohner immer die Möglichkeit zum Rückzug hätte. Sagen zu können: "Mir reicht's, ich geh jetzt", schenkt einem ein Gefühl von Kontrolle. Doch was tun, wenn vor dem Fenster die dreispurige Straße liegt. Rückzug? Undenkbar. Besonders in solchen Zwangssituationen kann einem die Stadt auf die Pelle rücken und ihre unangenehmen Seiten zeigen.

Mein Nachbar?

Seien Sie ehrlich: Kennen Sie ihren Nachbarn? Nur vom Sehen gilt nicht. Beim Namen. Was macht er oder sie? 80 Prozent müssen diese Frage mit nein beantworten, alles was man vom Nachbarn weiß ist, ob er so nett war das Paket für einen anzunehmen oder nicht. Ein kurzes "Danke" bei der Übergabe ist dann auch schon meist der kommunikative Höhepunkt des Nachbarschaftsverhältnisses.

Laute Einsamkeit

Städte sind laut und Städte sind anonym: Kein Wunder, wenn da der Stresspegel steigt. Dabei ist aber nicht die Stadt das Übel an sich, sondern unser Umgang damit. Denn nirgendwo sonst gibt es so viele Menschen und Möglichkeiten wie in einer Stadt. Man muss sie nur nutzen und sich nicht zu Hause verschanzen, nachdem man einen anstrengenden Stadtspaziergang (Ampel rot, grün, ach nein, doch wieder rot, hätte man doch lieber die U-Bahn genommen – aber ob da alle das Essverbot respektiert hätten?) unternommen hat.
Zieht man sich immer mehr in seine eigenen vier Wände zurück, nimmt die Einsamkeit stetig zu, mit dem Ergebnis, dass man sich noch mehr von der Außenwelt isoliert.
Das ist aber der schlimmste Fehler, den man machen kann, denn noch viel mehr als Straßenlärm und Kerosinregen stresst uns Menschen die soziale Isolation.

Gegensteuern

Wichtig für die psychische Gesundheit ist es, bereits bei den ersten Anzeichen gegenzusteuern. Wer bemerkt, dass er immer schlechter schläft, reizbarer ist und vermehrt dazu neigt, sich zurückzuziehen, sollte das Gegenteil machen und rausgehen.
Ausflüge in der Natur, schweißtreibende Sporteinheiten und vor allem das Treffen mit anderen Menschen sind das Um und Auf für ein ausgeglichenes Leben in der Stadt.

Singles aufgepasst

In den Städten leben mehr Singles als auf dem Land. Da sind gewiss einige darunter, mit denen man eine angenehme Zeit verbringen kann. Ob die ganz große Liebe dabei ist oder nicht sei dahingestellt, wichtig ist, dass man außer Haus kommt und Neues kennenlernt. Wer sich gleich beim ersten Date verguckt hat, sollte auch nicht allzu traurig sein, wenn es nicht klappt, denn Singles in Großstädten sind tendenziell wählerischer (bei der großen Auswahl) und bleiben lieber Single, als sich in eine Beziehung zu stürzen, von der sie nicht vollends überzeugt sind.
Auf dem Land hingegen macht man eher mal Nägel mit Köpfen, da die Auswahl an potenziellen Partnern nicht so groß ist, ist man auch eher bereit Abstriche zu machen.

Realer Kontakt

Wichtig für die psychische Gesundheit ist der reale Kontakt mit Menschen. Es hilft nicht viel, wenn man verschiedene Nachbarschaftsapps auf sein Handy runterlädt und sich dann doch nie eine Leiter oder Ähnliches ausleiht. Man muss auch nicht unbedingt den eigenen Nachbarn kennenlernen. Doch wie wäre es, mal beim Straßenfest um die Ecke vorbeizuschauen, gewiss lernt man interessante Menschen kennen. Oder im Museum ein Gespräch zu beginnen (klappt besser als im dunklen Kinosaal). Und wieso nicht beim Kaffee in der Lieblingsbar schauen, was der Tischnachbar für eine Zeitung ließt und ihn einfach darauf ansprechen? Was soll schon schiefgehen, die meisten Leute freuen sich über ein Gespräch.
Angst davor, allein unterwegs zu sein, braucht man in einer Stadt nicht zu haben (natürlich sollte man um 5 Uhr morgens aufpassen, dass man sicher nach Hause kommt), aber falsche Schüchternheit am helllichten Tag ist nicht angesagt. Denn in einer Stadt findet sich gewiss immer irgendwo jemand, der auch allein unterwegs ist und froh ist, genau Sie als Gesprächspartner gefunden zu haben.

Quelle:    http://www.weekend.at/entertainment/stadt-macht-krank/53.421.781

Dienstag, 25. September 2018

Irrtümer über die Depression


1. Eine Winterdepression hat die gleichen Symptome wie eine echte Depression.

Stimmt nicht. Eine Winterdepression ist auf den Lichtmangel in der kalten Jahreszeit zurückzuführen und vergeht in der Regel wieder, wenn die Sonne wieder öfter scheint. Die Symptome können ähnlich verlaufen, aber weit nicht so ausgeprägt. Eine echte Depression macht sich durch allgemeine Lustlosigkeit, einen Leistungsabfall in der Arbeit, Schlafmangel, rasche Erschöpfung, Mangel an Appetit, Gewichtsverlust, und auch einer Nachlässigkeit bei alltäglichen Aufgaben bemerkbar.

2. Depressionen müssen nicht behandelt werden.

Depressive Menschen haben häufig auch an Suizidgedanken. Außerdem sterben depressive Menschen auch früher, es handelt sich somit keineswegs um „nichts". Bei einer Depression braucht man ärztliche Betreuung und eine Behandlung in Form von Tabletten oder Gesprächstherapien.

3. In schlechten Beziehungen bekommt man eher Depressionen.

Das kann man so nicht sagen. Wie eine Beziehung verläuft ist meist auch ein Wechselspiel mit der Erkrankung. Es ist nämlich nicht ganz einfach mit Betroffenen zusammenzuleben. Außerdem sind Singles häufiger betroffene als Personen in fixen Beziehungen. Frauen leiden öfter an einer Depression. So erleiden 16 bis 22 Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens an einer Depression, während acht bis zwölf Prozent aller Männer davon betroffen sind.

4. Die Hektik unserer Zeit verursacht häufiger Depressionen.

Depressionen gab es schon immer, aber heute werden sie häufiger erkannt als früher. Es ist aber weniger, die Hektik, die zu Depressionen führt, sondern vielmehr das Allein sein durch Scheidungen oder auch eine Zunahme der Arbeitslosigkeit.

5. Viel Arbeit macht depressiv.

Tatsächlich sind Berufstätige seltener betroffen als Arbeitslose oder Menschen, die aus irgendwelchen Gründen arbeitsunfähig sind. Allerdings kann ein Burnout, also ein Ausgebrannt sein durch zu hohe Anforderungen, auch von einer Depression begleitet werden.

6. Bei einer Depression muss man sich zusammenreißen, dann geht es wieder!

Für Betroffene sind die kleinsten Tätigkeiten im Alltag eine Qual. Die Erkrankung ist schließlich auch keine Frage der Einstellung, sondern manifestiert sich im Hirn. Die Konzentration der Botenstoffe Serotonin (werden oft als Glückshormone bezeichnet) und Noradrenalin (ist für die Anpassung an Stress zuständig) ist durcheinander.

7. Labile Menschen sind gefährdeter.

Wer eine Depression hat ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, nach außen hin können das völlig gesunde und fröhliche Menschen sein. Depressionen haben mit der inneren Festigkeit nichts zu tun.

Quelle: https://wienerin.at/7-gangige-irrtumer-uber-depressionen

Montag, 24. September 2018

Depressionen - ein Überblick zum Thema


Ein Interview mit Frau Dr. Susanne Stuppi- Fachärztin für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie

 „Stell dich nicht so an! Reiß dich mal zusammen! Du bist selbst schuld, du musst es nur wollen!“ Diese Aufforderungen müssen sich Depressions- Erkrankte zu genüge anhören.
Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Pessimismus. Schlafstörungen, ein geschwächtes Immunsystem und erhöhter Genussmittelkonsum, das sind psychische und physische Anzeichen einer Depression. Die Ursachen dafür reichen von übermäßigem Stress oder Schicksalsschlägen, über Probleme in Berufs- und Privatleben, bis hin zu Stoffwechselstörungen und ernsthaften Krankheiten.
 Wir durften uns mit Frau Dr. Susanne Stuppi, Fachärztin für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie in St. Wendel, über diese ernstzunehmende Erkrankung unterhalten.


Frau Dr. Stuppi, wie würden Sie vereinfacht beschreiben, was eine Depression ist?
„ Am einfachsten ist es dies an einem Beispiel zu erklären. Vera ist seit einem längeren Zeitraum niedergeschlagen, ihre Stimmung ist deutlich gedrückt und sie ist sehr oft müde. Den Antrieb für ganz alltägliche Dinge wie Einkaufen gehen, soziales Miteinander, Hobbys und andere schöne Dinge im Leben, hat sie gänzlich verloren. Darüber hinaus treten bei ihr verschiedenste körperliche Beschwerden auf. Sie ist in ihrer gesamten Lebensführung beeinträchtigt. Die Alltagsbewältigung gelingt ihr nur schwer, sie leidet an starken Selbstzweifeln, Schuldgefühlen, Ängsten und Konzentrationsstörungen. Sie neigt immer wieder dazu scheinbar endlos zu grübeln. Das Schlimmste ist, dass sie kaum Gefühle mehr empfindet. Keine Trauer, keine Liebe, keine Freude. Ihr sexuelles Verlangen ist vermindert und sie steht unter einem hohen Leidensdruck. Ihre Erkrankung, die Depression, beeinflusst ihr Selbstwertgefühl und ihr Wohlbefinden in zentraler Weise.
Es existieren nicht viele andere Krankheiten, deren Leidensdruck die Betroffenen so häufig zur Selbsttötung treiben. Auch die Lebenserwartung ist um circa 10 Jahre gesenkt.
Die Depression ist oft weiblich, die Diagnose wird drei Mal so oft bei Frauen, als bei Männern, gestellt. Möglicherweise, weil Frauen häufiger erkrankt sind, aber auch, weil sich diese eher professionelle Hilfe suchen als Männer, dies bestätigen auch meine Erfahrungen.“


Welche verschiedenen Arten von Depressionen gibt es?
„Die Diagnose richtet sich nach den ICD-10 Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und kann nur gestellt werden, wenn aus einer Reihe von Symptomen mehrere Krankheitszeichen für eine Dauer von über 2 Wochen vorliegen.Man unterscheidet unter anderem zwischen leichten, mittelgradigen und schweren depressiven Episoden. Diese Episoden können sogar mit einer wahnhaften Symptomatik einhergehen. In diesen Fällen müssen sich die Betroffenen fast ausnahmslos in stationäre Behandlung begeben, da sie in der Regel in hoher Weise suizidgefährdet sind.
Je nach Ausprägung unterscheiden wir gehemmte Depressionen, bei denen Betroffene verlangsamt, schweigsam und verzögert handeln und agitierte Depressionen, bei denen die Betroffenen sehr ängstlich agieren, unruhig und rastlos sind. Darüber hinaus steht bei den larvierten Depressionen die Depression unter einer Art „Larve“ körperlicher Beschwerden.


Wie wirkt sich eine Depression körperlich aus?
Körperliches und psychisches Befinden ist eng miteinander verknüpft. In Zusammenhang mit Depressionen kann eine Vielzahl körperlicher Symptome auftreten.Die krankheitstypische innere Anspannung verursacht auch Verspannungen der Muskulatur, die zu Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen führen. Der Dauerstress fördert Herzrasen, Herzstechen und ein Beklemmungsgefühl in der Brust. Häufig bestehen Verdauungsstörungen mit Übelkeit, Blähungen, Verstopfung sowie Appetitverlust, es kommt oft zu einem auffälligen Gewichtsverlust.
Wenn die Seele belastet ist, geht der Antrieb schnell verloren. Als Folge dessen, bewegen sich Betroffene oftmals viel weniger, gehen selten raus und kümmern sich weniger um ihre Erkrankungen. Die Beschwerden können so stark sein, dass manche Patienten erst nach langen Voruntersuchungen und Krankenhausaufenthalten, zum Beispiel in internistischen Fachabteilungen, zum Psychiater kommen.“


Was sagen Sie dazu, dass viele Menschen der Meinung sind, dass die Krankheit „Depression“ de facto nicht existiert, sondern lediglich eine negative Verstimmung ist, unter der jeder mal leidet ?
Die Existenz dieser anerkannten Erkrankung lässt sich aus fachlicher Sicht keinesfalls leugnen. Eine Depression ist keine Befindlichkeitsstörung, ein schlechter Tag ist keine Depression.
Die organische Grundlage der Depression sind Störungen der Hirnaktivität, wobei nicht alle Details geklärt sind. Die Hauptursache liegt in der Veranlagung, aber auch schwere Lebensbelastungen und Traumata können Depressionen auslösen.
Leider wird der Begriff der Depression häufig missbräuchlich oder nachlässig verwendet. Die Einschränkung der Lebensqualität in Zusammenhang mit der Depression ist sehr weit reichend, sowohl für die Patienten, als auch für die Angehörigen. Meist verläuft eine Depression in Form einer langsamen und schleichenden Entwicklung, sie kann Wochen bis hin zu Monaten dauern, im Durchschnitt circa 4 bis 6 Monate. Es können Wiederholungsphasen auftreten, mitunter auch erst nach Jahren. Seltener entwickeln sich auch chronische Formen, die zwar weniger stark ausgeprägte Symptome zeigen, aber das Leben in gravierender Weise beeinträchtigen, die sogenannte Dysthymie.“
Ich denke, dass es ein allgemeines Problem ist, dass seelische Erkrankungen häufig nicht ernst genommen werden, weil sie nach außen hin nicht sichtbar sind. Oft denken die Betroffenen selbst, dass sie sich nur zusammenreißen müssten.
Wenn jemand im Krankhaus liegt, weil er körperliche Beschwerden hat, wird dies akzeptiert und anerkannt. Der Mensch ist körperlich krank und er muss unter ärztlicher Betreuung stehen, damit er bald wieder gesund ist. Wenn sich aber ein Mensch mit einer psychischen Erkrankung in stationäre Behandlung begibt, kann es vorkommen, dass seine Probleme von Außenstehenden nicht ernst genommen werden.


Denken Sie, dass depressive Menschen häufig diskriminiert werden?„Ich denke, dass diese Annahme leider wahr und teilweise immer noch weit verbreitet ist.
Im Jahr 2010 wurden knapp 1100 Patienten aus 53 Ländern im Zuge des „Anti Stigma Programm European Network“ (ASPEN) interviewt. Die Betroffenen wurden im persönlichen Gespräch speziell zum Thema „Stigmatisierung und Diskriminierung von Patienten mit mentalen Störungen“ befragt.

Die Ergebnisse waren eindeutig. Knapp 80 Prozent der Befragten waren schon mehrfach Opfer von Diskriminierungen aufgrund ihrer psychischen Erkrankung geworden. Etwa drei Viertel der Patienten verheimlichten ihre Erkrankung, aus Sorge vor Diskriminierung.
Mehr als ein Drittel erklärte, dass sie wegen ihrer Depressionen gemieden wurden und aufgrund wiederkehrender Zurücksetzungen davon Abstand nahmen, enge persönliche Beziehungen einzugehen.
Ein Viertel der Befragten teilte mit, dass sie die starke Diskriminierung schon davon abgehalten habe, sich um einen Arbeitsplatz zu bewerben. Viele scheuen sich deswegen immer noch, sich in Behandlung zu begeben.


Können Kinder auch Depressionen bekommen?
Ja, auch Kinder und Jugendliche können eine Depression haben. Schon Vierjährige können auf schwierige Lebensumstände depressiv reagieren. Das bedeutet aber nicht, dass jedes Kind mit den typischen Symptomen auch tatsächlich eine Depression haben muss. Ich persönlich habe einen 7-jährigen Patienten mit den typischen Symptomen einer schweren Depression erlebt, häufiger sind Depressionen aber im Jugendalter.
Die Ursache für eine frühe depressive Episode ist, wie bei Erwachsenen, oft ein Zusammenspiel von genetischen Komponenten und Ereignissen im Umfeld. Mobbing, Überforderung in der Schule und Trennung oder Erkrankung der Eltern können Beispiele für Auslöser sein.“


Sind Medikamente Ihrer Meinung nach zwingend notwendig?
Medikamente gehören zu den Behandlungsmöglichkeiten, sind jedoch nicht immer zwingend notwendig. Mit Hilfe der heutigen, spezifischeren Diagnose ist eine Verbesserung der Behandlungssituation eingetreten. Die Diagnose „Depression“ wird häufiger gestellt, was nicht gleichzeitig bedeutet, dass die Depression häufiger als früher vorkommt. Früher versteckte sich die Diagnose oft hinter den oben beschriebenen Symptomen.
Heute wird somit mehr und zielführender behandelt. Die Zahl der Verschreibungen für Antidepressiva und Psychotherapie sind in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Gleichzeitig ist die Anzahl der Suizide fast um die Hälfte gesunken. Ein deutlicher Beleg für den Erfolg von Aufklärung, Offenheit und Behandlung.“


Wie kann man diese Krankheit am besten bekämpfen? Was raten Sie Betroffenen?
Depressionen sind häufig. Sie belasten den Menschen und die Gesellschaft. Es ist wichtig früh zu handeln. Gute Ratschläge und Aufmunterungsversuche oder gar Vorwürfe reichen nicht aus.
Die Diagnose zu stellen, ist bedeutsam, da gute Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Neben Medikamenten, sogenannten Antidepressiva, die weder süchtig machen, noch die Persönlichkeit verändern, können mit bestimmten psychotherapeutischen Verfahren, vor allem der kognitiven Verhaltenstherapie, den meisten Patienten geholfen werden.
Mit neuen Medien werden derzeit verschiedene Therapiekonzepte via Internet und Telemedizin entwickelt, die durchaus erfolgversprechend sind. Zum Beispiel das Programm „iFightDepression“, Tool der deutschen Depressionshilfe, das kostenfrei zur Verfügung steht und zur Verbesserung der Selbsthilfe eingesetzt wird. Weitere seltenere Verfahren werden im Einzelfall angewendet, wobei dies im Rahmen stationärer Behandlungsmöglichkeiten erfolgt.“


Wir hoffen, dass wir den einen oder anderen Leser für dieses Thema sensibilisieren konnten.
Wir wünschen Betroffenen den Mut zu ihrer Erkrankung zu stehen und fachmännische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
„Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben.“[Indianische Weisheit]


Quelle: https://wndn.de/depressionen-wenn-schatten-auf-der-seele-liegen-ein-interview-mit-frau-dr-susanne-stuppi/