Sonntag, 4. August 2019

Mehr und mehr Kinder fallen ins Burnout — selten sind Helikopter-Eltern schuld daran


Vor einigen Jahren saß Michael Schulte-Markwort einem Neunjährigen gegenüber, der zu ihm sagte: „Wenn ich den Übergang aufs Gymnasium nicht schaffe, dann ist mein Leben gelaufen.“ Schulte-Markwort ist ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. In seinen Sprechstunden hatte er es bis dahin eher mit älteren Patienten zu tun gehabt, die solche Sätze sagten, mit Jugendlichen, vor allem Mädchen, kurz vor dem Abitur.

Vor einigen Jahren saß Michael Schulte-Markwort einem Neunjährigen gegenüber, der zu ihm sagte: „Wenn ich den Übergang aufs Gymnasium nicht schaffe, dann ist mein Leben gelaufen.“ Schulte-Markwort ist ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. In seinen Sprechstunden hatte er es bis dahin eher mit älteren Patienten zu tun gehabt, die solche Sätze sagten, mit Jugendlichen, vor allem Mädchen, kurz vor dem Abitur.

Zwischen drei und fünf Prozent aller Minderjährigen in Deutschland leiden laut Schulte-Markwort an einem Burnout, also einer Erschöpfungsdepression. Der typische Verlauf: „Anfangs haben die Kinder oft Konzentrationsstörungen“, sagt er. „Das führt dazu, dass sie einen Leistungstrieb entwickeln – sie lernen und arbeiten immer mehr. Irgendwann kommen Schlaf- und Appettitstörungen dazu, es stellt sich Erschöpfung und Traurigkeit ein. Dann werden die Kinder antriebslos, kommen überhaupt nicht mehr weiter.“

Helikopter-Eltern sind selten Schuld am Burnout

Der erste Gedanke: Sicher sind der Auslöser überehrgeizige Eltern, „pushy parents“ nennt Schulte-Markwort sie. Diese nervigen Mütter und Väter, die ihre Kinder zu schulischen Höchstleistungen antreiben und sie nachmittags dann zu Geigenunterricht, Spanischstunden und Judotraining schicken. Doch wer sie verdächtigt, liegt falsch. Die meisten Eltern, sagt Michael Schulte-Markwort, wollen ihr Kind nicht überfordern, sondern schützen, und sagen ihm: „Für uns musst du das nicht tun.“ Die Kinder zwingen sich selbst, mehr zu leisten, bessere Noten zu schreiben, ein Einserabi zu schaffen. Aber warum?

„Weil die Eltern ihnen diesen Leistungsdruck vorleben, oft unbewusst“, sagt Michael Schulte-Markwort. Viele Kinder wachsen mit Müttern und Vätern auf, die sich zwischen Job und Kindererziehung fast zerreißen. Mit erschöpften Erwachsenen voller Zukunftsängste. Wenn Mama sagt: „Ich weiß nicht, ob ich die Auflage meiner Zeitung halten kann“ oder Papa um die Rendite seiner Firma fürchtet, dann kriegen Kinder das mit. Und bekommen selbst Angst, später einmal erfolglos zu sein.
Lest auch: Eine Psychologin erklärt, warum manche Kinder nicht einschlafen und was Eltern dagegen tun können
Dass viele Kinder so denken, bestätigt auch der Präventionsradar 2018 der Krankenkasse DAK. „Meine Schulleistungen sind wichtig und können mein ganzes Leben bestimmen“: Diesem Satz stimmten 80 Prozent der befragten Kinder zu. Klingt nach Stress – und ist es auch. Die Schule ist für alle befragten Kinder die größte Stressquelle in ihrem Leben, unabhängig von Altersgruppe oder Schulform. Und das ist schwierig zu ändern, meint Michael Schulte-Markwort – außer man krempelt das gesamte System um. „Deutsche Pädagogik orientiert sich immer an Defiziten“, sagt er. „Die Lehrer hier sagen den Kindern nur, dass sie von 50 Wörtern 20 falsch geschrieben haben. Nicht, dass 30 richtig waren.“ Es sei kein Wunder, dass Kinder in Deutschland reihenweise demotiviert seien und keine Lust auf Schule hätten.
Was richtig wäre, machen andere Länder vor. Michael Schulte-Markwort hat mit vielen Kindern gesprochen, die von einem Austauschjahr in angloamerikanischen Ländern zurück nach Deutschland gekommen waren. Er fragte sie: „Was war der größte Unterschied in der Schule?“. Die Lehrer dort, erzählten ihm die Kinder, hätten nicht auf Fehlern der Schüler herumgehackt. „Wenn die Kinder in einer Aufgabe etwas falsch machten, dann kam manchmal der Lehrer zu ihnen, um sich zu entschuldigen, dass er es vorher wohl nicht richtig erklärt habe“, sagt Schulte-Markwort. „In Deutschland würde man das für einen Witz halten. Kein Lehrer würde das machen.“
Doch was können Eltern tun, um gestresstem Nachwuchs zu helfen? Das Thema „Leistung“ einfach manchmal auszuklammern, könnte schon viel bewirken. Kinder, sagt Schulte-Markwort, brauchen Zeit mit ihren Eltern. Er lasse Vater, Mutter und Kind deswegen oft jeweils ihren eigenen Stundenplan aufschreiben. Anschließend legen alle ihren Tagesablauf nebeneinander. Gemeinsam mit dem Psychiater suchen sie dann nach „Inseln der Gemeinsamkeit“. Wer ist wann mit wem zusammen? Wo ist noch Raum für gemeinsame Zeit?
Es muss Phasen geben, wo alle gemeinsam am Tisch sitzen und essen, sagt Schulte-Markwort. Und dabei können Eltern und Kinder auch über den nächsten Schwimmbadausflug reden statt über die anstehende Klassenarbeit.

Quelle: https://www.businessinsider.de/burnout-bei-kindern-nicht-immer-sind-die-eltern-schuld-2019-8?IR=T

Freitag, 2. August 2019

Top-Golferin berichtet von Burnout

 

Die ehemalige Golf-Weltranglistenerste Park In Bee hat erklärt, in der Vergangenheit an einem Burnout gelitten zu haben. Wie die 31-jährige Südkoreanerin vor der am Donnerstag beginnenden British Open in Woburn erklärte, habe sie wegen der Erkrankung zwischenzeit- lich einen Verzicht ihrer Titelverteidigung bei Olympia 2020 in Tokio in Erwägung gezogen

Als Konsequenz habe sie ihren Turnierplan um ein Drittel reduziert. Weiterhin nehme sie sich "jetzt mehr Zeit, um nach Hause zu gehen und Spaß zu haben. Wenn du nicht spielst, merkst du, wie sehr du es vermisst. Ich bin vielleicht nicht mehr so gut wie vorher, aber es geht darum, es zu genießen und mein Selbstvertrauen zurückzugewinnen", erklärte sie.
Park gewann zwischen 2013 und 2015 sechs von sieben Major-Turnieren und führte die Weltrangliste souverän an


Quelle: https://www.n-tv.de/incoming/Top-Golferin-berichtet-von-Burnout-article21179916.html

 

Donnerstag, 1. August 2019

Krankschreibungen durch Depressionen steigen: Doch Probleme werden oft belächelt


Der DAK-Psychobericht 2019 zeigt, dass sich die Zahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten verdreifacht hat. Arbeitgebern fehlt es an Sensibilisierung.

Psychische Erkrankungen sind ein Problem unserer Gesellschaft, dass von einigen inzwischen zwar offen kommuniziert wird, jedoch in vielen Kreisen immer noch ein Tabu darstellt. Dieser Status führt dazu, dass sich die Situation der Betroffenen noch weiter verschlimmert, weil sie sich entweder nicht trauen über ihre Probleme zu sprechen oder gar ausgegrenzt werden. Dabei zeigt der DAK-Psychoreport 2019 eindeutig, dass psychische Erkrankungen ernst genommen werden müssen, denn: Die Anzahl der Krankschreibungen aufgrund von Depressionen und Co. hat sich in den letzten Jahren mehr als verdreifacht. Für den Bericht wurden die Daten von 2,5 Millionen Erwerbstätigen ausgewertet,

Depressionen und Anpassungsstörungen als Hauptauslöser

2018 war jeder 18. Arbeitnehmer wegen einer psychischen Erkrankung krankgeschrieben. Hochgerechnet kommt man auf einen Wert von 2,2 Millionen Betroffenen. Im letzten Jahr lagen psychische Erkrankungen auf dem dritten Platz der häufigsten Krankheitsursachen. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies 236 Fehltage pro 100 Arbeitnehmer. Die meisten Krankschreibungen verursachten dabei Depressionen mit 93 Fehltagen pro Arbeitnehmer, direkt gefolgt von Anpassungsstörungen mit 51 Tagen. Besonders letztere verzeichneten in den vergangenen Jahren einen enormen Anstieg. Grund hierfür ist, laut DAK-Vorstandschef Andreas Storm, dass Betroffene sich von ihren Ärzten mehr ernst genommen fühlen. In den meisten Praxen sind psychische Leiden kein Tabu mehr und dementsprechend erfolgen auch eher Krankschreibungen dahingehend.

Die Zahl der Fehltage aufgrund von Burnout sei in den letzten sechs Jahren stark gesunken. Jedoch wurde 2018 wieder ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet mit 5,3 Fehltagen je Versicherten. Besonders im Alter nimmt die Diagnose Burnout wieder zu. Arbeitnehmer über 60 leiden häufiger daran und verzeichnen neun Fehltage. Der Anstieg der Krankschreibungen wegen Burnouts – das Syndrom wurde von der WHO erst dieses Jahr als Krankheit anerkannt – sollte, trotz der niedrig klingenden Zahl, ernst genommen werden. Besonders Arbeitnehmer stehen hier in der Verantwortung ihre Mitarbeiter zu entlasten und zu unterstützen. Schritt eins dafür ist es, psychische Erkrankungen anzuerkennen und vorzubeugen.

Unterschiede nach Geschlecht, Branche, Bundesland 

Wenig überraschend gibt es auch eine Gender Gap in diesem Bereich des Lebens. Frauen werden fast doppelt so oft krankgeschrieben wie Männer. So verzeichnen die weiblichen Erwerbstätigen 298 Fehltage, die männlichen lediglich 183. Die Ursache dafür ist nicht, dass Frauen „weicher“ sind als Männer, sondern sich eher eingestehen, dass sie ein Problem haben. Tatsächlich scheinen die Themen Burnout, Depression und Co. in Männerkreisen stärker verpönt zu sein und ein Zeichen von „Schwäche“ darzustellen. So ist es nicht verwunderlich, dass männliche Betroffene sich ihre Krankheit teilweise nicht eingestehen und somit auch keinen Arzt aufsuchen.

Ein Blick auf die verschiedenen Branchen verrät, dass besonders die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen unter psychischen Erkrankungen leiden. So kamen beim erstgenannten 358 Fehltage auf 100 Arbeitnehmer, bei letzterem 236 Fehltage. Außerdem werden Erwerbstätige im Saarland am häufigsten wegen psychischer Leiden krankgeschrieben, dich gefolgt von Bremen und Berlin. Umgekehrt verzeichnet Bayern die wenigsten Fehltage nach entsprechender Diagnose.

Das Bewusstsein für psychische Erkrankungen ist in den letzten Jahren gestiegen und das Thema immer weiter aus der Tabuzone gerückt. Von einer weitgehenden Akzeptanz kann jedoch noch lange nicht die Rede sein. Vielen Unternehmen, aber auch Einzelpersonen, fehlt es an Sensibilisierung. Nichtsdestotrotz ist es gut, dass immer mehr Betroffene sich bei ihrem Arzt sicher fühlen und sich ihre Probleme eingestehen – und sich vor allem krankschreiben lassen, um diese beispielsweise zu behandeln oder ihnen mit Hilfe entgegenzutreten. Je mehr Aufklärungsarbeit betrieben wird, umso mehr Akzeptanz und vor allem Hilfe können Betroffene erfahren. Und so hören vielleicht auch die sinnfreien Ratschläge wie „Sei doch nicht so weich/sensibel/traurig/gestresst“ irgendwann auf und entwickeln sich zu einer ernsthaft helfenden Hand.

Quelle: https://onlinemarketing.de/jobs/artikel/dak-psychoreport-krankschreibungen-durch-depressionen-steigen-probleme-belaechelt

Mittwoch, 31. Juli 2019

Lehrer mit Burnout in Krankenhaus eingeliefert, weil er in den Sommerferien so viel Unterricht vorbereitet hat


Berlin (dpo) - Am vergangenen Wochenende wurde ein Lehrer des Axel-Schulz-Gymnasiums in Berlin ins Krankenhaus eingeliefert. Er hatte einen akuten Fall von Burnout erlitten, während er in den Sommerferien Unterricht vorbereitete. Die Lehrergewerkschaft ist alarmiert und fordert gesonderte Erholungspausen zusätzlich zu den als besonders arbeitsintensiv geltenden Schulferien.
Mittlerweile geht es Michael Koch (32) wieder besser. Die Erschöpfung, die ihn so plötzlich überfallen hat, ist weg. Koch kann sich bereits wieder aufrichten und erste, zur Entspannung verordnete Cocktails schlürfen.

"Die Leute haben gar keine Ahnung, wie hart wir Lehrer in den Sommerferien arbeiten müssen", erklärt Koch, der Englisch und Geschichte unterrichtet. "Schon während der Schulzeit ist es hart. Wir haben zum Teil bis zu 25 Stunden Arbeit pro Woche. Also Dreiviertelstunden jetzt. Und dann kommen noch Korrekturen, Elternabende und Unterrichtsvorbereitung dazu."
Doch in den großen Sommerferien sei es besonders schlimm. Immerhin müsse in dieser Zeit das komplette kommende Schuljahr vorbereitet werden. "Und das in nur sechs Wochen! Jeder, der mal sechs Wochen am Stück Urlaub hatte, weiß, dass man in der kurzen Zeit nichts schaffen kann. Und anders als im Unterricht kann ich nicht einmal den Videowagen reinrollen und einen Film anmachen, wenn ich keine Lust habe."
Besonders erschwerend kommt hinzu: Oft bleiben Lehrern von den sechs Wochen nur vier, weil sie zwei Wochen im Urlaub verbringen: "Das ist für uns nunmal die einzige Chance zum Verreisen; also abgesehen jetzt von den Weihnachtsferien, den Winterferien, den Osterferien und den Herbstferien."
Michael Koch ist nun für mindestens sechs Monate krankgeschrieben. "Aber keine Sorge, ich faulenze in der Zeit nicht, sondern werde jede Sekunde damit verbringen, das zweite Halbjahr vorzubereiten."

Quelle: https://www.der-postillon.com/2019/07/burnout-sommerferien.html

„Depression und Borderline erkennen an: instabiler Beziehung“


Jeder Mensch hat eine schwierige, „dunkle“ Seite in sich. Bei manchen ist die Seite sehr ausgeprägt und bei anderen nur latent da.
Viele Beziehungen gehen kaputt, weil Partner sich nicht kennen und sich dadurch nicht verstehen oder gar tolerieren können. Es ist so wichtig zu wissen, welche schwierige Persönlichkeit man selbst ist oder der Partner ist.
Über Beziehungs- und Sexualitätsverhalten eines Individuums kann man ganz gut erkennen, welcher Typ von schwieriger Persönlichkeit die Person ist. Wenn beide Partner erkennen und annehmen, wer sie sind, können sie sich besser verstehen und so einen besseren Umgang finden oder von Anfang an keine Beziehung eingehen. Denn für jeden Persönlichkeitsstörungstypen gibt es Tipps und Tricks, wie man erfolgreich damit umgehen kann.
Depressive sowie Borderline Persönlichkeitstypen, lassen sich zum Beispiel beide an auffälliger emotionaler Instabilität erkennen. Sie sind sehr abhängig von der Beziehung suchen eine regelrechte Verschmelzung mit dem Partner, wodurch keine Abgrenzung in der Beziehung möglich ist. Dies ist bei Borderline-Persönlichkeitstypen besonders stark ausgeprägt. Sie können das Gefühl der Einsamkeit kaum ertragen und die Angst vor dem Verlassenwerden ist übergroß.

Sowohl depressive als auch Borderline Persönlichkeitstypen bringen sehr viel Emotionalität in die Beziehung, machen sie dadurch aber sehr instabil, weil ihre Emotionen und Stimmungen stark schwanken und den Partner somit verwirren. Oft kann man also depressiv oder Borderline veranlagte Partner an der Instabilität der Beziehung, vor allem ihrer wechselnden Wahrnehmung der Beziehung, erkennen.

Quelle: https://www.meinanzeiger.de/c-ratgeber/depression-und-borderline-erkennen-an-instabiler-beziehung_a97948

Dienstag, 30. Juli 2019

Was bei Burnout von Kindern hilft


Der Leistungsdruck steigt, immer häufiger haben Teenager ein Erschöpfungssyndrom. Das kann man dagegen tun

Ein Burnout bei meinem Kind? Für viele Eltern klingt das erstmal ungewohnt. Das Erschöpfungssyndrom assoziieren viele mit einem ausgebrannten Manager, nicht mit einer 14-jährigen Schülerin. Doch die Stressbelastungen auf Jugendliche nehmen zu, sogar Kinder im Grundschulalter werden bereits mit Erschöpfungssymptomen behandelt.

„Für Eltern ist es ungewohnt, dass auch ihr Kind depressive Stimmungen haben kann. Bei uns sind Depressionen von Kindern und Jugendlichen aber täglich Brot“, erklärt Michael Schulte-Markwort. Er ist ärztlicher Leiter des Zentrums für Psychosoziale Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
 

Schule sorgt für 40-Stunden-Woche


Erschöpfungssyndrome wie Burnout tauchen bei Jugendlichen immer häufiger auf, sagen die Experten. Ein großer Faktor ist die Schule. Inklusive Hausaufgaben und Lernen kommen viele Schüler auf eine 40-Stunden-Woche, sagt Schulte-Markwort. „Die Leistungsanforderungen sind gestiegen: Viele Schüler glauben, ein Abiturschnitt über 1,5 wäre nichts mehr wert.“

Auch sozialer Stress spielt bei den Jugendlichen eine große Rolle. Junge Leute suchen Akzeptanz, vergleichen sich untereinander. Dazu tragen vor allem soziale Netzwerke bei. „Ständige Bewertung in allen Bereichen ist eine enorme Belastung“, erklärt Gabriele Bringer, Geschäftsführerin des Stresszentrums Berlin. Generell seien Smartphones ein wichtiger Faktor, findet Bringer. Sie sorgen für ständige Ablenkung und Reizüberforderung bei den Jugendlichen. Gerade beim Lernen tun sich die Jugendlichen deshalb schwer. Auch weil viele nie gelernt haben, richtig zu lernen. Das sorgt für Frustration.

Dazu kommt, dass sich junge Leute generell in einer geistigen und körperlichen Umbauphase befinden, auch über die Pubertät hinaus. „Jugendliche haben nicht immer Zugang zur eigenen Gefühlswelt“, erklärt Gabriele Bringer. Wie geht es nach dem Schulabschluss weiter? Was will ich mit meinem Leben anfangen? Klare Leitbilder oder soziale Vorbilder gibt es bei diesen Fragen inzwischen kaum noch. Diesen ganzen Stress wissen viele Jugendliche nicht richtig zu verarbeiten.
 

Schule sorgt für 40-Stunden-Woche


Erschöpfungssyndrome wie Burnout tauchen bei Jugendlichen immer häufiger auf, sagen die Experten. Ein großer Faktor ist die Schule. Inklusive Hausaufgaben und Lernen kommen viele Schüler auf eine 40-Stunden-Woche, sagt Schulte-Markwort. „Die Leistungsanforderungen sind gestiegen: Viele Schüler glauben, ein Abiturschnitt über 1,5 wäre nichts mehr wert.“

Auch sozialer Stress spielt bei den Jugendlichen eine große Rolle. Junge Leute suchen Akzeptanz, vergleichen sich untereinander. Dazu tragen vor allem soziale Netzwerke bei. „Ständige Bewertung in allen Bereichen ist eine enorme Belastung“, erklärt Gabriele Bringer, Geschäftsführerin des Stresszentrums Berlin. Generell seien Smartphones ein wichtiger Faktor, findet Bringer. Sie sorgen für ständige Ablenkung und Reizüberforderung bei den Jugendlichen. Gerade beim Lernen tun sich die Jugendlichen deshalb schwer. Auch weil viele nie gelernt haben, richtig zu lernen. Das sorgt für Frustration.

Dazu kommt, dass sich junge Leute generell in einer geistigen und körperlichen Umbauphase befinden, auch über die Pubertät hinaus. „Jugendliche haben nicht immer Zugang zur eigenen Gefühlswelt“, erklärt Gabriele Bringer. Wie geht es nach dem Schulabschluss weiter? Was will ich mit meinem Leben anfangen? Klare Leitbilder oder soziale Vorbilder gibt es bei diesen Fragen inzwischen kaum noch. Diesen ganzen Stress wissen viele Jugendliche nicht richtig zu verarbeiten.
 
Der Grund: Oft verändert sich der Stoffwechsel der Jugendlichen. Das beeinträchtigt ihren Gehirnstoffwechsel und sorgt für depressionsartige Symptome, also beispielsweise Niedergeschlagenheit oder sogar selbstverletzendes Verhalten. Viele Jugendliche driften zudem ab: Sie riegeln sich ab, konsumieren möglicherweise Drogen oder verbringen zu viel Zeit am Computer, sagt Helga Land-Kistenich. Sie leitet die Therapeutische Praxis Berlin.

Damit es nicht so weit kommt, sollten sich Jugendliche früh Hilfe holen. Die erste Anlaufstelle ist die Familie, doch nicht immer fällt es den jungen Leuten leicht, sich zu öffnen. Auch ein Beratungslehrer oder andere Hilfsstellen können ein guter Ansprechpartner sein. Der erste Schritt ist dann, die Belastungen in der Umgebungen zu analysieren. Welche Dinge stören mich? Was kann man ändern?
 

Samstag, 27. Juli 2019

Tief im Sommerhoch


Bei Sommer und Sonne denken die meisten an Urlaub und Spaß. Doch manchen Menschen macht der Sommer seelisch zu schaffen. Die Telefonseelsorge hat immer mehr Anrufer, die unter Sommerdepressionen leiden.
 
Es ging ihr nicht gut. Die junge Studentin war gerade aus einer ländlichen Region nach Hamburg gezogen und kam in der großen Stadt überhaupt nicht zurecht. Irgendwann griff sie zum Hörer und wählte die Nummer der Telefonseelsorge. Dort klagte sie ihr Leid.
Alle anderen Menschen hätten ihren Spaß, säßen bei sommerlichem Wetter in Straßencafés und amüsierten sich. Sie aber gehöre nirgends dazu. Über mehrere Wochen rief sie immer wieder an. Als der Sommer zu Ende ging, blieben die Anrufe aus.
Probleme wie das dieser jungen Frau kennt Babette Glöckner, Leiterin der Hamburger Telefonseelsorge, sehr gut. Sie deuteten darauf hin, dass sie an einer Sommerdepression leiden könnte, sagt die Theologin. Eine endgültige Diagnose müsse allerdings ein Mediziner stellen. Doch Anrufer mit ähnlichen Problemen gibt es bei der Hamburger Telefonseelsorge in den Sommermonaten einige. Und wenn das Thermometer wie in diesen Tagen auf mehr als 30 Grad steigt, nimmt auch die Zahl der Anrufer zu.
Symptome: Hyperaktivität und wenig Schlaf
Die Winterdepression ist bekannter, aber es gibt auch im Sommer eine Depression, die jahreszeitlich bedingt ist. Die Symptome unterscheiden sich allerdings erheblich: Während sich im Winter viele Betroffene träge fühlen und viel schlafen, zeigt sich im Sommer das Gegenteil: Wer darunter leidet, ist hyperaktiv und kommt nachts schlecht in den Schlaf.
Während im Winter Hungerattacken auftreten, dominiert im Sommer Appetitlosigkeit. Neu ist das Leiden nicht: Menschen mit solchen Symptomen habe es schon immer gegeben, sagt Glöckner. Nur habe es früher niemand als Sommerdepression bezeichnet.
Vor allem Frauen betroffen
Es fällt auf, dass von Sommerdepressionen praktisch nur Frauen betroffen sind. Die meisten Anruferinnen bei der Telefonseelsorge sind laut Glöckner 20 bis 35 Jahre alt, einige seien auch jünger. Die jüngste Anruferin war gerade einmal 16 Jahre alt. Frauen könnten nach Meinung von Experten deshalb stärker betroffen sein, weil sie einem Schönheitsideal nacheifern, dem sie ihrer Meinung nach nicht entsprechen. Wenn es warm ist, sehen sie andere Frauen - vermeintlich schönere - in kurzen Kleidern und kurzen Hosen, und fühlen sich selbst unwohl. Das verstärkt die negative Stimmung noch.
Das war auch bei der Studentin der Fall, die andere Frauen im Straßencafé gesehen hat - Frauen, die sie hübscher fand als sich selbst. Als Konsequenz würden sich Betroffene noch mehr zurückziehen und die eigenen vier Wände kaum noch verlassen, sagt die Seelsorgerin.
Ein Anruf bei der Telefonseelsorge kann die Betroffenen nicht heilen, aber ihnen doch helfen: "Es ist gut zu wissen, dass jemand da ist und zuhört", sagt Glöckner. Das schaffe ein Bewusstsein für die eigene Situation. Die ehrenamtlichen Seelsorger konfrontieren die Anruferinnen aber nicht sofort damit, dass sie möglicherweise an einer Form der Depression leiden. Das würde sie verschrecken, sagt Glöckner. Erst zum Ende des Gesprächs erfolgt ein entsprechender Hinweis, verbunden mit der Bitte, zum Arzt zu gehen.
Wie viele der Anruferinnen unter einer Sommerdepression leiden, kann Glöckner nicht sagen. Es gehe bei der Telefonseelsorge nicht darum, Diagnosen zu stellen.

Quelle: https://www.domradio.de/nachrichten/2019-07-27/tief-im-sommerhoch-telefonseelsorge-registriert-vermehrt-sommer-depressionen