Mittwoch, 10. Oktober 2018

Mehr Krankheitstage wegen psychischer Leiden


Arbeitsunfähig wegen seelischer Krisen: Die Zahl der Fehltage aufgrund von Depressionen und anderer psychischer Erkrankungen hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Über die Gründe kann man nur spekulieren.

Der häufigste Grund für eine Krankschreibung sind nach wie vor Muskel-Skelett-Erkrankungen, zu denen etwa Rückenschmerzen gehören. Schon an zweiter Stelle stehen psychische Störungen wie Depressionen, Ängste oder Burn-out.
Das teilt die BKK-Krankenversicherung anlässlich des Tags der seelischen Gesundheit am 10. Oktober mit. Demnach gehen von den insgesamt 17,7 Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tagen), die beschäftigte BKK-Mitglieder im vergangenen Jahr 7im Durchschnitt krankheitsbedingt am Arbeitsplatz fehlten, 2,8 AU-Tage auf das Konto der psychischen Störungen. Das entspricht einem Anteil von 15,6 Prozent aller Fehltage.
Das war nicht immer so. Nach den BKK-Daten hat sich die Zahl der Fehltage aufgrund seelischer Leiden in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Auch bei den Diagnosedaten der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten, im Krankenhausbereich sowie auch bei den entsprechenden Verordnungen von Arzneimitteln ist in den vergangenen Jahren eine Zunahme der mit psychischen Störungen in Verbindung stehenden Leistungen zu beobachten.

Psychische Erkrankungen sind nicht mehr so tabu wie früher

Werden die Deutschen also psychisch immer labiler? Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes, glaubt das nicht. Seiner Ansicht nach werden psychische Störungen heute einfach nur schneller erkannt und öfter behandelt als früher. Ein weiterer Grund sei, dass die Gesellschaft heute für das Thema Psyche sensibilisierter und Betroffene weniger stark stigmatisiert würden. „Entsprechend finden immer mehr Menschen mit den genaueren Diagnosen den Weg in die richtige ärztliche und therapeutische Behandlung“, meint Knieps optimistisch. 
 

Gesundheitsberufe und öffentlicher Dienst führen die Statistik an

Interessant sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsgruppen: Am häufigsten werden Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im öffentlichen Dienst aufgrund von psychischen Störungen – zum Beispiel einem Burn-out - krankgeschrieben. Im Bergbau oder in der Landwirtschaft treten nicht einmal halb so viele AU-Tage auf.

Älter Arbeitnehmer fallen länger aus

Auch das Alter scheint eine Rolle zu spielen: Ältere Arbeitnehmer fallen öfter wegen seelischer Leiden im Job aus als jüngere. Während von 100 über 50-jährigen neun deswegen krangeschrieben werden, sind es bei den 20- bis 30-jährigen nur sechs. Außerdem sind bei den älteren Erwerbstätigen die Fehlzeiten mit durchschnittlich sechs Wochen rund doppelt so lang wie bei den jüngeren, die im Schnitt drei bis vier Wochen ausfallen.
„Es sind die älteren Beschäftigten, die aufgrund ihrer Erfahrungen und ihrer Fachkenntnisse heute mehr denn je für Unternehmen unverzichtbar sind“, sagt BKK-Chef Knieps. Damit die Generation 50+ möglichst lange und gesund im Arbeitsleben verbleiben kann, sei es umso wichtiger, das Arbeit auch altersgerecht gestaltet werde. Der nächste BKK Gesundheitsreport widmet sich diesem Thema ausführlich. Das Heft mit dem Schwerpunktthema Gesundheit und Arbeit: Generation 50+"  wird im November erscheinen.
 

Burnout in der Lebensmitte


Im Job muss man sich nicht mehr beweisen, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, das Haus ist abbezahlt: Mit 50 scheinen die Stürme des Lebens überstanden. Doch statt das Erreichte zu genießen, tritt bei vielen Menschen dieser Generation ein Burnout auf.

Eigentlich könnte sich die Generation 50+ bequem zurücklehnen: Im Beruf hat sie weitgehend alles erreicht, keine Kinder mehr im Haus, finanziell steht es meist besser denn je. Kein Wunder, dass die geburtenstarken Jahrgänge als hochzufriedene, entspannte und gesunde demographische Gruppe gelten. Doch wie Statistiken zeigen, ist gerade sie häufig von einem Burnout betroffen.

Gründe für diesen scheinbaren Widerspruch gibt es eine ganze Reihe. Viele Menschen um die 50 beunruhigt und irritiert die Zeit des Umbruchs und des Wandels. Sie stellen fest, dass sich ihr Körper verändert. Muskeln und Haare werden weniger, dafür nehmen Falten und Fettpölsterchen zu. Das ist im Zeitalter eines ausgeprägten Schönheits- und Jugendideals für die meisten beängstigend. Sie erkennen zudem, dass das Leben endlich ist.

Oftmals erkranken oder sterben die Eltern in dieser Zeit und es stellen sich die ersten eigenen Gebrechen ein. Die Angst, bei dem technischen Fortschritt nicht mithalten zu können, die Pflicht ständiger Erreichbarkeit und die Angst vor Kündigung tragen oft zusätzlich zur Entstehung eines Burnouts bei.

Die große Frage nach dem Sinn

Dies alles kann zu hohem Druck führen und mitunter die „großen“ Sinnfragen und sogar Identitätskrisen des Lebens auslösen. Selbst mit maximaler Ausschöpfung der persönlichen Energieressourcen lässt sich der damit einhergehende Stress meist nur begrenzte Zeit auffangen. Ein Burnout ist da oft nur noch eine Frage der Zeit.
Darüber hinaus spielen bei der Entstehung natürlich auch weitere Faktoren wie anlage- und erziehungsbedingte Persönlichkeitsmerkmale, die eigene Lebens- und Erfahrungsgeschichte sowie  belastende Situationen im familiären Umfeld oder der Partnerschaft eine Rolle - wobei meist nicht die einmalige hohe Belastung entscheidend ist, sondern eher längerfristige Überlastungen.

Bekommen faule Menschen kein Burnout?

In erster Linie sind natürlich sehr leistungsorientierte Menschen von einem Burnout betroffen. Wer es gelassener und weniger ehrgeizig angeht, der reduziert auch Erwartungshaltung und Leistungsdruck. Doch unabhängig davon ist das Ursachenspektrum weitaus vielfältiger und komplexer. Nicht selten geraten beispielsweise Menschen auch durch lange Arbeitslosigkeit, die intensive Pflege eines kranken Angehörigen oder andere familiäre Probleme so stark unter Druck, dass es zu seelischen Störungen wie einem Burnout kommt.

Meist zeigt sich ein chronischer Erschöpfungszustand jedoch erst, wenn die üblichen Erholungszeiten zum Regenerieren nicht mehr ausreichen: Schlaflosigkeit, Unruhe, reduzierte Leistungsfähigkeit, innere Leere und Antriebslosigkeit sind typische Zeichen. Abschalten und Entspannen gelingen nicht mehr. Sozialer Rückzug, geringer werdende Empathie und Resignation bis hin zur Depression können die Folge sein. Aber auch Magen- und Rückenschmerzen, Sodbrennen oder Tinnitus weisen in manchen Fällen auf ein Burnout hin.

Was genau ist eigentlich ein Burnout?

Unter einem Burnout verstehen Fachärzte einen tiefgreifenden, sowohl körperlichen als auch psychischen Erschöpfungszustand. Voraus gehen meist länger andauernde Überlastungen und Überforderungen. Dabei ist nicht allein ein überhöhtes Arbeitspensum das Problem. Vielmehr ist es ein Gefühl der Machtlosigkeit, des Kontrollverlusts und der Sinnlosigkeit. Viele Betroffene scheuen sich, Hilfe zu suchen. Dabei sind eine ärztliche oder psychologische Beratung sowie gegebenenfalls eine anschließende Therapie kein Zeichen von Schwäche oder Scheitern. Vielmehr zeugen diese vom verantwortungsvollen Umgang mit sich selbst.
Ziel einer Therapie ist es, mit dem Patienten einen möglichst optimalen persönlichen Weg zu finden, um künftig ohne gesundheitliche Probleme mit Druck und Stress umgehen zu können. Dazu gehört es auch, eigene Ansprüche an sich selbst genau zu überprüfen. Denn häufig kommt die Überforderung nicht nur von außen.

Wie lässt sich ein Zusammenbruch vermeiden?

Zunächst gilt es, sich die eigenen Belastungsgrenzen bewusst zu machen. Also darauf zu achten, diese Grenzen einzuhalten und nicht ständig darüber hinaus zu gehen. Immer erst die Pflicht, nie das Vergnügen – damit sollte Schluss sein. Ein Ausgleich zu hohen beruflichen und/oder privaten Belastungen ist wichtig – dazu zählen soziale Kontakte und Interessen außerhalb des Berufs, Bewegung sowie Sport. Und natürlich: ehrlich zu sich selbst zu sein, die eigenen Ansprüche zu überprüfen – und eventuell der persönlichen Belastbarkeit anzupassen. Wer versucht, immer alles 150-prozentig zu machen, ist langfristig hochgradig burnout-gefährdet.

Einmal Burnout, immer Burnout?

Ein Burnout ist heilbar, doch Rückfälle sind natürlich nicht ausgeschlossen. Wichtig ist es, dass den Betroffenen ihr Problem bewusst wird und sie entsprechende Schutzmechanismen beziehungsweise Strategien zur Stressbewältigung erlernen.  In vielen Fällen kann die Psychotherapie, insbesondere die Verhaltenstherapie, hilfreich sein.
Standard-Lösungen gibt es aber nicht. Vielmehr sollte die medizinische Hilfe auf den jeweiligen Patienten und dessen Arbeits- und Lebensbedingungen sowie die Art der Beschwerden abgestimmt sein. Über 90 Prozent der Betroffenen gelingt übrigens die Rückkehr in den Beruf. Zudem gilt: Jede Lebenskrise bietet auch die Chance eines Neubeginns.

Quelle: https://www.focus.de/gesundheit/experten/diagnose-burnout-diagnose-burnout-warum-menschen-ueber-50-besonders-haeufig-betroffen-sind_id_9721273.html

Montag, 8. Oktober 2018

Rauchen und Depression


Zwischen dem Rauchen und dem Thema Depression bestehen interessante Zusammenhänge:


Rauchen verschlimmert eine Depression

Forscher haben einen Zusammenhang zwischen Nikotinabhängigkeit und Depressionen festgestellt. Vor allem Jugendliche sind von dieser Wechselwirkung betroffen. Auslöser ist, dass die Zigarette für viele Raucher gegen depressive Stimmungen helfen soll. Gleichzeitig fördert eine Depression das Verlangen nach Nikotin - ein Teufelskreis.

Ist ein Rauchentzug während einer Therapie zumutbar?

Raucher greifen zur Zigarette, um sich wie Nicht-Raucher zu fühlen. Diesen Satz sollten insbesondere Raucher verinnerlichen, wenn sich das Suchtgefühl meldet. Die Zigarette soll gegen Nervosität, Angst und depressive Stimmungen helfen - doch das tut sie nur ganz zu Beginn einer Raucherkarriere.
Denn der Körper gewöhnt sich an das Nervengift Nikotin und verlangt höhere Dosen, um das gleiche befriedigende Gefühl zu produzieren. Für viele Ärzte stellt sich die Frage: Soll man psychisch Kranken auch noch die Rauchentwöhnung antun? Laut einer Studie von Forschern der Universität von Birmingham lautet die Antwort: Ja!

"Depressive sollten dringend mit dem Rauchen aufhören!"


Davon ist auch der Psychiater Dr. Tobias Rüther, Leiter der Tabakambulanz am Klinikum der Universität München, überzeugt. Uns erklärt er im Interview: "Wir legen jedem Patienten nahe, mit dem Rauchen aufzuhören. Bei ganz leichten depressiven Verstimmungen kann allein das Aufhören des Rauchens schon eine antidepressive Wirkung haben."
Die Studie der Universität Birmingham hat untersucht, ob sich eine Rauchentwöhnung auch positiv auf die psychische Erkrankung, in diesem Fall eine Depression, auswirken würde. Schwierig ist auch, dass der Konsum von Tabak einige Psychopharmaka stören kann. Mit dem Rauchen aufzuhören kann also nicht nur hilfreich, sondern sogar medizinisch notwendig sein.

330 Tote durch Zigaretten in Deutschland - jeden Tag

Aber auch für gesunde Menschen sei es äußerst wichtig, mit dem Rauchen aufzuhören, sagt Dr. Tobias Rüther. "Jedes Jahr sterben in Deutschland 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das ist als würde jeden Tag ein Jumbojet abstürzen", erklärt der Mediziner. "Am ersten Tag wären alle von der Nachricht schockiert. Wenn das am nächsten und übernächsten Tag nochmal passieren würde, wären Jumbojets verboten."
Trotz der fatalen Konsequenzen der Nikotinabhängigkeit, ziehen Raucher keine Schlüsse aus ihrem Verhalten. Besonders für Depressions-Patienten könnte allerdings allein das Aufhören die Symptome lindern.
"Teil der Krankheit ist, dass sich Depressive wenig zutrauen. Wenn sie es dann schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören, ist das ein Erfolgserlebnis, das sie nochmal bestärkt und positive Erlebnisse fördert", erklärt Psychologe Dr. Rüther.

Depression oder Rauchen - was war zuerst?

Raucher entwickeln häufiger eine Depression als Nichtraucher und Depressive neigen eher zum Rauchen. Die Ergebnisse sind allerdings wie die Frage nach der Henne oder dem Ei: Noch lässt sich nicht sagen, was zuerst da war - das Rauchen oder die Depression.
Die Zahl der Raucher ist unter Depressionskranken deutlich höher als unter Menschen, die nicht von der psychischen Erkrankung betroffen sind. Hinzu kommt, dass depressive Menschen deutlich mehr Zigaretten am Tag rauchen. Laut Forschern könnte hier der Drang nach einer Linderung der akuten Stresssituation Auslöser für das gesteigerte Verlangen nach Nikotin sein.

Rauchen und Depression in Zahlen

43% der Depressionskranken sind Raucher: unter den Nicht-Depressiven sind es nur 22%
Aufhören tut gut: rund ein Drittel weniger Ängste, Depressionen und Stress
Teenager sind gefährdet: Zwischen dem 13. und dem 16. Lebensjahr ist die Gefahr einer durch Rauchen ausgelösten Depression am Größten

Depressive Raucher greifen häufiger zur Zigarette

Die gute Nachricht ist, dass die sofortige Rauch-Entwöhnung sehr viele Vorteile hat. Neben den bekannten positiven Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit, hilft der Entzug auch der Psyche.
Über den genauen Zeitpunkt, wann sich der Entzug positiv auswirkt, sind sich Forscher nicht ganz einig. Die Ergebnisse verschiedener Studien kommen auf einen Zeitraum von sechs Wochen bis drei Monaten. Nach dieser Zeit sei der Entzug geschafft - das Rauchverlangen lässt stark nach und die Linderung der depressiven Symptome setzt ein.

Quelle: https://www.rtl.de/cms/rauchen-und-depression-forscher-finden-zusammenhang-4229807.html

Studenten und Depression


Neuer Trend: Immer mehr Studenten haben Burnout und Depressionen

Mit dem Wintersemester beginnt für viele Bremer Studenten auch eine Leidenszeit: Immer mehr von ihnen haben psychische Probleme. Doch es gibt Auswege.

Im Oktober hat für mehr als 30.000 Studenten an Bremens Hochschulen das Wintersemester begonnen. Doch immer mehr von ihnen empfinden das Studium als Belastung. Dem von der Krankenkasse Barmer veröffentlichten Arztreport 2018 zufolge litten deutschlandweit knapp 17 Prozent der Studenten an einer psychischen Störung – zum Beispiel Panikattacken, Angststörungen oder Depressionen. Die Diagnose letzterer nahm dem Report zufolge zwischen 2005 und 2016 gar um 76 Prozent zu.
Swantje Wrobel vom Studierendenwerk Bremen überrascht das nicht. Die Leiterin der dort angesiedelten Psychologischen Beratungsstelle für Studierende (PBS) hat ähnliche Zahlen dokumentiert. 2017 sei das Stichwort "depressive Verstimmung" von rund 30 Prozent der beratenen Studenten auf dem Fragebogen angekreuzt worden, sagt Wrobel – gefolgt von Selbstzweifeln und Arbeitsschwierigkeiten. Hier sorgt vor allem die Prokrastination, das ständige Aufschieben von Aufgaben, für Probleme.

Allein 2017 ließen sich 1.063 Studierende bei der PBS beraten. Das sind 3,5 Prozent aller Studierenden in Bremen. Die Dunkelziffer jener, die sich nicht melden, dürfte deutlich höher liegen, schätzt Wrobel.
Wer sich vor Ort in der Beratungsstelle, per Telefon, Mail oder auch anonym meldet, erhält meist nach zwei Wochen einen Termin. Was sind die Schwierigkeiten? Wie lange dauert das Leiden bereits an? Und hat es sich schon auf Studium oder Beziehungen ausgewirkt? Solche Fragen werden in der Beratung geklärt. "Und natürlich, welche Wege es gibt, das Problem zu lindern oder zu lösen", sagt Wrobel. Bei einem Drittel der Studierenden kommen die Berater nicht um einen Verweis an niedergelassene Psychotherapeuten, Fachärzte oder Kliniken herum.

Gründe noch nicht eindeutig geklärt


Die Gründe für die hohe Zahl depressiver Studenten sind noch nicht eindeutig geklärt. "Lange Zeit haben wir vermutet, dass es an der Umstellung der Studiengänge von Diplom und Magister zu Bachelor und Master liegen könnte. Das ließ sich aber in Studien nicht nachweisen", sagt Wrobel. Auch das Alter der Studenten lasse keine eindeutigen Schlüsse zu. "Die Erfahrung zeigt zwar, je länger jemand studiert, desto eher bieten die Umstände Anlass zu Selbstzweifel, finanziellem oder zeitlichem Druck." Gleichzeitig sei jedoch die Hälfte der Studenten, die in Bremen eine Beratung wahrnehme, im ersten bis dritten Semester.
Ein Grund könnte nach Ansicht Wrobels auch die stetig steigende Abiturquote in Deutschland sein. Junge Erwachsene würden häufiger ein Studium aufnehmen, obwohl sie in einer strukturierteren Ausbildung unter verschulteren Lernbedingungen besser aufgehoben wären. "Da kommen etliche Studienanfänger ins Schleudern", sagt Wrobel. Eine bundesweite Studienabbrecherquote von rund 28 Prozent spreche für sich.
Für jene Studierende, die an chronischen Krankheiten wie Depressionen litten, gebe es darüber hinaus Wege, diese unverschuldeten Nachteile auszugleichen. "Wenn zum Beispiel jemand depressiv erkrankt und einige Semester nicht studierfähig ist, kann er beantragen, keine Langzeitstudiengebühren zahlen zu müssen oder den Termin einer Prüfung zu verschieben." Dies nehme vielen der Betroffenen schon eine Last von den Schultern.

Quelle: https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/wissen/depression-uni-studenten-statistik-folgen100.html

Samstag, 6. Oktober 2018

Warnhinweise für den Suizid


Ganz wichtige Infos zum Thema Suizid:

Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland rund 10.000 Menschen das Leben. Das sind mehr als durch Verkehrsunfälle (rund 3.600 Menschen) und Drogen (1.200 Menschen) sterben, das zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. „Forscht man nach Suiziden rückblickend nach, zeigt sich, dass bei rund 90 Prozent der Suizidopfer eine psychiatrische Erkrankung vorlag“, sagt Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig.

Neben Depressionen sind es häufig psychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie oder Suchterkrankungen, die mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden sind. Kann man diese erfolgreich behandeln, verschwindet oft auch der Wunsch aus dem Leben zu scheiden. Denn einen Suizid zu verüben, ist für die meisten Menschen keine freiwillige Handlung. Den Begriff „Freitod“ finden viele Experten aus diesem Grund nicht passend. Sie sehen die Selbsttötung als schlimmste Folge ernster Erkrankungen.

„Die Betroffenen sind tief verzweifelt und sehen keine Hoffnung ihre Situation zu verändern“, sagt Barbara Schneider, Chefärztin im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie an der LVR-Klinik in Köln und Vorsitzende des Nationale Suizidpräventionsprogramms für Deutschland. Ihr ganzes Denken und Handeln sei wie in einem Tunnel auf den Suizid eingeengt.

Schwierige Lebensumstände, soziale Faktoren wie Arbeitslosigkeit oder Einsamkeit, Kinderlosigkeit all das seien Risikofaktoren, die zu Suizidgedanken führen können, sagt Schneider. Fast immer ist damit das Gefühl einer tiefen Hoffnungslosigkeit verknüpft. In depressiven Episoden quälen Schuldgefühle die Betroffenen. „Die Erkrankten empfinden sich als Versager, weil sie das Gefühl haben, als einzige mit der herrschenden Situation nicht zurecht zu kommen“, sagt Hegerl.
Kommen dann Impulse hinzu, wie beispielsweise eine Trennung, finanzielle Probleme, Verlusterlebnisse oder die Diagnose einer schweren Krankheit könne das den Impuls dazu geben, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Allerdings werden laut Hegerl schwierige äußere Bedingungen als Grund meist überschätzt. Eine sehr große Studie aus England zeige zum Beispiel, dass schwere körperlicher Erkrankungen das Suizidrisiko nicht wesentlich beeinflussen. Die Selbsttötung ist außerdem nicht immer von langer Hand geplant. „Oft gibt es Situationen, in denen Menschen plötzlich von Suizidgedanken überwältigt werden“, sagt Schneider.
Alarmzeichen gibt es laut den Experten trotzdem fast immer:
 
Große Hoffnungslosigkeit: Hellhörig sollte man bei Äußerungen wie „Es hat ja doch alles keinen Sinn mehr…“, „Irgendwann muss auch mal Schluss sein….“ Oder „Es muss jetzt was passieren“, werden. Bei depressiven Menschen sind sie der Hinweis auf eine ernste Gefährdung.
 
  • Angelegenheiten ordnen: Viele Menschen möchten vor einem Suizid ihre Angelegenheiten ordnen. Sie bedanken sich beispielsweise gezielt noch einmal für Dinge, verschenken Wertgegenstände, kündigen an, dass man sich vielleicht bald nicht mehr sehen werde und verabschieden sich von Freunden und Bekannten. Wer fest zum Suizid entschlossen ist, wirkt oft ruhiger und weniger verzweifelt. Das kann zu der Fehlannahme führen, dass es dem Betroffenen endlich wieder besser gehe.

  • Werden solche Warnzeichen wahrgenommen, sollten Angehörige, Freunde und Bekannte nicht zögern und konkret folgende Dinge tun:
     
  • Sprechen Sie das Thema an! Thematisieren Sie in ruhiger und sachlicher Art das Thema. Befürchtungen, damit erst einen Suizid zu provozieren, sind falsch. Meist ist es für Suizidgefährdete eine Entlastung, mit anderen Menschen über die quälenden Gedanken und die Verzweiflung zu sprechen.
    • Suchen Sie die Hilfe eines Arztes! Unterstützen Sie den Betroffenen darin, sich professionelle Hilfe beim Hausarzt, Neurologen, Psychotherapeuten oder in einer psychiatrischen Notfallambulanz zu suchen. Es ist hilfreich, dem Betroffenen die Terminvereinbarung abzunehmen und ihn dorthin zu begleiten. Oftmals sind die Betroffenen in der akuten Situation selbst zu antriebslos.
    • Zögern Sie nicht, den Notarzt oder die Polizei zu rufen! Befürchten Sie, eine Person könnte sich akut das Leben nehmen, treffen Sie Menschen, die augenscheinlich in einer akuten Krise sind, rufen Sie unverzüglich den Notarzt. „Wie ein Herzinfarkt stellt auch eine solche Situation einen akuten Notfall dar, der dieses Handeln erforderlich macht“, sagt Schneider.

    Häufig kann man in einer akuten Situation Zeit gewinnen, indem man das Gespräch mit dem Betroffenen sucht. Denn der Impuls zum tatsächlichen Ausführen des Suizids ist häufig nur kurz. "Will jemand etwa von einer bestimmten Brücke springen,aber diese ist gesperrt, dann geht er aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu einer anderen Brücke“, sagt eine Sprecherin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Der Impuls zur Selbsttötung ist möglicherweise vorüber, bevor sich der Betroffene ein anderes Ziel gesucht hat. Darum zielen präventive Maßnahmen beispielsweise darauf ab, Brückenbereiche durch Netze zu schützen oder den Zugang abzusprerren. Aus Studien wisse man, dass Absprerrbereiche von 1,2 Kilometern Suizide verhindern können.
    In Bern brachte man an einer leicht zugänglichen Terrasse 30 Meter oberhalb der Altstadt Fangnetze an. Die Suizidrate sank in den folgenden Jahren. Mit verschiedenen Maßnahmen erreichte man auch an der Golden Gate Bridge in San Francisco, dass die Zahl der Selbsttötungsversuche drastisch zurückging. Neben Hinweisschildern mit der Telefonnummer einer Krisenberatung wurden dort Notruftelefonen und Netze angebracht.

    Hilfe finden Betroffene wie auch Angehörige bei folgenden Anlaufstellen:
    • Telefonseelsorge 0800/111 0 111 und -222
    • Sozialpsychiatrische Dienste bei den Gesundheitsämtern
    • Ein Selbsttest auf der Seite der Deutschen Depressionshilfe gibt erste Hinweise auf mögliche Anzeichen einer Depression. Man findet dort nähere Informationen zu diesem Thema sowie Hilfsadressen. Angehörige finden darüber hinaus in Selbsthilfegruppe Unterstützung. Solche Gruppen findet man über die Seite des Bundesverbands der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen. Dort lässt sich nach Diagnosen oder Orten suchen.
    Quelle: https://rp-online.de/leben/gesundheit/psychologie/depression/suizidgedanken-das-sind-die-warnhinweise_aid-32864379
     

    Burnout - Stress - Depressionen


    Stress als Ursache für psychische Erkrankungen:

    Weltweit im Vormarsch – Psychische Gesundheit Nicht nur in Europa befinden wir uns vorwiegend in einer Luxus-Situation. Viele Industriestaaten mit bester Infrastruktur sorgen für die perfekte Lebensumgebung für viele Menschen in unserer Gesellschaft.

    Während in einigen Entwicklungsländern noch um sauberes Trinkwasser gekämpft wird, sind wir in Deutschland grundsätzlich in einer angenehmen Lebenssituation, wo kein Mensch Hunger leiden muss.
    Ganz im Gegenteil: Wir werfen Tonnen von verzehrbaren Lebensmitteln weg oder geben diese sozialen Einrichtungen wie der Tafel. Hier sind Menschen dankbar, gute Lebensmittel gratis zu erhalten. Durch unser soziales Netz werden praktisch alle Menschen aufgefangen, damit sie Wohnung, ein warmes Bett und adäquate Lebensbedingungen vorfinden. Selbst die Flüchtlingswelle haben wir in Deutschland einigermaßen im Griff.
    Wenn wir uns körperlich keinen großen Strapazen aussetzen müssen, sind andere Wohlstandskrankheiten tendenziell im Vormarsch: Psychische Probleme geben sich die Hand. Woran liegt es, dass schon Kinder am ADHS-Syndrom leiden und immer mehr Erwachsene früher oder später eine seelische Auszeit von der stressigen Berufszeit nehmen?
    In unserem Guide wird klar, dass auch in Deutschland nicht alles Gold ist was glänzt. Außerdem möchten wir Sie motivieren, gerade für die Erhaltung Ihrer psychischen Gesundheit einen großen positiven Beitrag selbst zu leisten.


    Stress killt die Gesundheit

    Wenn uns körperlich wenig fehlt, können wir in einem zivilisierten Land wie Deutschland (einer Wirtschaftsmacht) sicher unermüdlichen Einsatz leisten, oder? Genau aus diesem Motiv heraus, das zwar von Erfolg gekrönt ist, jedoch wenig auf das Schicksal der einzelnen Menschen eingeht, überfordern wir uns sehr schnell selbst. Nicht selten können nur sehr junge Menschen dem sehr hohen Leistungsdruck gerecht werden.
    Was ist mit der Generation jenseits der 50 Jahre? Sie sind noch zu jung, um in den Vorruhestand zu wechseln aber zu alt, um mit Vollgas jeden Tag dem großen Druck im daily Business gerecht zu werden. Dazu kommt, dass in vielen Konzernen Mitarbeiter gemobbt werden. Kann diese Lebensweise in Firmen auf Dauer gesund sein?
    Nein – gerade deshalb geraten wir Menschen in seelischen Stress. Psychischer Druck sorgt dafür, dass wir uns immer mehr überfordern. Wenn wir überfordert sind, begehen wir Fehler. Mit diesen Fehlern können wir den Anforderungen des Arbeitgebers nicht gerecht werden. Es entsteht also ein Kreislauf der dauerhaften Überlastung, die zum Dauerstress führt. Was ist die Folge? Angestellte werden gemobbt, depressiv und landen letztendlich im Burnout.


    Burnout – das Modewort für depressive Erfolgsfreaks?

    Was bedeutet es eigentlich, wenn wir an Burnout erkranken? Burnout ist tatsächlich eine Art von Depression. Erst die letzten 10 Jahre hat sich dieser Begriff vor allem in der Fachsprache der psychischen Erkrankungen etabliert, die aufgrund Stress und großen Erfolgsdruck entstanden sind. Es klingt schließlich besser, wenn der Manager eines Bankkonzernes an Burnout erkrankt ist, als wenn er wegen Depressionen in Dauerbehandlung wäre, oder?
    Letztendlich ist es egal, wie das „kranke Kind“ genau bezeichnet wird. Auch eine Hausfrau kann unter der Dauerbelastung mit Familie, Arbeit und Stress im Alltag unter Burnout leiden. Wenn wir seelisch überfordert sind und all dem Stress der täglichen Anforderungen nicht mehr gerecht werden, sind wir gefährdet, an Burnout zu erkranken. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Behandlung von Depression und Burnout sehr ähnlich verläuft.
    Sogar die Medikation ist bei vielen Störungen wie Depression, Burnout, Angst- und Zwangserkrankungen sehr ähnlich. In der Summe werden alle psychosomatische Störungen in einer vergleichbaren Art und Weise behandelt.


    Muss es zum großen Knall kommen?

    Meist kommt die schwere Depression oder eine andere psychische Erkrankung nicht von heute auf morgen. Langsam schleichen sich Schlafstörungen und Stress-Symptome wie Schweißausbrüche, Ruhelosigkeit, Antriebsschwäche oder Appetitlosigkeit in unseren Alltag ein. Wir pflegen unsere Hobbys nicht mehr oder sind schnell gereizt. Unser Abwehrmechanismus funktioniert nicht mehr normal. Dadurch plagen uns oftmals Erkältungs-Krankheiten und wir sind nervlich schnell am Limit.
    Und jetzt? Bereits jetzt sollten Sie dagegen ankämpfen. Wenn Sie „immer weiter vor sich hin leben“ und im Alltag versuchen, jeden Stress selbst zu bewältigen, werden Sie früher oder später den „großen Knall“ erleben.
    Warten Sie nicht darauf, bis Sie den Job verlieren oder einen Unfall bauen, weil Sie sich stressbedingt nicht mehr den täglichen Aufgaben im Alltag stellen können. Wer dauerhaft gestresst ist, muss sich rechtzeitig die nötigen Auszeiten gönnen. Wie gelingt das?


    Gönnen Sie sich die Ruhe, indem Sie mit Atemübungen starten

    Ihr Herz rast, Sie sind gestresst im Alltag und wissen momentan nicht mehr, wie es weitergeht? Gehen Sie an die frische Luft. Bitte atmen Sie tief ein und wieder aus. Am besten ist es, wenn Sie dabei die Augen schließen.
    Atmen Sie durch die Nase ein und stoßartig durch den Mund wieder aus. So versorgen Sie Ihren Körper sofort mit Sauerstoff. Diese Atemübungen können Ihnen sofort dabei helfen, wieder seelische Kraft zu tanken. Sie werden spüren – nach ein paar Minuten ergeht es Ihnen schon besser.


    Schöpfen Sie Kraft aus der Natur

    In der Natur können wir einfach die Seele baumeln lassen. Genau das ist der Grund, warum psychosomatische Kliniken oft mitten in der Natur oder am Waldrand liegen. Auch wenn Sie hoffentlich nie eine Klinik für somatische und psychische Störungen aufsuchen müssen, können wir alleine schon aus dieser Gegebenheit lernen.
    Nutzen Sie die Kraft der Natur, indem Sie regelmäßige Spaziergänge unternehmen. Der Wald ist ein Ort, wo wir Ruhe und Kraft tanken können. Ist es nicht herrlich, im Frühling und Sommer dem Vogelgezwitscher zuhören zu dürfen? Können wir nicht alle davon profitieren, wenn die frische Waldluft unseren Kreislauf in Schwung bringt? Genau darum ist es der richtige Weg, sich möglichst oft in der Natur aufzuhalten.
    Dabei gilt die Regel: Es gibt kein falsches Wetter für den Spaziergang sondern nur die falsche Kleidung. Selbst bei Wind, Wetter und Kälte macht ein ausgiebiger Walk im Wald Spaß. Warum? Wenn wir uns warm in den Mantel kuscheln und dabei raus an die Natur gehen, fühlen wir uns hinterher gleich frischer, vitaler und gesünder.
    Der Kopf ist wieder frei zum Denken. Nach dem Walk in der Kälte schmeckt die heiße Tasse Tee gleich viel besser. Nicht umsonst predigen viele Eltern ihren Kindern bereits in jungen Jahren: „Raus mit Dir an die frische Luft!“ Warum konnten wir dies schon von Großmutter lernen? Ganz einfach: Der Spaziergang macht gute Laune!


    Sport für die Seele

    Wer sich sportlich betätigt, wird dauerhaft auch für seine Psyche einen positiven Beitrag leisten.
    Sport kurbelt unseren Stoffwechsel an, außerdem können wir Menschen bei körperlicher Aktivität unsere Muskeln stärken und die Wut abbauen.
    Kennen Sie das? Sie sind wütend und enttäuscht. Sie wurden im Job ungerecht behandelt, innerlich sind Sie dadurch aggressiv und fassungslos. Bevor Sie nun zu Hause Ihre Familie schimpfen und Ihre Wut an unschuldigen Personen auslassen, ist Sport die viel bessere Methode dafür.
    Egal, welcher Sport Ihnen die innere Kraft zurückgibt: Toben Sie sich aus. Suchen Sie das Fitness-Studio auf und powern Sie im Kraftraum. Was spricht dagegen, sich aufs Fahrrad zu schwingen und einfach los zu strampeln? Die Jogging-Runde am Morgen befreit, hier können Sie schon mit neuer Energie in den Tag starten. Wichtig ist: Lassen Sie Ihre Wut und Enttäuschung raus – wer alles mit sich selbst in Ruhe vereinbaren will, wird seelisch zerbrechen. Sport ist das beste Ventil zum Stressabbau.
    Schlagen Sie in einen Boxsack – Sie werden erkennen, wie gut das tut! Hacken Sie Holz, schreien Sie dabei Ihre Wut in die Natur. Sie werden sehen: Wer sich dauerhaft sportlich betätigt, wird einen großen Teil des inneren Stresses los.


    Achtsamkeit

    Bitte geben Sie in einer Phase, wo es Ihnen nicht gut geht, besonders acht auf sich. Zur Achtsamkeit gehört mit dazu, sich gesund und sinnvoll zu ernähren. Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten mit gutem Vital-Food, das voller Vitamine und guten Nährstoffen steckt.
    Genießen Sie viel Obst und Gemüse. Was spricht dagegen, sich jeden Morgen zum Start in den Tag einen Obstsalat zu gönnen?
    Gerade jetzt, wenn Sie seelische Strapazen aushalten müssen, ist Achtsamkeit gegenüber sich und Ihrer Gesundheit das Zauberwort. Bitte gehen Sie sorgsam mit sich selbst um!

    Fazit

    Hören Sie auf sich und Ihre Seele. Der Stress darf in Ihrem Leben keine Überhand gewinnen. Achten Sie sich und Ihre Gesundheit.

    Quelle: https://www.np-coburg.de/leben/gesundheit-fitness/contentad/np/Weltweit-im-Vormarsch-Psychische-Gesundheit;art662307,6361871

    Freitag, 5. Oktober 2018

    Raus aus dem Stress


    Stress ist der Hauptfaktor für die Entstehung von Burnout und Depressionen:

    Stress ist einer der größten Krankmacher des 21. Jahrhunderts. Jeder zweite Deutsche fühlt sich verausgabt und gehetzt. Doch es gibt Wege, sich selbst aus dieser Falle zu befreien, sagt der Neurobiologe Tobias Esch.
    Wir haben täglich etwa 50.000 bewusste Gedanken. 98 Prozent davon sind lediglich Wiederholungen von Gedanken, die wir schon einmal hatten. Davon sind über zwei Drittel negative Gedanken über Ereignisse, die wir nicht mehr ändern können, oder Dinge, die noch gar nicht eingetreten sind. Wir gehen also überwiegend mit destruktiven Gedanken durch den Alltag. Dabei können positive Gedanken heilend wirken. Nur haben wir verlernt, auf sie zu hören. Stattdessen sind wir gestresst, unruhig, gehetzt und leiden unter diversen Krankheiten und Schmerzen. Der Gesundheitsforscher Tobias Esch hat in seinem neuen Buch „Der Selbstheilungscode“ das Phänomen Stress aus neurobiologischer Sicht analysiert – und stellt klar: Wir alle haben die Fähigkeit, viele unserer Leiden selbst zu heilen. Und: Stress ist einer der größten Saboteure der Selbstheilung.

    Herr Esch, die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass bis 2020 die Hälfte aller Krankheitsfälle auf Stress zurückzuführen sein wird. Wie kommt es dazu?Tobias Esch: Stress ist zunächst einmal ein biologisches Phänomen. Es geht um Kampf oder Flucht, es ist eine Alarmreaktion, die unser Überleben sichert. Stress ist also neutral, keine Krankheit. Was wir jedoch heute erleben ist, dass Zyklen, denen wir allen unterliegen, wie Schlaf, Aufmerksamkeitsspannen oder Beziehungen, immer kürzer werden. Gleichzeitig machen wir vieles gleichzeitig und glauben, dass das eine besondere Fähigkeit des Menschen sei. Fakt ist, dass der Mensch zwar durchaus Dinge gleichzeitig ausführen kann, jedoch nicht besonders gut ‒ und häufig zu dem Preis, gestresst zu sein. Wir nehmen so nicht die Fülle und Sinnlichkeit des ganzen Lebens wahr. Wir verpassen einen Großteil der Informationen, die eine Sache für uns bereitgehalten hätte. Wir fühlen uns heute ständig beobachtet durch die vielfältigen Rollen, in denen wir uns bewegen – ein Ergebnis der sozialen Medien. Wir wollen dabei möglichst alles perfekt machen, aber das ist nicht möglich. Und so geraten wir immer stärker in einen Zustand der Überforderung.

    Der Mensch kann mehrere Dinge gleichzeitig ausführen – allerdings nicht gut

    Ist der allgemein hohe Stresslevel in der Bevölkerung eigentlich eine Modeerscheinung?In gewisser Weise schon, durch die gestiegene mediale Aufmerksamkeit, die neuen Messmöglichkeiten und vermeintlichen Diagnosen, die wir diesem Phänomen geben – ich denke da an den Begriff „Burn-out“ –, wird diesem Thema immer mehr Beachtung geschenkt. Somit ist nicht jede Zunahme von Stress tatsächlich biologisch begründbar. Andererseits kennen wir aus der Forschung auch Menschen, die sich nicht gestresst fühlen, aber dennoch physiologisch unter Stress stehen. Stress kann also in beide Richtungen über- und unterschätzt werden.
    Wie wirkt sich Stress auf unseren Körper aus?Stress ist der Mechanismus, der bei einer Belastung auftritt und uns signalisiert, dass wir reagieren müssen. Er erfasst über das Gehirn den gesamten Organismus, wir sind durch ihn darauf vorbereitet, mit maximaler Energie in den Kampf oder in die Flucht zu gehen. Hinzu kommen Veränderungen in unserem Verhalten, Denken und Empfinden – so leidet unter Stress unser Erinnerungsvermögen, das wir ursprünglich im Kampf oder auf der Flucht auch nicht gebraucht hätten.

    Wir haben das Zutrauen zu unseren Selbstheilungskräften verlernt

    Wir kommen mit einer tief in uns angelegten Fähigkeit zur Selbstregulation auf die Welt. Doch kommt uns diese Fähigkeit oft abhanden. Was passiert mit uns im Zuge unserer Sozialisation?Wir haben, wie es den Eindruck macht, oftmals das Zutrauen zu unseren inneren Selbstheilungsfähigkeiten, zu unserem „inneren Arzt“, verlernt. Daran ist nicht der einzelne Mensch „schuld“, sondern auch die moderne Medizin mit all ihren Errungenschaften: Sie brachte mit sich, dass das Zutrauen des einzelnen Menschen zu seinen eigenen Potenzialen geschwunden ist. Wir haben schließlich kein Sinnesorgan für mikroskopische Erscheinungen, wir sehen bestimmte Erreger nicht. Diese Prozesse, im Schlepptau der modernen Medizin, die unser Überleben verlängert haben, haben gleichzeitig bewirkt, dass wir unsere Selbstheilungskräfte nicht mehr als etwas empfinden, zu dem wir aktiv unseren Beitrag leisten können – und müssen.
    Sie plädieren dafür, Gesundheit nicht als Zustand zu begreifen. Warum?Gesundheit ist ein dynamischer Prozess, in dem ein dynamisches Gleichgewicht hergestellt wird, das fortwährenden Änderungen unterworfen ist. Gesundheit kann etwas sehr Individuelles, Subjektives sein, sie kann ein Idealzustand sein oder ein von außen gemessener, objektiver Befund. In jedem Fall aber ist Gesundheit ein Prozess und als solcher gestaltbar. Genau darin liegt die Kraft unserer eigenen Selbstregulation.
    Ist die Wirkung positiver Gedanken wissenschaftlich nachweisbar?Eine Möglichkeit, den Stress zu unterbrechen, ist tatsächlich, die unter Stress auftretenden automatischen, negativen Gedanken zu unterbrechen. Die Abwärtsspirale aus stressendem Ereignis, negativen Gedanken, stressassoziiertem Verhalten und Symptomen kann durchbrochen werden, wenn wir unsere Gedanken wieder bewusst wahrnehmen. Man müsste sich innerlich ein Stoppschild hochhalten oder einmal tief einatmen und bewusst den Versuch unternehmen, anders auf das stressauslösende Ereignis zu reagieren. Wir nennen das auch kognitive Umstrukturierung: Allgemein gilt, dass eine positive Grundeinstellung zu wissenschaftlich evidenten Veränderungen im Gehirn und des Verhaltens führt. Und das kann sich sehr positiv auf unsere Gesundheit und Stressresilienz auswirken.

    Bei massivem Stress passen Selbstbild und Realität nicht mehr zusammen

    Unser Umgang mit Stress hängt auch mit unserem Selbstbild zusammen, das wir ungern verändern wollen. Warum fällt uns das so schwer?Auch hier handelt sich um einen Überlebensmechanismus. Das Bild von uns selbst ist eine Brücke zu einem Selbst, das wir sein oder werden wollen, um in unserer Identität und Integrität existieren zu können. Wir erleben uns dann als kohärent und widerspruchsfrei; das ist für eine geistige und körperliche Integrität lebensnotwendig. Schwierig wird es, wenn Selbstbild und Realität, innen und außen, nicht mehr zusammenpassen, wie bei massivem Stress – auch bei Menschen mit Burn-out. Dann sind Regulationsmechanismen überfordert und erstarren. Damit es wieder dynamisch wird, müssen wir die Regulation wieder anstoßen: durch eine positive Gedankenwelt, Bewegung, Entspannung, Genuss, Sinnlichkeit, Achtsamkeit, Ernährung.
    Warum erkennen viele Menschen nicht, dass sie unter chronischem Stress leiden?Viele Menschen unterdrücken ihre Emotionen, auch um „funktionieren“ zu können, dabei sind sie Eselsbrücken zu wichtigen Ereignissen. Sie sind nicht einfach zufällig da, sondern führen zu Ereignissen, Gedanken oder erinnerungswürdigen Situationen. Werden sie nicht ausgelebt, wahrgenommen, können wir derartige Inhalte und Signale des Körpers weniger verarbeiten. Wir erleben Stress dann letztendlich im Kopf und stumpfen gleichzeitig gegenüber Warnsignalen ab. Unter chronischem Stress schalten wir auf Autopilot.

    Bedingungen schaffen, um die Selbstheilung zu begünstigen

    Sie plädieren dafür, dass wir uns auf unsere Selbstheilung besinnen sollten.Es geht um das Ansteuern von hirneigenen Autoregulationsmechanismen, die uns das Gefühl geben, dass unser innerer Arzt wieder aktiv werden kann. Es ist wichtig, dass wir uns Gesundheit und Heilung überhaupt zutrauen. Heilung findet zwar eigentlich immer statt, aber wir können Bedingungen schaffen, die sie begünstigen.
    Was können Unternehmen tun, damit Mitarbeiter häufiger Flow-Momente haben – also den Zustand der vollständigen Vertiefung in eine Aufgabe?Das Flow-Erleben ist gewissermaßen eine Abfolge der drei bekannten Motivationstypen auf engstem zeitlichen Raum. Motivationstyp A steht dabei für das Bedürfnis nach Wachstum, Typ B für das Absichern, Typ C für Verbundenheit. Manchmal wird hier auch von Erfüllung gesprochen, wenn Typ A, B und C in enger Verschränkung auftreten. Wir sehen das bei Menschen, die mit Hingabe einer Tätigkeit nachgehen können. Das bedeutet, dass sie weder über- noch unterfordert sind. Um Menschen in diesen Bereich zu führen, ist es wichtig, dass die Aufgaben prinzipiell von ihnen zu bewerkstelligen sind. Wir sollten gleichzeitig aber unsere gesamte Aufmerksamkeit benutzen, um die Aufgabe zu erfüllen – wir sprechen daher von machbaren, anspornenden Herausforderungen. Tun wir das, geraten wir mitunter in einen „aktiven Tunnelzustand“, manchmal eben auch „Flow“ genannt, bei dem wir mit allen Sinnen in der Gegenwart „einrasten“. Außerdem brauchen wir unmittelbares Feedback beim Erledigen der Aufgabe: sei es von außen oder durch unser sinnliches Erleben. Letztlich gilt als wichtiges Momentum für das Flow-Erlebnis, dass wir die Möglichkeit brauchen, zu wachsen und zu reifen, während wir der Tätigkeit nachgehen. Arbeitgeber sollten ihr Team idealerweise in eine Situation bringen, in der sie als Organismus verschmelzen können und sich auf dem schmalen Grat zwischen Überforderung und Unterforderung bewegen.

    Quelle: https://www.humanresourcesmanager.de/news/stress-ist-einer-der-groessten-saboteure-der-selbstheilung.html