Samstag, 13. Oktober 2018

Krank durch Selbstoptimierung


Exzessive Selbstoptimierung! Habe den Begriff heute zum ersten Mal gehört und muss sagen: Da hat sich jemand Gedanken gemacht zum Thema. Dieser Begriff bringt das Thema Burnout / Depression unglaublich treffend auf den Punkt. An sich selbst arbeiten ist gut, aber die Grenz was gut und gesund ist wird sehr häufig überschritten:

Schöner, gesünder und glücklicher: Für viele Menschen ist Selbstoptimierung zum Lebensinhalt geworden. Doch das permanente Streben nach Perfektion kann krank machen. Von Kristina Bräutigam
Professor Ulrich Stangier, Leiter des Instituts für Psychologie der Uni Frankfurt, spricht im EXTRA TIPP über die Gefahren des Selbstoptimierungswahns.
 
Wenn jemand morgens meditiert, regelmäßig fastet, nur Kleidung aus Bio-Baumwolle trägt und seinen Schlaf via App überwacht: Ist das lobenswert oder krank?
 
Wenn jemand die Chance ergreift, an sich zu arbeiten, beispielsweise abnimmt, um gesünder oder attraktiver zu sein, ist das etwas Gutes. Der Antrieb, Ziele zu erreichen, ist ein Grundmerkmal des Menschen. Ein anderer Antrieb ist das Bedürfnis nach Selbstwert. Unter Selbstoptimierung versteht man die übertriebene oder exzessive Form der Übung beziehungsweise des Trainings, um den Wert des Selbst zu steigern. Die eigene Person wird zum Objekt, das verändert werden muss, um ihm den maximalen Wert zu verleihen.
 
Besonders beim Essen kennt der Selbstoptimierungswahn keine Grenzen. Wie erklären Sie sich, dass immer mehr Menschen strikt vegan essen, Kohlenhydrate meiden oder sogar nur noch rohes Gemüse verzehren?
Essen ist eine Verhaltensgewohnheit, die sich relativ leicht beeinflussen lässt, deshalb werden hier Motive am deutlichsten. Zwanghaft werden Essgewohnheiten, wenn die Betroffenen in rigider Weise überzogene Vorstellungen umsetzen, beispielsweise glauben, dass schon geringe Mengen bestimmter Nahrungsmittel krank machen. Allerdings ist vegane Esskultur nicht per se zwanghaft, schließlich kann man sich auch aus einem Gesundheitsbewusstsein, aus weltanschaulichen oder politischen Gründen vegan ernähren.
 
Die Buchhandlungen sind voll mit Ratgebern, die erklären, wie man glücklicher wird. Woher kommt dieser Wunsch, sich selbst zu optimieren?
Viele Jahre hatte die Selbsthilfeliteratur als Ziele Fitness, Gesundheit, Schönheit, Leistungsfähigkeit und Effizienz. Heute sind andere Werte wichtig. Es geht plötzlich um Entspannung, Selbstbestimmung und Glück, also humanistische Ideale. Ein wesentliches Merkmal der Selbstoptimierung ist allerdings der Egozentrismus: Das Individuum wird völlig in den Vordergrund gestellt.
Aber ist es denn nicht erstrebenswert, die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen?
Man muss unterscheiden zwischen einem gesunden Narzissmus, also die Zuneigung zur eigenen Person, und einem pathologischen Narzissmus. Diese narzisstische Betonung der eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten, Leistungen und des Aussehens nimmt zu. Eine entscheidende Rolle spielen die sozialen Medien. Beliebt zu sein ist das oberste Ziel, die Zahl der Freunde und Likes auf Facebook oder Instagram bestimmen den Wert. Bestes Beispiel sind die Influencer. Diese Menschen stellen ihr vermeintlich perfektes Leben zur Schau, um Follower zu bekommen und Geld zu verdienen.
 
Gibt es Menschen, die besonders anfällig ist, in die Selbstoptimierungsfalle zu tappen?
Selbstoptimierung ist häufig ein Versuch, einen vermeintlichen Mangel an Selbstwert durch besondere Leistung zu kompensieren. Insofern kann ein mangelndes Selbstwertgefühl die Anfälligkeit für Selbstoptimierungstendenzen erhöhen. Das gilt gleichermaßen für das Selbstwertgefühl von Personen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, die an sich den Anspruch erheben, etwas Besonderes zu sein. Aber auch Perfektionisten tendieren oft dazu, ihre hohen Standards durch ein hohes Engagement zu verwirklichen. Oft ist der Auslöser ein belastendes Lebensereignis, das die gewohnten Abläufe verändert, beispielsweise eine Trennung oder Kündigung. Diese Ereignisse bedrohen das Selbstwertgefühl. Die Selbstoptimierung ist ein Versuch, diese innere Bedrohung abzuwehren.
Welche Auswirkungen hat es, wenn die Eltern Selbstoptimierung vorleben, den Kindern beispielsweise einen bestimmten Ernährungsstil vorschreiben?
Rigide Regeln enthalten für Kinder häufig implizit die Botschaft, dass negative Konsequenzen eintreten, wenn man sich nicht daran hält. So können Kinder Krankheitsängste entwickeln, wenn die Eltern bestimmte Ernährungsweisen und das Thema Gesundheit überbewerten. Die Werte und Motivationen von Kindern werden oft durch Perfektionismus in der Familie nachhaltig geprägt, egal ob es um Aussehen, Gesundheit, Leistung oder soziale Normen geht. Lehnt sich das Kind in der Pubertät nicht auf, prägt dies die weitere psychische Entwicklung.
Am Institut für Psychologie der Uni Frankfurt behandeln Sie Patienten, die Selbstoptimierung unglücklich gemacht hat. Welche Folgen hat das grenzenlose Streben nach Verbesserung für die Betroffenen?
 
Die Betroffenen leben nicht mehr im Augenblick, sie verlieren die Fähigkeit, zu genießen und loszulassen, sei es beim Essen, bei Sexualität oder der Freizeitgestaltung. Der gesamte Alltag ist sehr einseitig und wird von der Angst beherrscht, an den eigenen Zielen zu scheitern. Die Betroffenen ziehen sich aus sozialen Kontakten zurück oder meiden Situationen, weil sie nicht mehr flexibel auf andere Menschen eingehen können. Spätestens wenn jemand psychisch oder sozial stark eingeschränkt ist, zum Beispiel den Beruf aufgibt, ist die Grenze zur Entwicklung einer psychischen Störung überschritten. Exzessive Selbstoptimierung führt immer in eine Sackgasse, die Depression.
Merken die Betroffenen, dass sie Hilfe brauchen?
Die Folgen von exzessiver Selbstoptimierung können gravierend sein, ohne dass der Betroffene den Zusammenhang sieht oder einen Leidensdruck äußern. Denn der Lebensstil wird meist weiterhin als positiv bewertet.
Wie gelingt der Weg raus aus der Selbstoptimierungsfalle?
Ein wichtiger Schutz ist die Einsicht, dass es schädlich ist, den Wert der eigenen Person von dem Erreichen von Zielen abhängig zu machen. Natürlich sind Attraktivität, Leistung, Gesundheit erstrebenswert. Aber Glück abhängig zu machen vom Erreichen eines Ziels, macht unglücklich. Unglücklichsein, Leiden und Schmerz als Begleiter des Lebens zu akzeptieren, ist ein wichtiger Schritt, auch die positiven Seiten des Lebens zu erfahren.
 
Quelle: https://www.extratipp.com/hessen/exzessive-selbstoptimierung-fuehrt-immer-depression-10315268.html

Freitag, 12. Oktober 2018

Sport gegen Stress und Depression


Sport ist neben der Ernährung das Beste Mittel zur Prävention psychischer Krankheiten:

Sport ist gut für die Gesundheit, keine Frage, aber auch für die Seele ist Bewegung unglaublich wichtig und kann psychische Erkrankungen mildern. Bei uns erfährst du, warum Sport gegen Depressionen und Co. hilft.

Inhalt
  1. Sport fördert die Gesundheit von Körper und Geist
  2. Sport für ein gutes Körpergefühl
  3. Sport gegen Depressionen
  4. Sport bei Angststörungen
  5. Sport gegen Stress
  6. Welcher Sport hilft der Psyche am besten?
 

Sport fördert die Gesundheit von Körper und Geist

Ob bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, niedrigem Blutdruck, Rückenschmerzen oder Migräne - die Liste der Krankheiten, die Sport vorbeugen kann, ist enorm. Doch Bewegung ist nicht nur gut für unsere körperliche Gesundheit, sondern auch für unsere seelische. Sport ist nämlich ein wahres Wundermittel bei psychischen Erkrankungen und kann vor allem gegen Depressionen und Angststörungen helfen.

 

Sport für ein gutes Körpergefühl

Sport ist das beste Mittel, um sich im eigenen Körper wohlzufühlen. Wer regelmäßig trainiert, hat ein besseres Körpergefühl, und fühlt sich mit seinem Körper verbunden, was bei psychischen Erkrankungen meist nicht der Fall ist. Bewegung hilft also, den mangelnden Kontakt zum Körper bei psychisch Kranken wieder herzustellen.

Sport gegen Depressionen

Mehrere Studien belegen, dass Sport gegen Depressionen hilft. Die körperliche Aktivität soll dabei einen ähnlichen Effekt haben wie chemische Antidepressiva, weshalb eine Bewegungstherapie bei Depressionen nahezu unabdingbar ist. Die genaue Wirksamkeit ist noch nicht ausreichend erforscht, aber Fakt ist, dass Sport den Serotoninspiegel hebt, der bei depressiven Menschen zu niedrig ist.
Zudem hilft ausreichende Bewegung gegen die bei einer Depression vorherrschende Antriebslosigkeit. Gerade morgens, wo die psychische Erkrankung am schlimmsten zuschlägt, ist Sport treiben das beste Mittel, um gegen die trüben Gedanken vorzugehen.
 

Sport bei Angststörungen

Auch bei Angststörungen kann Sport therapeutisch wirken, denn viele körperliche Reaktionen während eines anstrengenden Trainings ähneln den Symptomen während einer Panikattacke: Durch den erhöhten Puls, die Beschleunigung des Herzschlags und das Schwitzen beim Sport lernen Angstpatienten, dass die Symptome, die sie bei einer Panikattacke wahrnehmen, nicht lebensbedrohlich sind.
 

Sport gegen Stress

Stress ist der schlimmste Feind unserer Psyche, denn wer gestresst ist, hat ein zu hohes Cortisol-Level. Das Stresshormon sorgt dafür, dass wir nicht zur Ruhe kommen und uns nachts von Seite zu Seite wälzen. Regelmäßiger Sport kann langfristig helfen, Cortisol abzubauen und den Stresspegel  zu senken. Aber vorsicht: Nicht zu spät trainieren, da der Körper dadurch "aufgepusht" wird. Wer morgens keine Zeit hat, sollte spätestens am frühen Abend trainieren und nicht direkt vor dem Schlafengehen.
 

Welcher Sport hilft der Psyche am besten?

Den einen perfekten Sport bei psychischen Erkrankungen gibt es nicht. Das Wichtigste ist auch bei psychischen Erkrankungen, den Sport zu finden, der am meisten Spaß macht. Dann bliebt man auch am Ball. Ob ruhiges Yoga, intensives Krafttraining oder schweißtreibendes Cardio-Workout das Richtige ist, muss jeder selbst herausfinden. Besonders empfehlenswert sind allerdings Gruppenkurse mit festen Zeiten, da so der Sport am besten in den Alltag integriert werden kann. Voraussetzung, damit Sport gegen Depressionen und Co. wirken kann, ist nämlich das regelmäßige Training.

Quelle: https://www.wunderweib.de/sport-gegen-depression-und-co-warum-bewegung-der-psyche-hilft-105328.html

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Totschweigen oder Handeln


In Deutschland sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Aids, Drogen und Raubüberfälle zusammen. Jährlich nehmen sich 600 Menschen unter 25 das Leben. Expertin Diana Doko räumt mit Vorurteilen auf.

In Deutschland setzen mehr als 10.000 Menschen jedes Jahr ihrem Leben selbst ein Ende. Ein häufiger Grund für den Suizid sind Depressionen. Bei Jugendlichen ist Suizid die zweithäufigste Todesursache nach Unfällen. Die Berlinerin Diana Doko ist Mitgründerin des Vereins „Freunde fürs Leben“ und klärt junge Menschen über das Thema auf. Mit uns spricht die PR-Beraterin und Hochschuldozentin über den Umgang mit Depressionen, die vor allem bei Managern und am Arbeitsplatz noch immer ein großes Tabu sind.
Frau Doko, warum haben alle Angst, über das Thema zu reden?
Depression und Suizid sind Tabu-Themen in unserer Gesellschaft, und selbst im persönlichen Miteinander ist es schwierig, über depressive Phasen zu sprechen. Daher ist Aufklärung so extrem wichtig, denn nur wenn wir über Warnsignale, Hilfsangebote und Therapiemöglichkeiten Bescheid wissen, können wir zu Lebensrettern werden. Die meisten Menschen reden oft aus Unwissenheit oder Angst, etwas Falsches zu tun, nicht darüber. Und dann sagen oder tun sie oftmals lieber gar nichts. Aber das Nichtstun verhindert keine Suizide.
Gehen Jugendliche eigentlich anders mit dem Thema um als Erwachsene?
Wir als Erwachsene müssen jungen Menschen doch erst einmal einen Umgang mit den Themen Depression und Suizid beibringen, sie für die Problematik sensibilisieren und aufklären. So wie an Schulen über Alkohol- und Drogenmissbrauch informiert wird, muss es dort auch eine Aufklärung über seelische Gesundheit geben.
In der Pubertät spielen doch bei vielen die Hormone sowieso verrückt - wann wird es grenzwertig mit der schlechten Laune?
Ach, das kennt doch jeder von uns aus seiner eigenen Jugend. Da passiert plötzlich so vieles im eigenen Körper, das einem neu und fremd ist. Man weiß nicht wohin mit sich und den Gefühlen, ist unsicher, aufgedreht und durcheinander. Ist das jetzt dauerhaft schlechte Laune oder geht es schon in Richtung psychische Krise? Für Jugendliche, die dann den Unterschied zwischen schlechter Laune und psychischer Krise nicht kennen, weil ihnen gesundheitsfördernde Faktoren wie Resilienz, soziale Kompetenz oder Bewältigungsstrategien nie beigebracht wurden, kann das bis ins hohe Alter Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben.
Wie helfen Sie den jungen Menschen mit „Freunde fürs Leben“ konkret?
Wir holen die Jugendlichen dort ab, wo sie sich aufhalten: Im Internet und in sozialen Netzwerken. Wir nutzen ihre Kommunikations- und Informationsgewohnheiten und bieten ihnen mit unserem „frnd“-Youtube-Kanal oder unserer „frnd“-Facebookseite einen niedrigschwelligen Zugang zu so einem schweren Thema wie Depression oder Suizid.

Depressionen am Arbeitsplatz: ein Tabu

Lässt sich sagen, wie viele Menschen Sie durch den Verein gerettet haben?
Wir arbeiten präventiv, daher ist unsere Arbeit nicht messbar. Aber wir haben über 14.000 Freunde auf Facebook, unsere Filmbeiträge hatten bisher über 2,8 Millionen Zuschauer und unsere Website wird regelmäßig zur gezielten Informationsvermittlung von Journalisten, Jugendlichen, jungen Erwachsenen, Eltern, Lehrern, Sozialarbeitern und Therapeuten zu Rate gezogen. So helfen Freunde fürs Leben, Suizide zu verhindern.
Viele Menschen haben Hemmungen, Angehörige eines Menschen anzusprechen, der sich umgebracht hat. Was würden Sie ihnen raten?
Sprechen Sie die Trauernden an und zeigen Sie Mitgefühl. Jeder, der einen geliebten Menschen verloren hat, egal ob durch Verkehrsunfall, Krankheit oder Suizid, weiß, wie gut es tut, über die verstorbene Person zu sprechen. Der Verstorbene lebt so in der Erinnerung weiter und wird nicht totgeschwiegen.
Wie äußert sich eine Depression und wie können Menschen aus dem privaten Umfeld darauf reagieren?
Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass wir von Freunde fürs Leben keine Therapeuten sind. Wir leisten Präventionsarbeit und weisen auf Hilfsangebote hin. Es gibt Signale, die auf eine Depression oder Suizidgefährdung hinweisen. Beispielsweise wenn sich jemand von seinen Freunden abkapselt oder große Hoffnungslosigkeit ausdrückt oder wenn sich derjenige plötzlich nichts mehr aus lieb gewordenen Dingen macht. Für Depressionen gibt es zahlreiche Ursachen.
Was kann man machen, wenn man meint, die Signale zu erkennen?
Menschen aus dem privaten Umfeld können der erkrankten Person zuhören, zuhören, nochmal zuhören und dabei Geduld und Verständnis zeigen. Es gibt natürlich noch weitere Möglichkeiten, zu helfen. Hier würde ich gern auf unseren Pocketguide "Lebensmüde" verweisen, in dem wir kurz die Fakten, die Vorurteile, die Signale und Hilfsadressen bei Suizidgedanken aufführen. (Anm.: Den Guide kann man über folgende Website bestellen: www.frnd.de)
Auch ungünstige Arbeitsbedingungen durch Leistungsdruck, permanenten Stress oder Konflikte mit dem Chef können eine Depression begünstigen. Wie offen sollten Betroffene mit ihrer Krankheit am Arbeitsplatz umgehen?
Wir haben die Vision von einer aufgeklärten Gesellschaft, in der offen über psychische Krisen gesprochen wird. Und in der Betroffene auf ein gutes Netzwerk und schnelle Hilfe zurückgreifen können. Die Energie, die Betroffene teilweise aufbringen müssen, um ihre Krankheit zu verbergen, kann viel sinnvoller genutzt werden. Depressionen sind behandelbar, man muss sie nur rechtzeitig erkennen. Alles Angestaute und Unterdrückte kann nur nach hinten losgehen. Was ungünstige Arbeitsbedingungen angeht, kann ich immer wieder nur auf die Aufklärung hinweisen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten über gesundheitsfördernde Faktoren verfügen, zu denen unter anderem auch soziale Kompetenz sowie klärende Gespräche oder Konfliktbewältigungsstrategien gehören.

Quelle: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/the_shift/world-mental-health-day-totschweigen-und-nichtstun-verhindert-keine-suizide/14621600-all.html

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Mehr Krankheitstage wegen psychischer Leiden


Arbeitsunfähig wegen seelischer Krisen: Die Zahl der Fehltage aufgrund von Depressionen und anderer psychischer Erkrankungen hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Über die Gründe kann man nur spekulieren.

Der häufigste Grund für eine Krankschreibung sind nach wie vor Muskel-Skelett-Erkrankungen, zu denen etwa Rückenschmerzen gehören. Schon an zweiter Stelle stehen psychische Störungen wie Depressionen, Ängste oder Burn-out.
Das teilt die BKK-Krankenversicherung anlässlich des Tags der seelischen Gesundheit am 10. Oktober mit. Demnach gehen von den insgesamt 17,7 Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tagen), die beschäftigte BKK-Mitglieder im vergangenen Jahr 7im Durchschnitt krankheitsbedingt am Arbeitsplatz fehlten, 2,8 AU-Tage auf das Konto der psychischen Störungen. Das entspricht einem Anteil von 15,6 Prozent aller Fehltage.
Das war nicht immer so. Nach den BKK-Daten hat sich die Zahl der Fehltage aufgrund seelischer Leiden in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Auch bei den Diagnosedaten der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten, im Krankenhausbereich sowie auch bei den entsprechenden Verordnungen von Arzneimitteln ist in den vergangenen Jahren eine Zunahme der mit psychischen Störungen in Verbindung stehenden Leistungen zu beobachten.

Psychische Erkrankungen sind nicht mehr so tabu wie früher

Werden die Deutschen also psychisch immer labiler? Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes, glaubt das nicht. Seiner Ansicht nach werden psychische Störungen heute einfach nur schneller erkannt und öfter behandelt als früher. Ein weiterer Grund sei, dass die Gesellschaft heute für das Thema Psyche sensibilisierter und Betroffene weniger stark stigmatisiert würden. „Entsprechend finden immer mehr Menschen mit den genaueren Diagnosen den Weg in die richtige ärztliche und therapeutische Behandlung“, meint Knieps optimistisch. 
 

Gesundheitsberufe und öffentlicher Dienst führen die Statistik an

Interessant sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsgruppen: Am häufigsten werden Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im öffentlichen Dienst aufgrund von psychischen Störungen – zum Beispiel einem Burn-out - krankgeschrieben. Im Bergbau oder in der Landwirtschaft treten nicht einmal halb so viele AU-Tage auf.

Älter Arbeitnehmer fallen länger aus

Auch das Alter scheint eine Rolle zu spielen: Ältere Arbeitnehmer fallen öfter wegen seelischer Leiden im Job aus als jüngere. Während von 100 über 50-jährigen neun deswegen krangeschrieben werden, sind es bei den 20- bis 30-jährigen nur sechs. Außerdem sind bei den älteren Erwerbstätigen die Fehlzeiten mit durchschnittlich sechs Wochen rund doppelt so lang wie bei den jüngeren, die im Schnitt drei bis vier Wochen ausfallen.
„Es sind die älteren Beschäftigten, die aufgrund ihrer Erfahrungen und ihrer Fachkenntnisse heute mehr denn je für Unternehmen unverzichtbar sind“, sagt BKK-Chef Knieps. Damit die Generation 50+ möglichst lange und gesund im Arbeitsleben verbleiben kann, sei es umso wichtiger, das Arbeit auch altersgerecht gestaltet werde. Der nächste BKK Gesundheitsreport widmet sich diesem Thema ausführlich. Das Heft mit dem Schwerpunktthema Gesundheit und Arbeit: Generation 50+"  wird im November erscheinen.
 

Burnout in der Lebensmitte


Im Job muss man sich nicht mehr beweisen, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, das Haus ist abbezahlt: Mit 50 scheinen die Stürme des Lebens überstanden. Doch statt das Erreichte zu genießen, tritt bei vielen Menschen dieser Generation ein Burnout auf.

Eigentlich könnte sich die Generation 50+ bequem zurücklehnen: Im Beruf hat sie weitgehend alles erreicht, keine Kinder mehr im Haus, finanziell steht es meist besser denn je. Kein Wunder, dass die geburtenstarken Jahrgänge als hochzufriedene, entspannte und gesunde demographische Gruppe gelten. Doch wie Statistiken zeigen, ist gerade sie häufig von einem Burnout betroffen.

Gründe für diesen scheinbaren Widerspruch gibt es eine ganze Reihe. Viele Menschen um die 50 beunruhigt und irritiert die Zeit des Umbruchs und des Wandels. Sie stellen fest, dass sich ihr Körper verändert. Muskeln und Haare werden weniger, dafür nehmen Falten und Fettpölsterchen zu. Das ist im Zeitalter eines ausgeprägten Schönheits- und Jugendideals für die meisten beängstigend. Sie erkennen zudem, dass das Leben endlich ist.

Oftmals erkranken oder sterben die Eltern in dieser Zeit und es stellen sich die ersten eigenen Gebrechen ein. Die Angst, bei dem technischen Fortschritt nicht mithalten zu können, die Pflicht ständiger Erreichbarkeit und die Angst vor Kündigung tragen oft zusätzlich zur Entstehung eines Burnouts bei.

Die große Frage nach dem Sinn

Dies alles kann zu hohem Druck führen und mitunter die „großen“ Sinnfragen und sogar Identitätskrisen des Lebens auslösen. Selbst mit maximaler Ausschöpfung der persönlichen Energieressourcen lässt sich der damit einhergehende Stress meist nur begrenzte Zeit auffangen. Ein Burnout ist da oft nur noch eine Frage der Zeit.
Darüber hinaus spielen bei der Entstehung natürlich auch weitere Faktoren wie anlage- und erziehungsbedingte Persönlichkeitsmerkmale, die eigene Lebens- und Erfahrungsgeschichte sowie  belastende Situationen im familiären Umfeld oder der Partnerschaft eine Rolle - wobei meist nicht die einmalige hohe Belastung entscheidend ist, sondern eher längerfristige Überlastungen.

Bekommen faule Menschen kein Burnout?

In erster Linie sind natürlich sehr leistungsorientierte Menschen von einem Burnout betroffen. Wer es gelassener und weniger ehrgeizig angeht, der reduziert auch Erwartungshaltung und Leistungsdruck. Doch unabhängig davon ist das Ursachenspektrum weitaus vielfältiger und komplexer. Nicht selten geraten beispielsweise Menschen auch durch lange Arbeitslosigkeit, die intensive Pflege eines kranken Angehörigen oder andere familiäre Probleme so stark unter Druck, dass es zu seelischen Störungen wie einem Burnout kommt.

Meist zeigt sich ein chronischer Erschöpfungszustand jedoch erst, wenn die üblichen Erholungszeiten zum Regenerieren nicht mehr ausreichen: Schlaflosigkeit, Unruhe, reduzierte Leistungsfähigkeit, innere Leere und Antriebslosigkeit sind typische Zeichen. Abschalten und Entspannen gelingen nicht mehr. Sozialer Rückzug, geringer werdende Empathie und Resignation bis hin zur Depression können die Folge sein. Aber auch Magen- und Rückenschmerzen, Sodbrennen oder Tinnitus weisen in manchen Fällen auf ein Burnout hin.

Was genau ist eigentlich ein Burnout?

Unter einem Burnout verstehen Fachärzte einen tiefgreifenden, sowohl körperlichen als auch psychischen Erschöpfungszustand. Voraus gehen meist länger andauernde Überlastungen und Überforderungen. Dabei ist nicht allein ein überhöhtes Arbeitspensum das Problem. Vielmehr ist es ein Gefühl der Machtlosigkeit, des Kontrollverlusts und der Sinnlosigkeit. Viele Betroffene scheuen sich, Hilfe zu suchen. Dabei sind eine ärztliche oder psychologische Beratung sowie gegebenenfalls eine anschließende Therapie kein Zeichen von Schwäche oder Scheitern. Vielmehr zeugen diese vom verantwortungsvollen Umgang mit sich selbst.
Ziel einer Therapie ist es, mit dem Patienten einen möglichst optimalen persönlichen Weg zu finden, um künftig ohne gesundheitliche Probleme mit Druck und Stress umgehen zu können. Dazu gehört es auch, eigene Ansprüche an sich selbst genau zu überprüfen. Denn häufig kommt die Überforderung nicht nur von außen.

Wie lässt sich ein Zusammenbruch vermeiden?

Zunächst gilt es, sich die eigenen Belastungsgrenzen bewusst zu machen. Also darauf zu achten, diese Grenzen einzuhalten und nicht ständig darüber hinaus zu gehen. Immer erst die Pflicht, nie das Vergnügen – damit sollte Schluss sein. Ein Ausgleich zu hohen beruflichen und/oder privaten Belastungen ist wichtig – dazu zählen soziale Kontakte und Interessen außerhalb des Berufs, Bewegung sowie Sport. Und natürlich: ehrlich zu sich selbst zu sein, die eigenen Ansprüche zu überprüfen – und eventuell der persönlichen Belastbarkeit anzupassen. Wer versucht, immer alles 150-prozentig zu machen, ist langfristig hochgradig burnout-gefährdet.

Einmal Burnout, immer Burnout?

Ein Burnout ist heilbar, doch Rückfälle sind natürlich nicht ausgeschlossen. Wichtig ist es, dass den Betroffenen ihr Problem bewusst wird und sie entsprechende Schutzmechanismen beziehungsweise Strategien zur Stressbewältigung erlernen.  In vielen Fällen kann die Psychotherapie, insbesondere die Verhaltenstherapie, hilfreich sein.
Standard-Lösungen gibt es aber nicht. Vielmehr sollte die medizinische Hilfe auf den jeweiligen Patienten und dessen Arbeits- und Lebensbedingungen sowie die Art der Beschwerden abgestimmt sein. Über 90 Prozent der Betroffenen gelingt übrigens die Rückkehr in den Beruf. Zudem gilt: Jede Lebenskrise bietet auch die Chance eines Neubeginns.

Quelle: https://www.focus.de/gesundheit/experten/diagnose-burnout-diagnose-burnout-warum-menschen-ueber-50-besonders-haeufig-betroffen-sind_id_9721273.html

Montag, 8. Oktober 2018

Rauchen und Depression


Zwischen dem Rauchen und dem Thema Depression bestehen interessante Zusammenhänge:


Rauchen verschlimmert eine Depression

Forscher haben einen Zusammenhang zwischen Nikotinabhängigkeit und Depressionen festgestellt. Vor allem Jugendliche sind von dieser Wechselwirkung betroffen. Auslöser ist, dass die Zigarette für viele Raucher gegen depressive Stimmungen helfen soll. Gleichzeitig fördert eine Depression das Verlangen nach Nikotin - ein Teufelskreis.

Ist ein Rauchentzug während einer Therapie zumutbar?

Raucher greifen zur Zigarette, um sich wie Nicht-Raucher zu fühlen. Diesen Satz sollten insbesondere Raucher verinnerlichen, wenn sich das Suchtgefühl meldet. Die Zigarette soll gegen Nervosität, Angst und depressive Stimmungen helfen - doch das tut sie nur ganz zu Beginn einer Raucherkarriere.
Denn der Körper gewöhnt sich an das Nervengift Nikotin und verlangt höhere Dosen, um das gleiche befriedigende Gefühl zu produzieren. Für viele Ärzte stellt sich die Frage: Soll man psychisch Kranken auch noch die Rauchentwöhnung antun? Laut einer Studie von Forschern der Universität von Birmingham lautet die Antwort: Ja!

"Depressive sollten dringend mit dem Rauchen aufhören!"


Davon ist auch der Psychiater Dr. Tobias Rüther, Leiter der Tabakambulanz am Klinikum der Universität München, überzeugt. Uns erklärt er im Interview: "Wir legen jedem Patienten nahe, mit dem Rauchen aufzuhören. Bei ganz leichten depressiven Verstimmungen kann allein das Aufhören des Rauchens schon eine antidepressive Wirkung haben."
Die Studie der Universität Birmingham hat untersucht, ob sich eine Rauchentwöhnung auch positiv auf die psychische Erkrankung, in diesem Fall eine Depression, auswirken würde. Schwierig ist auch, dass der Konsum von Tabak einige Psychopharmaka stören kann. Mit dem Rauchen aufzuhören kann also nicht nur hilfreich, sondern sogar medizinisch notwendig sein.

330 Tote durch Zigaretten in Deutschland - jeden Tag

Aber auch für gesunde Menschen sei es äußerst wichtig, mit dem Rauchen aufzuhören, sagt Dr. Tobias Rüther. "Jedes Jahr sterben in Deutschland 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das ist als würde jeden Tag ein Jumbojet abstürzen", erklärt der Mediziner. "Am ersten Tag wären alle von der Nachricht schockiert. Wenn das am nächsten und übernächsten Tag nochmal passieren würde, wären Jumbojets verboten."
Trotz der fatalen Konsequenzen der Nikotinabhängigkeit, ziehen Raucher keine Schlüsse aus ihrem Verhalten. Besonders für Depressions-Patienten könnte allerdings allein das Aufhören die Symptome lindern.
"Teil der Krankheit ist, dass sich Depressive wenig zutrauen. Wenn sie es dann schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören, ist das ein Erfolgserlebnis, das sie nochmal bestärkt und positive Erlebnisse fördert", erklärt Psychologe Dr. Rüther.

Depression oder Rauchen - was war zuerst?

Raucher entwickeln häufiger eine Depression als Nichtraucher und Depressive neigen eher zum Rauchen. Die Ergebnisse sind allerdings wie die Frage nach der Henne oder dem Ei: Noch lässt sich nicht sagen, was zuerst da war - das Rauchen oder die Depression.
Die Zahl der Raucher ist unter Depressionskranken deutlich höher als unter Menschen, die nicht von der psychischen Erkrankung betroffen sind. Hinzu kommt, dass depressive Menschen deutlich mehr Zigaretten am Tag rauchen. Laut Forschern könnte hier der Drang nach einer Linderung der akuten Stresssituation Auslöser für das gesteigerte Verlangen nach Nikotin sein.

Rauchen und Depression in Zahlen

43% der Depressionskranken sind Raucher: unter den Nicht-Depressiven sind es nur 22%
Aufhören tut gut: rund ein Drittel weniger Ängste, Depressionen und Stress
Teenager sind gefährdet: Zwischen dem 13. und dem 16. Lebensjahr ist die Gefahr einer durch Rauchen ausgelösten Depression am Größten

Depressive Raucher greifen häufiger zur Zigarette

Die gute Nachricht ist, dass die sofortige Rauch-Entwöhnung sehr viele Vorteile hat. Neben den bekannten positiven Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit, hilft der Entzug auch der Psyche.
Über den genauen Zeitpunkt, wann sich der Entzug positiv auswirkt, sind sich Forscher nicht ganz einig. Die Ergebnisse verschiedener Studien kommen auf einen Zeitraum von sechs Wochen bis drei Monaten. Nach dieser Zeit sei der Entzug geschafft - das Rauchverlangen lässt stark nach und die Linderung der depressiven Symptome setzt ein.

Quelle: https://www.rtl.de/cms/rauchen-und-depression-forscher-finden-zusammenhang-4229807.html

Studenten und Depression


Neuer Trend: Immer mehr Studenten haben Burnout und Depressionen

Mit dem Wintersemester beginnt für viele Bremer Studenten auch eine Leidenszeit: Immer mehr von ihnen haben psychische Probleme. Doch es gibt Auswege.

Im Oktober hat für mehr als 30.000 Studenten an Bremens Hochschulen das Wintersemester begonnen. Doch immer mehr von ihnen empfinden das Studium als Belastung. Dem von der Krankenkasse Barmer veröffentlichten Arztreport 2018 zufolge litten deutschlandweit knapp 17 Prozent der Studenten an einer psychischen Störung – zum Beispiel Panikattacken, Angststörungen oder Depressionen. Die Diagnose letzterer nahm dem Report zufolge zwischen 2005 und 2016 gar um 76 Prozent zu.
Swantje Wrobel vom Studierendenwerk Bremen überrascht das nicht. Die Leiterin der dort angesiedelten Psychologischen Beratungsstelle für Studierende (PBS) hat ähnliche Zahlen dokumentiert. 2017 sei das Stichwort "depressive Verstimmung" von rund 30 Prozent der beratenen Studenten auf dem Fragebogen angekreuzt worden, sagt Wrobel – gefolgt von Selbstzweifeln und Arbeitsschwierigkeiten. Hier sorgt vor allem die Prokrastination, das ständige Aufschieben von Aufgaben, für Probleme.

Allein 2017 ließen sich 1.063 Studierende bei der PBS beraten. Das sind 3,5 Prozent aller Studierenden in Bremen. Die Dunkelziffer jener, die sich nicht melden, dürfte deutlich höher liegen, schätzt Wrobel.
Wer sich vor Ort in der Beratungsstelle, per Telefon, Mail oder auch anonym meldet, erhält meist nach zwei Wochen einen Termin. Was sind die Schwierigkeiten? Wie lange dauert das Leiden bereits an? Und hat es sich schon auf Studium oder Beziehungen ausgewirkt? Solche Fragen werden in der Beratung geklärt. "Und natürlich, welche Wege es gibt, das Problem zu lindern oder zu lösen", sagt Wrobel. Bei einem Drittel der Studierenden kommen die Berater nicht um einen Verweis an niedergelassene Psychotherapeuten, Fachärzte oder Kliniken herum.

Gründe noch nicht eindeutig geklärt


Die Gründe für die hohe Zahl depressiver Studenten sind noch nicht eindeutig geklärt. "Lange Zeit haben wir vermutet, dass es an der Umstellung der Studiengänge von Diplom und Magister zu Bachelor und Master liegen könnte. Das ließ sich aber in Studien nicht nachweisen", sagt Wrobel. Auch das Alter der Studenten lasse keine eindeutigen Schlüsse zu. "Die Erfahrung zeigt zwar, je länger jemand studiert, desto eher bieten die Umstände Anlass zu Selbstzweifel, finanziellem oder zeitlichem Druck." Gleichzeitig sei jedoch die Hälfte der Studenten, die in Bremen eine Beratung wahrnehme, im ersten bis dritten Semester.
Ein Grund könnte nach Ansicht Wrobels auch die stetig steigende Abiturquote in Deutschland sein. Junge Erwachsene würden häufiger ein Studium aufnehmen, obwohl sie in einer strukturierteren Ausbildung unter verschulteren Lernbedingungen besser aufgehoben wären. "Da kommen etliche Studienanfänger ins Schleudern", sagt Wrobel. Eine bundesweite Studienabbrecherquote von rund 28 Prozent spreche für sich.
Für jene Studierende, die an chronischen Krankheiten wie Depressionen litten, gebe es darüber hinaus Wege, diese unverschuldeten Nachteile auszugleichen. "Wenn zum Beispiel jemand depressiv erkrankt und einige Semester nicht studierfähig ist, kann er beantragen, keine Langzeitstudiengebühren zahlen zu müssen oder den Termin einer Prüfung zu verschieben." Dies nehme vielen der Betroffenen schon eine Last von den Schultern.

Quelle: https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/wissen/depression-uni-studenten-statistik-folgen100.html