Sonntag, 28. Oktober 2018

Burnout beim Pfarrer


Ja Burnout beim Pfarrer. Es ist ein Beruf der sehr gefährdet ist!

Wenn es nicht um Kirche ginge, würde man von einem Teufelskreis sprechen: Die Mitgliederzahlen schrumpfen, die Budgets werden kleiner und auch die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer nimmt ab, aber nicht die Arbeit. Seelsorger sind immer im Dienst und müssen zu jeder Zeit und Gelegenheit die passenden Worte finden. Sie haben ihren Beruf aus Überzeugung gewählt und stellen oft einen hohen Anspruch an sich selbst. Gleichzeitig können sie dem gesellschaftlichen Wandel und einer geringer werdenden Bedeutung der Kirche im Leben vieler Menschen wenig entgegensetzen.

Wer ständig mehr als 40 Wochenstunden arbeitet, was für Geistliche beider Kirchen zur Normalität gehört, hat ein erhöhtes Burnout-Risiko. Eine Studie des Anton-Proksch-Instituts in Wien hat ergeben, dass „ein Viertel der befragten Priester in Deutschland deutlich über 50 Stunden pro Woche arbeitet“.

14 Prozent aller kirchlichen Seelsorger überfordert

In der Studie heißt es außerdem, dass 14 Prozent aller kirchlichen Seelsorger mit ihrem Beruf überfordert seien und als Burnout-gefährdet gelten. Die immer größer werdende Belastung der Geistlichen ist auch in Rom angekommen. Papst Franziskus rief in einer Botschaft Anfang Juli dazu auf, für „ausgebrannte und einsame Priester“ zu beten.

Das Bild des in sich ruhenden Hirten, den seine Schäfchen im Umkreis der Kirche antreffen, ist überholt. Geistliche müssen mobil sein. Das gilt vor allem in katholischen Gemeinden, die der abnehmenden Zahl an Gläubigen und dem eklatanten Mangel an Nachwuchsseelsorgern mit dem Zusammenschluss von Pfarreien begegnen. Der in diesem Jahr in Überlingen vorzeitig in den Ruhestand gewechselte Pfarrer Karl-Heinz Berger hat einmal gesagt: „Der Motor des Autos eines Pfarrers hat kaum Chancen, abzukühlen.“

Dünne Personaldecke und immer mehr Aufgaben

Das kennt auch Pfarrer Ulrich Hund, der in Markdorf und Umgebung für sechs Pfarreien und 11 000 Katholiken zuständig ist. „Die Distanzen sind zu groß und die Aufgaben in den letzten Jahren quantitativ mehr geworden“, sagt der Geistliche. Das heißt, er muss mit einer dünneren Personaldecke immer mehr Aufgaben stemmen, von denen die seelsorgerische Arbeit nur einen Teil einnimmt.

Viel Zeit kosten Verwaltungsaufgaben: Die Gemeinde betreibt mehrere Kindertagesstätten, das Pfarrhaus muss saniert werden und jeden Tag bekommt er E-Mails mit neuen Verordnungen, bei denen es um Steuern, Datenschutz oder andere weltliche Themen geht. „Das kann ich manchmal gar nicht alles lesen“, gibt er zu. Und betont, dass diese Arbeit nicht Teil der Ausbildung eines Priesters sei. Dazu sind im Zeitalter der Digitalisierung auch Geistliche beinahe immer per Mail und Handy erreichbar. „Manchmal komme ich erst um 23 Uhr dazu, eine Mail zu beantworten“, sagt Ulrich Hund.

Unterstützung leisten ehrenamtliche Helfer, ohne die das kirchliche Angebot sehr viel kleiner ausfallen würde. Aber auch um die muss sich der Pfarrer kümmern. Das passiert meist bei Abendterminen, wenn alle anderen frei haben. „Die meisten haben Verständnis, dass ich nicht überall sein und alle Kirchgänger persönlich kennen kann“, sagt Pfarrer Hund. Allerdings gebe auch schon einmal Kritik.

Die Rolle des Pfarrers auch mal verlassen

Ganz wichtig für die seelische Gesundheit sei der Austausch mit Freunden und Kollegen sowie Situationen, in denen er die Rolle verlassen und einmal er selbst sein könne. Auch er kennt Kollegen, die in eine Krise gekommen sind. „Da spielen dann meistens mehrere Faktoren eine Rolle.“
Diese Problematik ist auch der Überlinger Dekanin Regine Klusmann nicht fremd: „Bei jungen Kollegen, die Familie haben und dem Beruf Vollzeit gerecht werden müssen, ist das schwierig, das wird dann schnell zu viel.“ Sie hatte das Glück, sich die Familienzeit mit ihrem Mann, der auch Pfarrer ist, teilen zu können.

Seit sie vor 24 Jahren in dem Beruf anfing, hätte sich die gesamtgesellschaftliche Anerkennung des Amtes gewandelt. Dazu übten die zurückgehenden Mitliederzahlen Druck aus, auch wenn man persönlich keine Schuld trage.
„Der Anspruch, Kirche muss für alle da sein und entsprechend viele Angebote machen, wie eigene Gottesdienste für alle Gruppen und Altersklassen ist überfordernd.“
Sie selbst habe mühsam gelernt, sich trotz des Zeitdrucks Freiräume zu schaffen. Und beruft sich auf Martin Luther, der anscheinend gut um die Balance von Arbeit und Spiritualität wusste: „Heute habe ich viel zu tun, also muss ich viel beten!“

Theologieprofessor Jan Hermelink: "Pfarrer sind sieben Tage in der Woche und 24 Stunden im Dienst"

Jan Hermelink ist Professor für Praktische Theologie an der Universität Göttingen. Im Interview spricht er über die Belastungen, denen Pfarrer ausgesetzt sind. Außerdem erklärt er, wie Geistliche erkennen, ob sie gefährdet sind, einen Burnout zu erleiden.
Herr Hermelink, haben Fälle, in denen Seelsorger unter Burnout leiden, in den vergangenen Jahren zugenommen?
Das ist keine neue Erscheinung. Der Prozess begann vor ein bis zwei Generationen, als man das Wort noch nicht dafür benutzte. Es ist schwer, Zahlen zu nennen und das Thema statistisch zu erfassen. Ob jemand früh in Rente geht oder länger erkrankt, weil er oder sie an Burnout leidet, ist schwer zu sagen. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Es gibt unterschiedliche Aussagen dazu und keine validen Studien. Klar ist, die Geistlichen leiden unter einer großen Arbeitsbelastung, aber schon seit einer ganzen Weile.
Wie hoch ist die Arbeitsbelastung?
Pfarrer sind eigentlich sieben Tage in der Woche und 24 Stunden im Dienst. Es gibt Verabredungen, dass zum Beispiel der Montag ein freier Tag sein soll, aber das klappt nicht immer. Die Arbeit wird mühsamer, die Gemeinde größer und das Geld weniger. Aber das ist regional sehr unterschiedlich.
Warum kommt es in manchen Fällen zum Burnout?
Geistliche machen ihre Arbeit aus Berufung. Sie wollen so viel und brennen für die Sache. Wenn dann die Erfolge oder positiven Rückmeldungen ausbleiben, folgt die Erschöpfung der guten Energie. Da macht einer eine tolle Trauung und die Leute kommen trotzdem nicht wieder. Das frustriert. Eine hohe Arbeitsbelastung ohne positive Rückmeldung macht es in jedem Beruf schwer.
Woran können Geistliche erkennen, dass sie gefährdet sind?
Sie sollten sich fragen: Wo ist es gut, dass ich dafür brenne und wo will ich zu viel? Es geht auch um die Reduktion der eigenen Ansprüche. Das ist oft schwerer, als die Ansprüche von außen zu zügeln. Da spielen das Bild über die Aufgabe und die Tradition mit. Das ist ähnlich wie bei Ärzten oder auch Lehrern, die ihren Beruf mit einer hohen inneren Motivation ausüben.
Gibt es Auswege?
Unsere Aufgabe, also die der Ausbildung ist es, ein realistisches Berufsbild zu vermitteln und deutlich zu machen, wie wichtig ein kollegiales Netzwerk und der Austausch sind. Es ist wichtig, dass sie erfahren, keine Einzelkämpfer zu sein. Wechselseitige Ermutigung hilft in dieser Situation. Das Zölibat macht es für katholische Geistliche nicht einfacher, aber ob die Aufhebung und der Schritt Frauen in das Amt zu lassen, die Probleme lösen würden, ist fraglich.

Quelle: https://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis/bodenseekreis/Pfarrer-an-der-absoluten-Belastungsgrenze;art410936,9938814

Freitag, 26. Oktober 2018

Depression - Unterschiede zwischen Mann und Frau


Depression gilt noch immer als Frauenkrankheit. Dabei leiden genauso viele Männer an der psychischen Krankheit. Die Symptome sind bei Männern jedoch ganz anders als bei Frauen und auch die Suizidrate ist höher.

Depression bei Männern anders als bei Frauen

Männer und Frauen verhalten sich bei einer Depression vollkommen unterschiedlich, wie "Focus Online" berichtet. Während Frauen sich zurückziehen und selbst leiden, versuchen Männer ihre Gefühle zu verdrängen und lassen sie dann an anderen aus. Darunter müssen dann der Chef, die Frau, die Arbeit oder die Kinder leiden.
Das liegt daran, dass sich Männer oft nicht trauen, sich ihre Krankheit einzugestehen. Sie haben Angst, nicht mehr in die Gesellschaft hineinzupassen. Dieses Verdrängen setzt eine Abwärtsspirale in Gang, da dadurch immer neue Konflikte vorprogrammiert sind. Die vermeintlich typischen Anzeichen einer Depression wie Antriebslosigkeit und innere Leere treten nur bei Frauen auf, weshalb eine Depression beim Mann nur schwer diagnostizierbar ist.

Symptome der Männer-Depression

Genauso wie bei Frauen äußert sich die Krankheit bei Männern durch eine innere Anspannung. Diese Anspannung versuchen die betroffenen Männer durch eine gesteigerte Aktivität aufzulösen, wie "Focus Online" weiter schreibt. Sie haben das Gefühl, ständig etwas zu tun zu haben und entwickeln eine regelrechte Arbeitssucht. Selbst an freien Tagen gönnen sie sich keine Pause.
Durch die anhaltenden Konflikte kommen sich die Männer hilflos vor, was zu Wut und Aggression führt. Selbst ruhige Personen können durch die Depression zu unbeherrschten Menschen werden. Das kann in selbstzerstörerischem Verhalten münden. Viele der erkrankten Männer entwickeln eine extreme Risikobereitschaft und schaden sich selbst durch hohen Alkoholkonsum oder exzessives Rauchen.

Suizidgefahr höher als bei Frauen

Männer sind stärker selbstmordgefährdet als Frauen. Etwa zwei Drittel der Suizide in Deutschland werden von Männern begangen. Wie es bei dem Magazin weiter heißt, weisen die meisten von ihnen die Anzeichen einer Depression auf. Während Frauen oft versuchen sich umzubringen, um ihr Umfeld auf ihre Probleme aufmerksam zu machen, scheint der Suizid für die Männer als einziger Ausweg aus ihrer Krise.

Betroffene Männer müssen sich professionelle Hilfe suchen

Männern tun sich oft schwer damit bei einer Depression Hilfe zu suchen. Diese ist jedoch lebensnotwendig. Nach Angaben des "Focus" wirkt bei Männern vor allem eine individualisierte Behandlung, bei der sie selbst auf die Lösung kommen müssen. Welche Methode am Ende die richtige ist, muss zusammen mit einem Psychologen erarbeitet werden. Hauptsache ist, dass sich die betroffenen Männer überhaupt zu einer Therapie entscheiden.

Quelle: https://wize.life/themen/gesundheit/86634/depression-maenner-zeigen-andere-symptome-als-frauen---woran-man-es-erkennt

Donnerstag, 25. Oktober 2018

10 Alarmsignale für Burnout


Wie erkenne ich, dass ich in ein Burnout schlittere? Diese Frage ist relativ schwer zu beantworten, da sich das sogenannte „Ausgebranntsein“ von Person zu Person ganz unterschiedlich äußern kann. Wir haben uns das Burnout-Syndrom genauer angesehen und 10 Punkte zusammengefasst, die darauf hindeuten können, dass man sich körperlich und psychisch in einem gefährlichen Ungleichgewicht befindet.

Was bedeutet „Burnout“?

In den 1970er Jahren wurde die Erkrankung erstmals durch den Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger thematisiert, der bei sich selbst und Kollegen Symptome der körperlichen und seelischen Erschöpfung und Überforderung durch zu viel Stress beobachtete. Die amerikanische Psychologin und Burnout-Expertin Christina Maslach definiert das Ausgebranntsein mithilfe von 3 Hauptkriterien: 1. Emotionale Erschöpfung 2. Depersonalisierung (Entfremdung von Gewohntem) und 3. eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Besonders erwähnenswert ist bei der Definition des Syndroms auch, dass es keineswegs nur im Berufsalltag auftreten kann – so können laut Experten auch Eltern, Studenten und sogar Schüler durch zu viel Druck ausbrennen. Grundsätzlich alamierend sind hierbei Gedanken wie „Ich kann nicht mehr“, „Wie soll ich das alles schaffen?“ oder „Das macht alles keinen Sinn mehr“ – unabhängig davon, ob es sich dabei um den Job, die Familie oder die Ausbildung handelt.
Laut Statistik trifft die Erkrankung besonders häufig Menschen, die sich durch starken Ehrgeiz und den Drang, alles außerordentlich gut machen zu müssen, auszeichnen. Eine 2017 durchgeführte Studie der Allianz-Versicherung zum Thema „Wie gestresst ist Österreich?“ zeigt, dass sich 39% der befragten Arbeitnehmer durch beruflichen Stress im Alltag eingeschränkt fühlen und quasi jeder 4. Österreicher auf ein Burnout zusteuert.

10 häufige Burnout-Symptome

1. Chronische Überbelastung
Das Gefühl, pausenlos unter (Leistungs-)Druck zu stehen und – selbst in entspanntem Kontext, wie mit Freunden oder abends Daheim am Sofa – nicht mehr zu Ruhe kommen zu können ist eines der ersten Anzeichen für ein sich anbahnendes Ausbrennen.
2. Der Gedanke „Ich muss“
Das zwanghafte Gefühl, sich beweisen zu müssen, quasi gar keine andere Wahl zu haben und dabei die eigenen Grenzen zu ignorieren, ist ein weiteres ernstzunehmendes Warn-Signal.
3. Vergessen oder Ignorieren der eigenen Bedürfnisse.
Wenn man die eigenen Bedürfnisse dauerhaft hinten anstellt und sich keine Zeit dafür nimmt, Körper und Seele etwas Gutes zu tun, sich zu entspannen, kurz gesagt, sich auch mal um sich selbst zu kümmern, kann dies der Anfang eines ernstzunehmenden psychischen Ungleichgewichts sein.
4. Der Gedanke „Ohne mich geht nichts“
Das Gefühl, dass im Job oder in der Familie ohne dich alles in die Brüche gehen würde und das Wohlbefinden aller Beteiligten von deiner Performance abhängig sind, ist ein Indiz dafür, dass man beginnt, sich selbst maßlos zu überfordern.
5. Konzentrationsprobleme
Wenn man plötzlich nicht mehr die Leistung bringen kann, die man von sich selbst gewohnt ist, einem Dinge, die man früher mit Links geschafft hat unglaublich schwer fallen und die Konzentrations- und Kreativitäts-Fähigkeit nachlassen ist es höchste Zeit, einen Gang herunterzuschalten.
6. Verdrängung von Problemen
Es wird alles zu viel, man beginnt, Fehler zu machen, das private und berufliche Leben leiden eindeutig unter der ständigen Überforderung – man ignoriert und verdrängt jene Warn-Signale aber einfach und erwischt sich immer wieder dabei, sich mit „schlimmeren Fällen“ zu vergleichen und den Dauerstress einfach herunterzuspielen? Höchste Zeit, zu reflektieren und den Tatsachen ins Auge zu blicken.
7. Rückzug
Menschen und Dinge, die einem immer wichtig waren, verlieren plötzlich an Bedeutung – der Stress-Faktor wird zum Lebensmittelpunkt und nimmt den ganzen Raum ein. Hierbei neigen Betroffene auch oft zu Ablenkung und Betäubung durch Rauschmittel und übermäßigem Konsum im Allgemeinen, um die Leere, die durch das Wegfallen von Hobbys und echter sozialer Interaktion entsteht, auszugleichen.
8. Depression, Angst und Panikattacken
Vollkommene Überforderung, Hoffnungslosigkeit und das Gefühl, „dass jetzt einfach gar nichts mehr geht“ sind bereits eindeutige Hilferufe von Körper und Seele, so schnell wie möglich etwas an dem Ist-Zustand zu ändern.
9. Körperliche Symptome
Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Schlafstörungen, ständige Müdigkeit oder immer häufigeres Krankwerden können ebenfalls auf eine psychische Überbelastung hinweisen.
10. Sinnlosigkeit
Das Gefühl, dass alles keinen Sinn mehr macht, die Frage, wozu man sich so bemüht und das Empfinden einer inneren Leere weisen darauf hin, dass man mit seinen Lebensumständen heillos überfordert ist.

Diagnose und Vorbeugung

Eine tatsächliche Diagnose eines Burnouts kann nur ein Psychologe oder ein in diesem Bereich ausgebildeter Hausarzt stellen. Sollten die oben erwähnten und ähnliche Symptome auf ihren Zustand zutreffen, ist es ratsam, einen Experten aufzusuchen. Erste Warnzeichen rechtzeitig zu erkennen ist bei dieser, wie auch bei anderen psychischen Erkrankungen das A und O. Um dies zu bewerkstelligen, ist es wichtig, aufmerksam durchs Leben zu gehen, auf sich selbst und seine Bedürfnisse zu achten, sich genügend Auszeiten zu gönnen und die Signale seines Körpers ernstzunehmen.
 

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Immer mehr Schüler werden depressiv


Unser Bildungssystem krankt: Mehr und mehr wird jüngeren Schülern der Druck in Schule und Gesellschaft zu viel. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt eine Stress-Auswertung der KKH Kaufmännischen Krankenkasse*.
Symptome wie Kopfschmerzen, Magendrücken und Darmstörungen kündigen Erschöpfungszustände wie Burn-out und Depressionen an: Rund 26 500 KKH-Versicherte im Alter von sechs bis 18 Jahren sind bundesweit betroffen. Hochgerechnet auf ganz Deutschland wären das 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche.

Leistungsdruck ist schuld

Leistungsdruck durch Schule, Eltern und eine dauerbeschleunigte Gesellschaft, digitale Reizüberflutung, Mobbing, soziale Netzwerke, Versagensängste: Viele Kinder kommen mit ihrem Leben nicht mehr klar, weil sie überfordert und verzweifelt sind.
▶︎ 2017 litten 8300 Sechs- bis 18-Jährige unter Anpassungsstörungen, also unter depressiven Reaktionen aufgrund körperlicher und seelischer Belastungen wie sie bei hohem Leistungsdruck und Mobbing entstehen. Die Symptome reichen vom Gedankenkarussell bis hin zu Frustration, Reizbarkeit und Mutlosigkeit.

▶︎ Den größten Anstieg mit 90 Prozent im Vergleich zu 2007 gab es bei den 13- bis 18-Jährigen. Der Stress nimmt also mit den Schuljahren und den Anforderungen zu.
▶︎ Von Angststörungen wie Panikattacken waren 3400 Schüler betroffen. Auch hier gab es bei den Älteren den größten Anstieg mit 76 Prozent.
▶︎ In der Altersgruppe der 13- bis 18-jährigen Schüler verzeichnete die KKH bei Depressionen von 2007 auf 2017 den größten Anstieg überhaupt – um fast 120 Prozent.

Quelle: https://www.bild.de/ratgeber/2018/ratgeber/leistungsdruck-burn-out-immer-mehr-schueler-depressiv-58009260.bild.html

Montag, 22. Oktober 2018

Deutschland - Land der Depressiven


Einer EU-Statistik zufolge erkrankt hierzulande jeder Zehnte an einer Depression. Auch die Fehlzeiten in Unternehmen mit dieser Ursache sind drastisch gestiegen. Doch die Interpretation der Gründe ist nicht einfach.

Auf den ersten Blick malen die Zahlen, die Eurostat, die Statistikbehörde der EU, in dieser Woche veröffentlicht hat, ein düsteres Bild von Deutschland. Sie besagen, dass etwa einer von zehn Deutschen in jüngster Zeit unter einer chronischen Depression gelitten hat. Die Quote ist demnach doppelt so hoch wie in Italien oder Tschechien, und fast viermal so hoch wie in Rumänien.
Wie, fragt man sich, kann das sein?
Die Unterschiede seien kulturell bedingt, sagen die EU-Statistiker. Nordeuropäer hielten meist ihren Gesundheitszustand für schlechter als Südeuropäer. Zudem seien sie vielleicht besser aufgeklärt, was bedeute, dass die Zahl unerkannter Erkrankungen nicht so groß sei.
Die Zahlen malen ein krasses Zerrbild, sagen dagegen die Experten in Deutschland. Wie sie es sehen, erzählen die Eurostat-Zahlen die Geschichte einiger hart errungener Erfolge im Kampf gegen eine Krankheit, die für die Betroffenen ein persönliches Drama ist und für die Gesellschaft wie auch für Unternehmen längst zu einem großen Problem geworden ist.

Depressionen führen oft zu Arbeitslosigkeit

Anders als die Eurostatzahlen gehen gut gesicherte Erhebungen für Deutschland davon aus, dass hierzulande sogar jede vierte Frau und jeder achte Mann im Laufe des Lebens einmal an einer Depression erkrankt. Das bedeutet für sie eine um zehn Jahre verkürzte Lebenserwartung. Psychische Erkrankungen sind, nach Erkältungen, der häufigste Grund, warum Arbeitnehmer krankgeschrieben werden. In den vergangenen 18 Jahren hat sich die Zahl der Fehltage mit dieser Ursache fast verdoppelt.

Psychische Erkrankungen sind auch der Grund für fast jede zweite Frühverrentung in Deutschland. Depressionen führen dazu, dass Menschen arbeitslos werden und es oft lange bleiben. Das alles sind keine guten Nachrichten in einem Land, das seit Langem klagt, dass ihm in nahezu allen Wirtschaftszweigen dringend benötigte Fachkräfte fehlen.

Aber, so sagen es die Experten, in Deutschland können die Betroffenen inzwischen gute Hilfe bekommen, bessere als anderswo. Fälle wie der Suizid des früheren Fußballnationaltorwarts Robert Enke haben dazu geführt, dass Depression als das anerkannt wird, was sie ist: eine schwere Krankheit, die jeden treffen kann. Es gibt mehr Therapeuten als in anderen Ländern, und die gesetzliche Krankenversicherung finanziert die Behandlung. Es gibt Lohnfortzahlung und Krankengeldanspruch.

Stress ist selten der Auslöser für eine Depression

Auch Unternehmen verstehen allmählich, um was es geht. Aus den Daten der Krankenkassen geht jedenfalls hervor, dass sich im Gesundheitsmanagement der deutschen Wirtschaft einiges tut. Viele Firmen hätten erkannt, dass zur Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter mehr gehört als rückengerechte Stühle.
All das bedeutet, dass es in Deutschland sehr wahrscheinlich weniger unentdeckte Erkrankungen gibt, weniger Stigmata und mehr Therapieangebote als in vielen anderen Ländern in Europa. Das sei die Wahrheit hinter den Zahlen der EU-Statistiker. So sagen es Ärzte, Therapeuten, Wissenschaftler, die Krankenkassen. Ulrich Hegerl, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, etwa verweist auf Studien, die zeigten, „dass die Vorstellung, es würden heute mehr Menschen an Depressionen erkranken als früher – zum Beispiel wegen größerem Stress im Beruf, nicht stimmt“.
 
Früher sei die Krankheit nicht erkannt worden, also hätten die Menschen keine Hilfe bekommen. Dazu passt, dass die Zahl der Suizide, die auf Depressionen zurückzuführen ist, in den vergangenen Jahren offenbar abgenommen hat.

Die Grenzen zwischen Traurigkeit und Depression sind fließend

Dennoch gibt es einige hartnäckige Klischees. Zum Beispiel den Glauben, Arbeitslosigkeit sei der Grund für die Depression. Tatsächlich, so sagen Experten, sei es aber genau umgekehrt.

Zudem gibt es einige Unschärfen, die praktisch alle Statistiken durchziehen. Das gilt für die Eurostat-Daten wie für fast alle Erhebungen, die versuchen, die Verbreitung der Krankheit Depression zu vermessen. Die Grenzen zwischen lang anhaltender Traurigkeit, Burn-out und einer Depression sind mitunter fließend. Wer welche Diagnose bekommt, kann zum Beispiel davon abhängen, zu welchem Arzt oder Therapeuten er geht.
Die Techniker Krankenkasse beispielsweise sagt, dass jedes Jahr etwa einem von drei ihrer Versicherten eine psychische Störung diagnostiziert wird. Nicht alle müssten behandelt werden, nicht jeder ist arbeitsunfähig. Mal geht es um Menschen, die depressive Verstimmungen haben, die trauern, weil ihr Partner oder ein Angehöriger gestorben ist. Mal geht es aber auch um schwere Depressionen.

Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/article182415686/Depression-Darum-erkranken-so-viele-Deutsche-daran.html

Samstag, 20. Oktober 2018

Bore-out oder Burnout


Bore-out ist die Unterforderung und Burnout ist die Überforderung am Arbeitsplatz. Beides führt zu sehr ähnlichen Symptomen ist gesundheitsgefährdend. Da sind wir wieder beim Thema des Bloges Begeisterung für das was man macht, dies ist die Lösung.

Bore-out als Folge chronischer Langeweile im Beruf wird noch als Luxusproblem belächelt. Warum krankhafte Unterforderung ein echtes Problem der Arbeitswelt ist und wir sie nicht länger dulden dürfen.

Langeweile im Job – wo gibt’s denn so was, denken Sie vielleicht in diesem Moment. Weil Sie zu den chronisch überlasteten Menschen gehören, für die Nichtstun schier unvorstellbar ist. Dass es andere gibt, die täglich in ihrem Büro von gähnender Langeweile gequält sind, können Sie sich schwer vorstellen. Und falls doch, blicken Sie müde lächelnd auf sie herab und wünschten sich, deren Probleme zu haben.
Oder Sie haben auf diesen Artikel geklickt, weil auch Sie einer der vielen dauerhaft in ihrem Job Gelangweilten sind, diese Zeilen gerade heimlich an Ihrem Arbeitsplatz lesen und erleichtert sind zu erfahren, dass Ihr Problem alles andere als eine Randerscheinung ist. 31 Prozent der in der aktuellen Studie „Randstadt Employer Brand Research“ Befragten geben an, ihren Job aufgrund von Unterforderung wechseln zu wollen.
Auf meinem Karriereblog habe ich 2015 den Beitrag „Langeweile im Job: Was tun, wenn es nichts zu tun gibt?“ veröffentlicht. Monatlich hat der Text rund 5000 Leser – alle über Suchmaschinen. In den vielen Kommentaren berichten Betroffene, in welche gefühlt ausweglose Sackgasse sie sich manövriert haben und wie stark sie dieser Zustand belastet.

Langeweile im Job hat viele Ursachen

Es geht nicht um den einen Tag hin und wieder, an dem Sie zum Zeittotschlagen mit den Kollegen ausgedehnt plaudern, den Stapel Fachzeitschriften sichten und am Ende froh sind, nach zähen Stunden des Abhängens endlich Feierabend machen zu dürfen.

Es geht um dauerhafte Langeweile. Jeden Morgen sicher zu wissen, dass alle Aufgaben dieses Tages innerhalb von einer Stunde erledigt sein werden. Oder zu wissen, die nächsten acht Stunden und jeden neuen Tag mit eintönigen Routinetätigkeiten intellektuell unterfordert zu sein. Oder über Monate unbeschäftigt sehnsüchtig auf das zweimal im Jahr einsetzende Saisongeschäft zu warten.
Die Ursachen für Langeweile im Beruf sind vielfältig. Mit mangelnder Motivation, geringer Qualifikation oder Faulenzertum hat es selten zu tun. Ganz im Gegenteil, meist sind es Arbeitnehmer mit ursprünglich hoher intrinsischer Motivation, die einmal Dinge bewegen und Erfolge sehen wollten, jedoch in den hierfür falschen Positionen oder veränderungsstarren Organisationen stecken, die ihnen dies alles nicht erlauben.

Sicherheit und hohes Gehalt lassen Angestellte aushalten

Die meisten „Opfer“ von Langeweile im Job verdienen gut und befinden sich in einem Umfeld, das ihnen ein hohes Maß an Sicherheit bietet. Im öffentlichen Dienst, in Non-Profit-Organisationen, in Konzernen mit starkem Kündigungsschutz nach langjähriger Betriebszugehörigkeit oder im kuscheligen Familienbetrieb.
Das gut bezahlte Nichtstun in Sicherheit gegen spannend Neues in Unsicherheit einzutauschen ist die gefährlich hohe Hürde, die Betroffene über Jahre aushalten lässt und krank machen kann.
Denn gefangen im Nichts wird es zur größten Sorge aufzufallen. Wer auf die Idee kommt, den Chef nach mehr Arbeit zu fragen, der hat bereits lange Langeweile ausgehalten. Zu machtvoll ist die Angst geworden, den Job los zu sein und vor dem echten Nichts zu stehen.

Bore-out ist belastender als Burn-out

Sie entwickeln stattdessen Vermeidungsstrategien, strecken Arbeit künstlich über Stunden oder platzieren ihren Bildschirm so, dass niemand ihr privates Surfen bemerkt. Ein schleichender Prozess, der immer stärker zum Verlust von Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit führt.
Sie verlieren das Gefühl für ihre Stärken, fühlen sich unnütz und überflüssig. „Ich kann an meiner Situation nichts verändern!“, wird bereits nach kurzer Zeit chronischer Unterforderung zur selbst konstruierten Wahrheit.
 
Hinzu kommt, dass sie im Gegensatz zum durch Überforderung gestressten Jammerer von ihrem sozialen Umfeld nicht ernst genommen werden. Sie sprechen von einem „Luxusproblem“ und fragen mich, ob sie es sich überhaupt erlauben dürfen, unzufrieden zu sein. Schließlich sei ein Burn-out doch viel schlimmer.
Ein Irrtum, der in unserer Leistungsgesellschaft verankert ist. Es wird höchste Zeit, die identischen körperlichen Symptome von Burn-out und Bore-out mit mindestens gleichem Maß als Gesundheitsgefährdung am Arbeitsplatz wahr und ernst zu nehmen.

Wir dürfen chronische Langeweile im Beruf nicht dulden

Wir können es uns nicht leisten, Stellen ohne Arbeit existieren zu lassen, nur weil sie geplant sind und auf den Status altgedienter Chefs einzahlen, die ihre Macht über Führungsspannen definieren. Dort, wo menschliche Arbeit durch Automatisierung oder Verlagerung entfällt, jedoch human auf Entlassungen verzichtet wird, wäre die Kündigung und Unterstützung im Neuorientierungsprozess für viele Arbeitnehmer die gesündere Lösung, anstatt sie auf ein stillgelegtes Abstellgleis und in die krank machende Langeweile zu befördern.
Wer in seinem Beruf unter Langeweile leidet, der darf als Chef des eigenen Lebens aktiv werden und seine Vorgesetzten in die Verantwortung nehmen. Aushalten ist auf Dauer keine gesunde Lösung. Wer zusehend für Nichtstun oder Unterforderung gut bezahlt wird, der sollte sich bewusst entscheiden, es wirklich als Luxus zu genießen oder aber den Job zu wechseln.

Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article182341254/Bore-out-Mit-Langeweile-im-Job-ist-nicht-zu-spassen.html
 

Freitag, 19. Oktober 2018

Nova Meierhenrich: Depressionen dürfen uns nicht peinlich sein


Moderatorin Nova Meierhenrich spricht erstmals offen über Depressionen. Ihr Vater nahm sich das Leben – danach erkrankte auch ihre Seele.
Nova Meierhenrich (44) kennen die Zuschauer als sportlich-dynamische, immer fröhlich lächelnde Moderatorin und Schauspielerin. Ob aktuell als Society-Reporterin der VOX-Sendung "Prominent!" oder in einer ihrer zahlreichen Kino- und Fernsehrollen (z. B. "Einstein" auf Sat.1), die quirlige Blondine verbreitet immer gute Stimmung – und das schon seit ihren Anfangszeiten auf "Viva" und "Bravo TV". Doch jetzt hat sie über ein Thema ein Buch geschrieben, von dem nicht einmal ihre Freunde wussten: über ihre eigene Depression und die ihres ihres Vaters.
In "Wenn Liebe nicht reicht: Wie die Depression mir den Vater stahl" schildert Meierhenrich wie sich ihr Vater, der über 15 Jahre an Depressionen litt, April 2011 in Dänemark das Leben nahm. Und wie sie schon vor dem Suizid ihres Vaters in die Depression gerutscht ist. BILD der FRAU traf die Wahl-Hamburgerin zum Interview...

So begann die Depression bei Vater Meierhenrich

BILD der FRAU: Wie begann es bei Ihrem Vater?
Nova Meierhenrich: Ich war etwa 18, als unsere Firma in Konkurs ging und wir im Zuge dessen auch unser Haus verloren. In den Jahren danach veränderte mein Vater sich sehr, zog sich immer mehr zurück. Er wurde antriebsloser, lethargischer, schweigsamer. Wir dachten lange, das läge an den Umständen. Es hat Jahre gedauert, bis wir erkannten, dass er in eine Depression geraten war.
 
Wie wurde er behandelt?
Im Laufe der fast 18 Jahre Krankheit hat er vieles probiert. Medikamente, verschiedene Therapien: ambulant, stationär, Tagesklinik. Doch leider half alles nichts, er sah kein Licht mehr und entschied sich nach langem Leiden, von uns zu gehen.
Was hat seine Krankheit mit Ihnen gemacht?
Sie versetzt alle nahe stehenden Personen in einen Strudel aus Hilflosigkeit und Verzweiflung. Man kämpft gegen Windmühlen. Ich selbst war irgendwann in ständiger Alarmbereitschaft, habe mein Leben unbewusst danach ausgerichtet, wie es ihm ging. Typisch für eine Co- Depression, die mich dann auch eiskalt erwischte.
 

So gestaltete sich die Co-Depression bei Nova Meierhenrich

Woran haben Sie das erkannt?
Es ging mit Panikattacken los. Erst selten, dann immer häufiger und stärker. Über die Zeit wurden diese abgelöst von totaler Lethargie. Während ich im Beruf wie eine Eins weiter funktionierte, saß ich privat tagelang zu Hause, starrte die Wand an, log meine Freunde an, ich hätte keine Zeit für Treffen. Zum Glück hat das eine Freundin erkannt und mich zu einem Arzttermin überredet. Eine Gesprächstherapie hat mir geholfen. Heute erkenne ich Frühwarnzeichen und ich habe sehr gute Freunde als meinen Sicherheitsgurt eingebaut. Die haken nach, wenn ich mich zu lange zurückziehe.
Was wünschen Sie sich für den Umgang mit Depressionen?
Dass wir genauer hinschauen, auch wenn jemand vermeintlich fröhlich wirkt. Dass wir Hilfe anbieten. Wir brauchen unbedingt kürzere Wartezeiten für Therapieplätze, müssen über das Thema reden. Depressionen dürfen kein Tabu sein.
Lesetipp: "Wenn Liebe nicht reicht: Wie die Depression mir den Vater stahl", Nova Meierhenrich, Edel Books, 17,95 €.