Montag, 7. Januar 2019

Ex-Handballprofi Henning Fritz über Burn-out


"Die vielen Spiele haben mich sehr bedrückt"
Als Handballprofi litt Henning Fritz an Burn-out. In einem Interview hat der Weltmeister nun darüber gesprochen, was sich in seinem Sport ändern muss, um die Krankheit zu bekämpfen.
 
Der frühere Nationaltorhüter Henning Fritz fordert einen besseren Umgang mit mentalen Problemen von Handball-Profis. "Ich würde mir wünschen, dass es in den Vereinen mindestens eine Vertrauensperson gäbe. Vor allem für die Prävention", sagte der Weltmeister von 2007 im Interview mit "T-online.de".
 
Der heute 44-Jährige litt laut eigener Aussage vor der Heim-WM 2007 an Burn-out. Lediglich seine Frau habe damals davon gewusst. "Die vielen Spiele, aber vor allem die vielen Reisen, haben mich sehr bedrückt. Du machst ja nichts anderes, außer im Bus, im Zug oder im Flieger zu sitzen", sagte Fritz.
Auch aus diesem Grund hält er eine Veränderung des Spielmodus der Bundesliga für sinnvoll. Konkret schlägt er beispielsweise eine längere Vorbereitungszeit vor. "Da würde ich mir wünschen, wenn die Trainer mit ihren Teams acht Wochen bekämen. Dadurch könnten wir unsere Sportart effektiv weiterentwickeln und das Niveau verbessern", sagte er.

Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/leute/henning-fritz-ueber-burnout-die-vielen-spiele-haben-mich-sehr-bedrueckt-a-1246632.html

Freitag, 28. Dezember 2018

"Großstädte können krank machen"


Nie litten mehr Menschen in Deutschland unter psychischen Erkrankungen. Schuld sind moderne Stressoren wie das Pendeln, sagt der Stressforscher Mazda Adli

Herr Adli, in Deutschland steigt die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen seit Jahren. Krankt die Republik oder werden Stress, Burnout und Depression offener thematisiert?
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Menschen sprechen mehr über psychische Probleme und Stress. Das ist ein wesentlicher Grund, warum es einen Anstieg von Krankheitszahlen gibt, die auf psychische Erkrankungen zurückzuführen sind. Haus- und Allgemeinärzte erkennen heute aber auch deutlich besser Depressionen.
 
Psychische Erkrankungen sind heute also genau so häufig wie früher?
Depression ist schon immer eine Volkskrankheit gewesen. Jede vierte Frau und jeder achte Mann trifft es mindestens einmal im Leben.
 
Ein deutsches Phänomen?
Nein, Depressionen sind kein Phänomen der westlichen Welt. Die Weltgesundheitsorganisation stellt fest, dass es seit 2005 weltweit eine Zunahme von 18 Prozent gibt. Schon heute macht sie im globalen Norden die größte Krankheitslast in der Bevölkerung aus. Weltweit gesehen erwartet die WHO diese Entwicklung bis 2030.
Sie behandeln diese Menschen jeden Tag. Wer kommt da in Ihre Klinik ?
Meine Patienten kommen aus allen Altersstufen, allen Berufsgruppen, allen sozialen Gruppen. Es kann jeden treffen. Allerdings erkranken Frauen häufiger an Depressionen als Männer und auch ältere Menschen sind gefährdeter. Aber ich sehe auch viele Menschen, die in jungem Alter erkranken.
 
Sehen Sie die Politik in der Pflicht?
Wir sprechen über eine echte Volkskrankheit, deswegen ist das eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Depression ist eine Stressfolgeerkrankung, die entsteht wenn unsere angeborenen Stresspuffer überlastet sind. Wir leben heutzutage in einer Umwelt voller Stressoren. Unsere Biologie und das genetische Skript, das unsere Stressreaktionen reguliert, stammen allerdings aus der Jäger- und Sammlerzeit. Wir brauchen deshalb eine wirksame Präventionsstrategie, die in Schulen anfängt und in betrieblicher Gesundheitsvorsorge ihre Fortsetzung findet. Ich finde, der Umgang mit Alltagsstress in unserer modernen Lebensumwelt gehört in die Schulen und muss dort genauso vermittelt werden, wie gesunde Ernährung oder der Sinn von Zähneputzen. Erst dann wird psychisches Leiden als Thema besprechbar und aus der Schmuddelecke gezogen. Gerade Depressionen sind noch immer ein Tabu-Thema. Dabei leiden nahezu 5 Millionen Menschen in Deutschland unter einer behandlungsbedürftigen Depression.
Wann sollte man sich Hilfe holen?
Wenn man über längere Zeit niedergeschlagen oder unruhig ist, nicht mehr abschalten und sich schlecht konzentrieren kann. Ein weiteres Frühwarnzeichen ist, wenn man schlechter schläft. Bei vielen Menschen machen sich Depressionen auch durch körperliche Beschwerden wie Kopfdruck, Rückenschmerzen oder einem Druckgefühl auf der Brust bemerkbar.
Warum sind manche Menschen stressresistenter als andere?
Wie stressanfällig wir sind, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Es gibt Unterschiede in unseren Genen oder in der Funktion unseres Stresshormonsystems, in unserer Persönlichkeit. Aber auch unter welchen Umständen wir aufgewachsen sind, hat Einflüsse.  Und ob wir in einer Stadt leben.
Dazu forschen Sie schon lange. Machen Metropolen wie Berlin krank?
Ja, unter bestimmten Umständen können Großstädte krank machen. Vor allem der soziale Stress geht uns an die Gesundheit. Der entsteht aus der Gleichzeitigkeit von sozialer Dichte und sozialer Isolation. Wenn diese beiden sozialen Stressoren auf einen Menschen treffen und man das Gefühl hat, daran nichts ändern zu können, kann es zum Gesundheitsproblem werden. Auf der anderen Seite hat Großstadtleben aber auch gesundheitliche Vorteile. Wenn man in Berlin nach einem freien Psychotherapieplatz sucht, ist das deutlich einfacher als in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern.
 
Gibt es auch gesunde Großstädte?
Es gibt Faktoren, die Städte gesünder machen: Öffentlicher Raum, der von den Menschen genutzt wird oder eine Straße oder Nachbarschaft, die dazu stimuliert vor die Haustür zu treten wirken sozialer Isolation und Einsamkeit als entscheidende Krankmacher in der Stadt entgegen. Auch Grün- und Wasserflächen helfen. Da hat Berlin einfach verdammtes Glück gehabt.
Welche Rolle spielt das Pendeln?
Mit der Zahl der am Tag zurückgelegten Pendelkilometer wächst auch die Zahl der Krankschreibungstage. Das steht in einem direkten linearen Zusammenhang. Auch das soziale Netzwerk schrumpft durch die Pendelei, weil man schlichtweg weniger Zeit für den Freundeskreis hat. Untersuchungen aus den USA zeigen, dass pro zehn Minuten Arbeitsweg der Freundeskreis um zehn Prozent kleiner wird. Das ist deshalb ein Problem, weil unser soziales Netz uns gegen soziale Isolation schützt und einen wichtigen Stresspuffer darstellt.
Macht es einen Unterschied, ob man Auto oder Bahn nimmt?
Autofahrer sind besonders gestresst. In der Rush Hour führt das zu enormen Stressspitzen, die vergleichbar sind mit denen von Kampfjetpiloten im Einsatz. Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist es für die Gesundheit besser, am glücklichsten sind aber diejenigen, die jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder sogar zu Fuß gehen. 
 

Schlechte Ernährung erhöht das Risiko für Depressionen


Viel Cholesterin, gesättigte Fette und Kohlenhydrate: Daraus besteht eine Ernährung, die Entzündungen begünstigt. Forscher der Universität in Manchester haben nun herausgefunden, dass Fast Food, Kekse und verarbeitetes Fleisch auch die Gefahr erhöhen, an einer Depression zu erkranken.

Wer viele Nahrungsmittel isst, die Entzündungen begünstigen, hat ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken – unabhängig von Alter und Geschlecht. Dies hat eine Auswertung von elf Studien ergeben, die Zusammenhänge zwischen Depressionen und einer entzündungsfördernden Ernährung untersucht haben.
Dr. Steven Bradburn vom Bioscience Research Center der School of Healthcare Science in Manchester Metropolitan sagt: "Diese Ergebnisse haben ein enormes klinisches Potenzial für die Behandlung von Depressionen und möglicherweise auch für andere Krankheiten wie Alzheimer, die eine entzündliche Komponente haben. Die Ernährung umzustellen, könnte eine günstige Alternative oder Ergänzung zu medikamentösen Behandlungen sein", so Bradburn.
Eine anti-entzündliche Diät enthält viele Ballaststoffe, Vitamine (besonders A, C und D) und ungesättigte Fette. So könnte im Umkehrschluss eine mediterrane Diät mit Olivenöl, Tomaten, grünem Gemüse und fettem Fisch helfen, depressive Symptome zu lindern.
In die Analyse der elf Studien flossen Daten zur Ernährung und depressiven Symptomen von über 100.000 Studienteilnehmern im Alter von 16 bis 72 Jahren ein. Die Studien kamen aus den USA, Australien, Europa und dem mittleren Osten.

Quelle: https://www.aponet.de/aktuelles/ihr-apotheker-informiert/20181227-schlechte-ernaehrung-erhoeht-risiko-fuer-depression.html

Samstag, 22. Dezember 2018

Depression und Angst so ungesund wie Rauchen und Übergewicht?


Einer neuen Studie zufolge erhöhten psychische Probleme das Risiko für Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Arthritis ähnlich stark wie Fettleibigkeit und Rauchen

Beim Gesundheitscheck kommen ungesunde Verhaltensweisen wie Rauchen oder ein zu hohes Körpergewicht in der Regel zur Sprache. Eine Frage, die genauso wichtig sein könnte, ist: "Sind Sie depressiv oder leiden Sie unter Angstgefühlen?"
Wissenschaftler der Abteilung für Psychiatrie vom San Francisco VA Medical Center stellten fest, dass eine starke Depression und Angst das Risiko für ein Herzleiden um 65 Prozent erhöhen, für Schlaganfall sind es 64 Prozent, bei Bluthochdruck 50 Prozent und Arthritis sogar 87 Prozent. "Diese erhöhten Risiken ähneln denen der Teilnehmer, die rauchen oder fettleibig sind", sagte Studienleiter Dr. Aoife O'Donovan. "Bei Arthritis scheinen starke Angstzustände und Depressionen sogar noch höhere Risiken als Rauchen und Fettleibigkeit zu verursachen." Auch Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Kurzatmigkeit und Rückenschmerzen waren mit Stress, Depression und Angst assoziiert. Zu Krebserkrankungen wurden hingegen keine Zusammenhänge mit Symptomen für Depression oder Angst gefunden.
Für die Studie wurden Daten aus vier Jahren von 15.418 Rentnern ausgewertet. 16 Prozent der Menschen waren depressiv oder ängstlich, 31 Prozent fettleibig und 14 Prozent Raucher.

Quelle: https://www.aponet.de/aktuelles/forschung/20181220-depression-so-ungesund-wie-rauchen.html

Studie: Der Mangel an einem gewöhnlichen Nährstoff könnte das Risiko auf Depressionen erhöhen


Depressionen können unterschiedliche Ursachen haben und beruhen oft auf einer Zusammensetzung verschiedener Faktoren. Zunehmende Einsamkeit, Unterforderung im Job oder eine unglückliche Partnerschaft sind mögliche Gründe — Forscher fanden nun aber heraus, dass ein Mangel an Nährstoffen ebenfalls eine große Rolle bei der Entwicklung von Depressionen spielt.

Wie eine im Fachblatt „Journal of Post-Acute and Long-Term Care Medicine“ veröffentlichte Studie aufzeigt, steigt das Risiko an Depressionen zu erkranken bei älteren Menschen um 75 Prozent, wenn ein Mangel an Vitamin D vorliegt. Doch nicht nur das — daraus hervorgehend werden ältere Menschen, die an Depressionen erkranken, im Durchschnitt früher in Altenheimen untergebracht und sterben früher.

Teilnehmer wurden über einen Zeitraum von vier Jahren untersucht 

3.965 Menschen im Alter von 50 Jahren und darüber wurden anlässlich der Irish Longitudinal Study on Ageing (TILDA) des Trinity College Dublin untersucht — nach zwei und vier Jahren fanden dabei erneut Untersuchungen statt. Am Ende des Zeitraums hatten 400 der Teilnehmer eine Depression entwickelt. Wie die Forscher schreiben, wurden bei der Studie ebenfalls Faktoren wie depressive Symptome, chronische Krankheiten, physische Aktivität und kardiovaskulare Erkrankungen berücksichtigt.
„Das ist die umfangreichste und größte repräsentative Studie des Depressionsrisikos in Verbindung mit einem Mangel an Vitamin D bei älteren Menschen, die je in Irland durchgeführt wurde“, so einer der Teilnehmenden Forscher Robert Briggs vom Trinity College. „Unsere Ergebnisse liefern wichtige Informationen für die Gesundheitspolitik und zeigen, wie wichtig Nahrungsergänzungsmittel und Behandlungen sind, um einem Mangel an Vitamin D vorzubeugen und ihn zu beheben.“

Mangel an Vitamin D kommt besonders im Winter vor

Zwar wurde ein Mangel an Vitamin D schon zuvor mit Depressionen in Verbindung gesetzt, allerdings lieferte die jetzige Studie eindeutige Beweise, wie die Forscher schreiben. Bekannt ist schon seit langer Zeit, dass Vitamin D wichtig für den Erhalt gesunder Knochen, Muskeln und Zähne ist. Dass es auch eng mit der Gesundheit der Psyche verbunden ist, ist noch relativ neu.
Vitamin D3 ist fast immer mit einem Mangel an Sonnenlicht verbunden. Über einen längeren Zeitraum muss Sonne direkt auf die Haut strahlen, außerdem muss eine ausreichende UVB-Strahlung vorhanden sein, damit die Haut das Vitamin aufnehmen kann. Diese Umstände sind in weiten Teilen der Welt im Winter nicht gegeben. Die Wissenschaftler empfehlen daher, ausreichend Zeit im Freien zu verbringen und sich gesund und ausgewogen zu ernähren — und gegebenenfalls Vitamin D in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich zu nehmen.

Quelle: https://www.businessinsider.de/der-mangel-an-einem-gewoehnlichen-naehrstoff-koennte-das-risiko-auf-depressionen-erhoehen-2018-12

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Kino beugt Depressionen vor


Kulturelle Aktivitäten wie Theater- und Kinobesuche schützen vor Depressionen im Alter, zeigt eine aktuelle Studie britischer Forscher.

„Im Allgemeinen kennen die Leute die Vorteile, die eine gesunde Ernährung und Sport für ihre körperliche und geistige Gesundheit haben“, sagt Dr. Daisy Fancourt vom University College London. „Aber es gibt sehr wenig Bewusstsein dafür, dass kulturelle Aktivitäten ähnliche Wirkungen haben.“

Fancourt und ihre Team beschäftigten sich in ihrer aktuellen Studie mit dem Thema Depressionen im Alter. Ältere Menschen sind nicht häufiger depressiv als junge – allerdings kommen sogenannte subklinische Depressionen, also leichte Ausprägungen der Erkrankung, im Alter bis zu dreimal so häufig vor wie bei jungen Menschen.
Die Londoner Forscher werteten Daten von 2.148 Personen über 50 Jahren aus. Die Informationen stammten aus der Datenbank der sogenannten English Longitudinal Study of Ageing (ELSA). Diese Langzeitstudie untersucht Gesundheit, soziales und psychisches Wohlbefinden der älteren Bevölkerung über eine Periode von einem Jahrzehnt.

48 Prozent weniger Depressionsrisiko

Die Analyse der Daten ergab: Menschen, die mindestens einmal monatlich Ausstellungen, Kinos, Opern, Museen, Kunstgalerien oder Theater besuchten, hatten ein um 48 Prozent geringeres Risiko, eine Depression zu entwickeln als Personen, die solchen Aktivitäten nicht nachgingen. Bei der Analyse rechneten die Forscher Risikofaktoren für Depressionen wie gesundheitliche Probleme und Bewegungsmangel heraus.
„Wir waren sehr freudig überrascht von diesen Ergebnissen“, so Fancourt. Ihre Erklärung für den Zusammenhang zwischen kulturellen Aktivitäten und verringertem Depressionsrisiko: Solche Unternehmungen stimulieren den Geist und verbessern die soziale Interaktion – zudem fördern sie Kreativität. „Bemerkenswert ist, dass wir diese Beziehung zwischen kultureller Teilhabe und Depressionen bei Menschen mit hohem Wohlstand genauso wie bei Menschen mit niedrigem Einkommen und durch alle Bildungsschichten beobachten. Das einzige, was sich unterscheidet, ist die Häufigkeit solcher Aktivitäten.“

Quelle: https://www.praxisvita.de/kino-gegen-depressionen-16820.html

Muße-Training für gestresste Ärzte


Kliniken sind zu einem Ort von Stress und Hektik geworden. Die höchste Burnout-Rate unter Medizinern gibt es unter jungen Assistenz-Ärzten. Die Uni Freiburg forscht zu Muße in der Klinik und bietet Achtsamkeitskurse für Ärzte.

Der Klinikalltag ist geprägt von permanentem Zeitdruck: Die Ärzte eilen von Notfall zu Notfall, dazu kommen Nachtschichten und Bereitschaftsdienste. Ausgerechnet junge Mediziner, die eigentlich viel Energie und Idealismus mitbringen und noch ein langes Berufsleben vor sich haben, sind dadurch am meisten gefährdet. Die äußere Hektik verstärkt sich bei ihnen häufig durch die Angst, Fehler zu machen. Und das erzeugt noch mehr Stress. Ein Teufelskreis, der sich auf die Patienten überträgt.

Muße als Disziplin am Uniklinikum Freiburg

Wie Studien zeigen, mindern Druck und Hektik Empathie und Hilfsbereitschaft. Doch die äußeren Bedingungen lassen sich nicht so einfach ändern. "Die Ruhe im Innern finden", lautet deshalb das Credo von Achtsamkeitsforschern an der Universität Freiburg. In ihrem Sonderforschungsbereich Muße läuft eine Achtsamkeitsstudie mit Nachwuchs-Medizinern, die lernen sollen, mit ihrer berufsspezifischen Belastung umzugehen und Stress-Resilienz aufzubauen. Die Erkenntnisse daraus lassen sich auch auf andere Berufe und Lebenssituationen übertragen.

Händewaschen: So wird der Klinik-Alltag zur Meditation

Der Begriff der Muße wirkt antiquiert, ist aber für den Psychologen Stefan Schmidt vom Freiburger Uniklinikum höchst aktuell: Aus Sicht des Freiburger Forschers bedeutet Muße nicht, untätig zu sein, sondern in der jeweiligen Tätigkeit in einen positiven Bewusstseinszustand zu kommen. Dies ermöglicht Entschleunigung, Aufmerksamkeit und Fokussierung. Muße beginnt demnach nicht irgendwann nach Feierabend, sondern zum Beispiel vor oder während einer Behandlung.
 
Denn Muße kann man lernen, und zwar mithilfe ganz banaler Übungen, erklärt Stefan Schmidt. So sollen Ärzte etwa nicht über die Klinikflure rennen, sondern bewusst gehen und schon dadurch entschleunigen. Oder während der Hände-Desinfektion geistig kurz innehalten, die Hände spüren und sich des eigenen Körpers bewusst werden. Aus dieser innerlichen Ruhe heraus kann dann ein Gespräch mit dem nächsten Patienten aufmerksamer verlaufen, was die Kommunikation für beide Seiten angenehmer macht. Das sind erste Ergebnisse der Freiburger Studie, deren Auswertung noch läuft.

Meditationskurse für Ärzte

Diese Alltags-Rituale können Mediziner in einem mehrmonatigen Achtsamkeitstraining an der Freiburger Uniklinik einüben. Außerdem werden Meditationen und Übungen zur Körperachtsamkeit angeboten. Dabei bietet sich ein ungewohntes Bild: Die Teilnehmer liegen auf Yoga-Matten und sind ganz in ihrer Ruhe. Beim Körper-Scannen etwa fühlen sie dann in bestimmte Körperbereiche hinein, erkennen unbewusste Anspannungen und lernen, gezielt loszulassen.
 
Im Offenburger Ortenau-Klinikum, wo Ärzte seit längerem an Meditationskursen und Achtsamkeitstrainings teilnehmen können, hat sich diese Praxis bereits bewährt. Die große Hoffnung der Freiburger Muße-Forscher ist, dass das Einüben von Achtsamkeit zu einer neuen Qualität des Ärzte-Berufs führt – und dass davon am Ende auch die Patienten profitieren.