Freitag, 20. September 2019

AU-Tage haben sich mehr als verdoppelt


Fehlzeiten-Report zeigt: Die Diagnose Burnout sorgte 2018 für 3,9 Millionen Fehltage bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern

BERLIN. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) wegen eines „Burnouts“ hat sich in den vergangenen neun Jahren dramatisch erhöht. Das ist ein Ergebnis des Fehlzeiten-Reports 2019. Demnach nahmen die AU-Tage aufgrund der Diagnosegruppe Z73 je 1000 AOK-Mitglieder zwischen 2009 und 2018 von 51,2 auf 120,5 Tage und damit um mehr als das Zweifache zu. Im Vergleich zum Vorjahr stieg ihre Anzahl 2018 um 3,8 Tage.
Alters- und geschlechtsbereinigt auf die mehr als 36 Millionen gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten hochgerechnet bedeutet dies, dass cirka 176.000 Menschen mit insgesamt 3,9 Millionen Fehltagen 2018 wegen eines Burnouts krankgeschrieben wurden.
Unter Burnout wird ein Zustand physischer und psychischer Erschöpfung verstanden, der in der ICD-10-Klassifikation unter der Diagnosegruppe Z73 „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ in der Hauptdiagnosegruppe Z00–Z99 „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen“ eingeordnet ist. Burnout ist daher nach der ICD-Klassifikation keine psychische Erkrankung. Ärzten ist es jedoch möglich, Burnout als Zusatzinformation bei der Dokumentation auf derAU-Bescheinigung anzugeben.
Bei den Ausfällen aufgrund dieser Diagnosegruppe zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen werden deshalb fast doppelt so lange krankgeschrieben wie Männer. 2018 entfielen auf Frauen 159,5 Ausfalltage je 1000 AOK-Mitglieder, auf Männer dagegen nur 89,6 Tage.
Sowohl Frauen als auch Männer sind am häufigsten zwischen dem 60. und 64. Lebensjahr von einem Burnout betroffen. Außerdem scheinen vor allem Berufstätige in kundenorientierten und erzieherischen Berufen Burnout-gefährdet zu sein. So sind Aufsichts- und Führungskräfte im Verkauf mit 308,3 Arbeitsunfähigkeitstagen je 1000 AOK-Mitglieder die auffälligste Berufsgruppe. Dies entspricht 32,6 Arbeitsunfähigkeitstagen pro Fall. An zweiter Stelle stehen Berufe im Dialogmarketing mit 290,3 Arbeitsunfähigkeitstagen je 1000 AOK-Mitglieder.

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/kooperationen/pro_dialog/article/996473/burnout-faelle-au-tage-verdoppelt.html

Mittwoch, 18. September 2019

Lassen Sie sich noch hetzen? Oder stellen Sie sich schon quer? Stress ist kein Naturgesetz


Die einen klagen über die zunehmende Arbeitslast, die anderen brüsten sich damit. Am Arbeitsplatz aber ist nicht Heroismus, sondern Kreativität gefordert.

Einer hat den gordischen Knoten zerhauen. Und wie es sich gehört, tat er es mit einem tüchtigen Schlag. Das machte ihn, so ganz nebenbei, auch noch zu einem reichen Mann. Er heisst Timothy (oder Tim) Ferriss, er ist, was sonst, Amerikaner, Unternehmer und Autor, und er weiss die Antwort auf unsere Eine-Million-Dollar-Frage: Der perfekte Job sei derjenige, sagt er, «der am wenigsten Zeit beansprucht». Teufel, darauf hätten wir auch kommen können und müssen. Wir hätten ausgesorgt für den Rest des Lebens. In jeder Hinsicht.
Tim Ferriss also schrieb ein Buch, das ist nun über zehn Jahre her. So lange schon hätten wir es besser wissen können. Aber seine Heilslehre hat bisher keine Schule gemacht, obwohl das Buch ein Bestseller war, in Amerika, wohlverstanden, und man kann sich ja ausrechnen, was das bedeutet. Dabei hätte man das Buch noch nicht einmal lesen müssen, denn sein Titel reichte schon, um Bescheid zu wissen: «The 4-Hour Workweek» oder «Die 4-Stunden-Woche».
Das klingt verheissungsvoll und leuchtet ein wie kaum einmal etwas. Natürlich wäre keinem Turbosozialisten Vergleichbares eingefallen. Nur ein mit allen Wassern des Kapitalismus gewaschener Jungspund (Ferriss war gerade dreissig, als das Buch erschien) konnte sich eine so naheliegend verrückte Idee einfallen lassen. Der Haken daran: Sie wird nicht funktionieren. Jedenfalls nicht so geschmiert, wie sich das Buch verkauft hat. Aber Ferriss kann das egal sein. Er ist für Effizienz, nicht für Dummheit zuständig.

Armer Hockey-Torhüter

Neulich konnte man übrigens auch im Sportteil dieser Zeitung etwas Erstaunliches lesen. Der Eishockey-Torhüter Jonas Hiller gab ein Interview und sprach über seinen Beruf (keiner von der Art, wie sie Ferriss empfiehlt). Hiller spielte immerhin neun Jahre in der nordamerikanischen Profiliga NHL und beginnt gerade mit dem EHC Biel die letzte Saison vor seinem Rücktritt. Nun erzählte er, was sich in all den Jahren verändert habe: «Das Spiel ist so viel schneller geworden, dass es mental für Torhüter anspruchsvoller geworden ist: Es gibt keine ruhige Sekunde mehr.»
Erstaunlich daran sind zwei Sachen: Wer gelegentlich Eishockey schaut, kann einerseits kaum glauben, dass dieses Spiel überhaupt noch schneller werden konnte. Es war immer schon schnell, auch als wir jung waren. Wir kamen gar nicht nach mit Hinschauen, und kaum einmal sahen wir den Puck, es sei denn in der Zeitlupe. Und anderseits: Wir hätten darauf gewettet, dass ein Torhüter auch einmal eine ruhige Sekunde hat. Aber einer wie Hiller muss es ja wissen.
Was würde Tim Ferriss dazu sagen? Ganz klar: Leute, macht das Spiel effizienter! Und er ginge hin und schriebe ein Buch: «The 4-Minute Game». Hiller hätte dann tatsächlich keine ruhige Sekunde mehr. Das Ganze wäre aber auch rasch ausgestanden. Der Haken daran? Siehe oben.
Aber Hiller und seine Kollegen auf dem Eis sind keine Ausnahmeerscheinungen. Wie ihnen geht es den meisten Menschen heutzutage, auch wenn sie nicht Hockey spielen. Ob sie an der Migros-Kasse arbeiten oder im Backoffice einer Bank das Geld zählen, ob sie Mauern hochziehen oder künstliche Hüftgelenke einpflanzen, die Erfahrung ist immer die gleiche: Es gibt keine ruhige Sekunde mehr. Und immer sollte man noch besser, noch flexibler, noch biegsamer werden.
Und das ist nur die berufliche Seite der Sache. Im Privaten ist alles noch viel schlimmer, seit das moderne Subjekt sich zum Zentralgestirn des Universums erhoben und die Selbstverwirklichung zum einzig verbliebenen Dogma erklärt hat. Der im Beruf stets an der Grenze der Leistungsbereitschaft oder Leistungsfähigkeit operierende Mensch lernt im Privatleben erst richtig, was Überforderung heisst. Wir sind doch mit uns selbst am meisten gestresst. Die Selbstverwirklichungsattitüde war aber auch das Dümmste, was wir uns haben einfallen lassen.
Denn immer bleibt der Mensch hinter dem Idealbild zurück, dem er nacheifert. Nie ist er glücklich genug, kaum einmal ist er so richtig zufrieden mit sich, fortwährend mäkelt er an sich herum (wenn es nicht gerade die anderen tun), alles an ihm könnte besser, schöner, strahlender sein. Das fordert pausenlos nach Optimierung und also Arbeit am Selbst. Keine ruhige Sekunde auch hier.

Der Mensch im Weltmaschinenraum

Nun tritt freilich etwas Überraschendes ein. Im Privaten wächst die Widerstandsfähigkeit – oder Resilienz, um ein Modewort der höheren Lifestyle-Branche zu verwenden. Da lässt man sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Wäre ja gelacht, wenn man das bisschen Arbeit am Selbst nicht auf sich zu nehmen bereit wäre.
Im Beruflichen liegt die Belastungstoleranz deutlich tiefer. Noch nicht einmal pubertierende Kinder können arbeitende Väter und Mütter im gleichen Mass quälen wie tyrannische Vorgesetzte, Dauerhektik oder nervige Untergebene. So etwas lässt man sich doch nicht bieten! Und wer keine Wahl hat, jammert nach Kräften.
Trotzdem bleibt unbestritten, dass Stress am Arbeitsplatz zugenommen hat, und zwar umso mehr, als gleichzeitig Beständigkeit und Gewissheiten schwinden. Nicht allein die Beschleunigung der Prozesse, sondern vor allem ein beschleunigter Wandel verlangt heute den Angestellten ein ungewöhnliches Mass an Flexibilität, gedanklicher Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit ab.
Massive physische und psychische Symptome der Überforderung gibt es nicht erst, seit dafür der Begriff Burnout geläufig geworden ist. Das ganze 20. Jahrhundert galt als Zeitalter der Neurasthenie – der epochale Zentralbegriff für alle Formen sogenannter Nervenschwäche. Mit der Umwandlung der Welt in einen grossen Maschinenraum zog der Geschwindigkeitsrausch auch die seelischen Dispositionen in Mitleidenschaft.
Heute suchen Stressgeplagte bei Ratgebern und Quacksalbern bis hin zu Leuten vom Schlage eines Tim Ferriss Zuflucht und lassen sich bereitwillig an der Nase herumführen. Oder sie lernen in Kursen für Achtsamkeit, «mindfulness» im Jargon der Lebenskunstberater, auf innere Stimmen zu hören. Das hilft manchmal ein wenig, häufig aber kaum, kostet jedoch zuverlässig umso mehr.
All das lindert erstens nur gerade die individuellen Symptome, ohne zum Kern der Sache zu gelangen. Und es hat zweitens die vielleicht sogar fatale Folge, dass der solcherart Therapierte lediglich zur noch effizienteren Arbeitskraftverausgabung angeleitet wird. Das verlängert bestenfalls die Brenndauer der inneren Kerze. Es verzögert ihr Ausbrennen, ohne es zu verhindern.

Neben den Schuhen stehen

Wenn der arbeitende Mensch (und vermutlich erst recht der Freizeitmensch) in diesen Optimierungswettlauf einsteigt, hat er schon verloren. Denn immer ist der Mensch in seiner Unvollkommenheit und mit seiner Sehnsucht nach Beständigkeit und Dauer der Sand im Getriebe der Weltmaschine. Je schneller er aber im Hamsterrad läuft, umso flotter drehen auch die Räder.
Das heisst in der Konsequenz, dass paradoxerweise da der Widerstand gegen Überforderung schwindet, wo die Widerstandskraft (im Sinne von Resilienz) zunimmt. Wer auch sinnlosem Druck gewachsen ist, wird ihn nicht brechen, bis er unter dem Druck am Ende doch einknickt. Auch wenn unser heroisches Zeitalter dazu neigt, Dauerstress als Wachstumstreiber und Distinktionsfaktoren zu nobilitieren, so sind sie doch in der Regel eine Folge von Missmanagement und unzureichender Planung.
Solche Fehleinschätzungen setzen sich dort fort, wo noch immer zur Kur und Therapie geschickt wird, wer von dem Räderwerk als nicht mehr tauglich oder fit erachtet und ausgespuckt wird. Besser wäre es, das Räderwerk seinerseits würde überholt und auf seine Tauglichkeit hin geprüft.
Bevor man also eines Tages unversehens und ungewollt neben den Schuhen steht, sollte man beizeiten selber zur Tat schreiten. Und aus ihnen heraustreten. Ostentativ. Es reicht ja bereits, gelegentlich einen Schritt zur Seite zu gehen, innezuhalten und die ratternde Betriebsamkeit einmal von aussen zu betrachten. Das befreit doch schlagartig die Denkwege und die Sinnesorgane. Augenblicklich sieht man hundert Dinge, die zu ändern wären. Dumpfer Heroismus verwandelt sich in Kreativität.
Wenn einer ein paar naheliegende und vielleicht unbequeme Fragen stellt, gerät die surrende Maschinerie ja nicht gleich ernsthaft ins Stocken. Aber der Mensch gewinnt im Zusammenspiel mit ihr etwas Autonomie zurück, zu ihrer beider Vorteil. Schliesslich kann es sich eine Gesellschaft doch dauerhaft gar nicht leisten, nicht auch auf Leute zu hören, die bisweilen, ob aus freien Stücken oder nicht, neben den Schuhen stehen
 

Dienstag, 17. September 2019

Depression und Suizidprävention - Altkanzlersohn Kohl für Umdenken


Altkanzlersohn Walter Kohl unterstützt gemeinsam mit der Senckenbergischen Stiftung eine Kooperation zur Prävention von Suiziden. Das Thema ist ihm auch ein persönliches Anliegen

Altkanzlersohn Walter Kohl (56) wünscht sich einen offeneren Umgang mit den Themen Depression und Suizidprävention. "Wir möchten ein Umdenken und ein Stück weit eine gesellschaftliche Neuorientierung", sagte er. Gemeinsam mit der Senckenbergischen Stiftung unterstützt Kohl eine neue Kooperation zur Prävention von Suiziden.

Dem Sohn von Helmut Kohl ist das Thema auch ein persönliches Anliegen. Seine Mutter Hannelore nahm sich 2001 das Leben. Auch er selbst hatte wenig später einen Suizidversuch unternommen.

"Erfahrung ist lebensprägend"

"So eine Erfahrung in allernächster Nähe ist natürlich lebensprägend", sagt der Autor und Unternehmer. Er habe neue Antworten gefunden und entschieden, seine Geschichte öffentlich zu machen. "Ich sehe eine Aufgabe darin, dass man mit der Kraft dieser neuen Antworten auch anderen Menschen Inspiration gibt."
Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zählen Depressionen zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Krankheiten. "Sie sind die häufigste Ursache der jährlich fast 10.000 Suizide und etwa 200.000 Suizidversuche in Deutschland", sagt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Ulrich Hegerl.

Quelle: https://www.zdf.de/nachrichten/heute/depression-und-suizidpraevention-altkanzlersohn-kohl-fuer-umdenken-100.html

Depressionen dank sozialer Medien früher entdecken


Berlin. Laut einer Umfrage sehen immer mehr Bundesbürger Facebook, Twitter und Co. als Frühwarnsystem an. np
Soziale Medien können ein Frühwarnsystem für psychische Krankheiten wie Depressionen sein. Das hält jeder dritte Bundesbürger für möglich. 36 Prozent sehen laut einer repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom eine große Chance darin, aufgrund von Beiträgen in sozialen Netzwerken Anzeichen einer Depression zu erkennen oder vorherzusagen. Jeder Zehnte gibt außerdem an, selbst von einer psychischen Krankheit betroffen zu sein oder jemanden in seinem direkten Umfeld zu kennen, bei dem das der Fall ist.
Erste Studien mit freiwilligen Teilnehmern haben laut dem Digitalverband ergeben, dass Einträge bei Twitter, Facebook, Instagram und Co. Hinweise darauf liefern können, ob eine Person in nächster Zeit an einer psychischen Krankheit wie Depression erkrankt. Dabei geht es etwa um die Worte, die Nutzer in ihren Beiträgen verwenden, oder um Farben und Motive der Fotos. Forscher können aus solchen Informationen ableiten, ob sich bei einer Person eine psychologische Krise andeutet.
Depressive Erkrankungen lassen sich laut Bitkom gut behandeln, allerdings bleiben sie auch häufig unerkannt. Die Auswertung von Beiträgen in den sozialen Medien könne einen ersten Schritt darstellen, psychologische Krisen vorherzusagen oder zu erkennen. Allerdings nur, sofern ein Nutzer dieser Verwendung seiner Daten zustimme. Diesen Nutzen sehen aber längst noch nicht alle Befragten. 59 Prozent schätzen ein solches Frühwarnsystem eher als Risiko ein.

Potenzial sieht wiederum jeder dritte Befragte in Online-Programmen für Menschen mit psychischen Problemen. Einige Krankenkassen bieten solche digitalen Programme Bitkom zufolge an, mit denen reguläre Behandlungen beim Psychologen oder Psychotherapeuten ergänzt oder die Wartezeiten dafür überbrückt werden können. 34 Prozent sagen, sie würden solche Online-Programme nutzen.
 

Montag, 16. September 2019

Depression: Harald Schmidt: "Ich mag diese deutsche Griesgrämigkeit"


In seinem jüngsten Interview zeigt sich Entertainer Harald Schmidt von seiner ernsten Seite. Er spricht über Depression, den Einfluss von Social Media und darüber, welche deutschen Tugenden er schätzt.

Seit über 20 Jahren hat Harald Schmidt (62) den Ruf des deutschen Late-Night-Lästermauls. Dabei gibt es an dem Entertainer noch eine ganz andere, durchaus ernste Seite zu entdecken. Nämliche jene des Schirmherrn der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Seit 2008 unterstützt Schmidt die Stiftung, moderiert Patientenkongresse und setzt sich mit der Krankheit auseinander. "Witze auf Kosten Depressiver gehen nicht", meint er im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
Dafür wisse der 62-Jährige mittlerweile einfach zu gut, dass "Depression nichts mit trüben Stunden des Alltags" zu tun habe, "durch die wir alle durchmüssen". Depression ist als eine eigenständige Krankheit anzusehen und damit "mehr als eine Reaktion auf schwierige Lebensumstände".

Grausamkeiten blendet er aus Angesprochen auf die Tat im Juli am Frankfurter Hauptbahnhof, bei der ein an paranoider Schizophrenie leidender Mann einen Jungen auf die Gleise gestoßen hatte, macht der Entertainer dicht. "Ich lese gar nichts, was mit Gewalt an Kindern zu tun hat", sagt er. "Wenn Sie selbst Kinder haben, halten Sie das besser von sich fern und können nur hoffen, dass Sie von so etwas verschont bleiben."
Auch von den Sozialen Medien wendet sich der Moderator rigoros ab. "Ich bin weder bei Facebook noch bei Instagram, ich bin nirgends", erzählt Schmidt, der seine Online-Abstinenz als "wunderbar" empfindet. Ob die Sozialen Medien wohl mitverantwortlich für Depression sein können? Diese Frage könne Schmidt nur schwer beantworten. Es gebe "keine eindeutigen, belastbaren Aussagen" dazu. Eine Gegenthese behaupte zudem, "dass es eher hilfreich sein kann, wenn man sieht, dass man nicht allein mit seiner Erkrankung ist".

"Spaßgesellschaft" in Deutschland?


Obwohl die Sozialen Medien mittlerweile immer mehr Einfluss auf das Sozialleben sowie die Freizeitbeschäftigung haben, sieht Schmidt davon ab, Deutschland als eine "Spaßgesellschaft" zu bezeichnen. Er habe immer noch den Eindruck, dass der Deutsche "anstrengend" werde, sobald er sich einmal lockere. Das wäre aber auch okay, so der Entertainer weiter. Schließlich möge er "diese deutsche Griesgrämigkeit und diese latente Aggression". "Ich finde, das steht uns gut."

Quelle: http://www.news.de/promis/855788206/depression-harald-schmidt-ich-mag-diese-deutsche-griesgraemigkeit/1/

Burnout – und jetzt?


Die Zahl der Menschen mit Burnout steigt stetig. Gerade in der Finanzbranche sind viele Arbeitnehmer betroffen. Doch was ist Burnout eigentlich genau und welche Menschen sind besonders gefährdet? Ein Gastbeitrag von Mareike Fell, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Trainerin und Beraterin

Vielleicht haben auch Sie im Mai diesen Jahres Notiz von einer Nachricht genommen, die weltweit für Schlagzeilen sorgte: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Burnout als einen Faktor eingestuft, der die Gesundheit beeinträchtigen kann.

Burnout – ein Status Quo

Burnout gilt zwar weiterhin nicht als Krankheit, aber – und das ist die eigentliche Nachricht – die Beschreibung des „Burnout-Syndroms“, wie es genau heißt, wurde genauer gefasst und auf den Bereich des Arbeitslebenseingeengt.
Daraus ergeben sich einerseits neue Behandlungsansätze für Ärzte und Therapeuten und es können Belastungen am Arbeitsplatz bereits in der Diagnose ursächlich benannt und damit erfasst werden, andererseits wird durch diese enger gefasste Beschreibung der Anteil des Betroffenen ausgeklammert.
Das ist schade, denn der Anteil und damit der Handlungsspielraum des Einzelnen ist enorm. Genau der macht der WHO die Erfassung als tatsächlich eigenständiges Krankheitsbild so schwer. Und genau deswegen hat jeder Einzelne die Entstehung eines Burnouts und die Genese auch weit mehr in der Hand, als der ab 2022 gültige Katalog der WHO, die ICD-11, nun vermuten lässt.

Was Burnout bedeutet

Eine gute Beschreibung dessen, was Burnout ist, lieferten der niederländische Arbeits- und Organisationspsychologe Wilmar Schaufeli und der Diplom-Psychologe Dirk Enzmann bereits 1998, nach der Burnout keinesfalls „kranke“ Menschen betrifft, sondern „ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand ‚normaler Individuen‘ (ist).
Er ist in erster Linie von emotionaler Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhen, Anspannung, einem Gefühl verringerter Effektivität und Motivation und der Entwicklung dysfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit.“
Und auch der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger, der das Bild des Burnouts Mitte der siebziger Jahre erstmals beschrieb und ihm seinen Namen gab, stellte fest, dass Burnout keine Krankheit ist, sondern ein gewissermaßen normaler Zustand besonders engagierter Menschen sei.

Burnout kann überwunden werden

Die gute Nachricht daran: Ein Burnout kann überwunden werden. Wird bei Auftreten eines Burnout-Syndroms jedoch nicht gehandelt, kann ein Burnout in klar definierten Krankheiten wie einer Depression, Muskel-Skelett-Erkrankungen, chronischen Erkrankungen und anderen münden, wobei sich ein Burnout auch mit klar definierten Krankheiten überschneiden kann.

Frühzeitiges Erkennen und Handeln sind also entscheidend. Daher spielt das Wissen um die Faktoren, die in einen Burnout führen, eine zentrale Rolle. Klar ist, dass sich ganz objektiv unsere Arbeitswelt verändert hat: Digitalisierung, Globalisierung, Individualisierung, Verdichtung und Komplexität von Arbeit, kaum noch Routinen, lebenslanges Lernen, wenig Vorhersehbarkeit und rasende Veränderung.

Quelle: https://www.cash-online.de/berater/2019/burnout-und-jetzt/482931#

Samstag, 14. September 2019

Ein Burnout kann jeden treffen


Total ausgebrannt - früher dachte man da nur an überarbeitete Top-Manager, heute trifft es viele unterschiedliche Gruppen. Was kann einen Burnout auslösen? Und wie lässt er sich vermeiden?

Von Meeting zu Meeting hetzen, tägliche Überstunden und wenig Schlaf galten viele Jahre als die typischen Ursachen eines Burnouts. Auch eine durch Zeitdruck bedingte ungesunde Ernährung sowie ein Mangel an Bewegung fielen oft als Schlagwörter. Doch mittlerweile glauben Experten: Wenn jemand sich ausgebrannt fühlt, kann das viele Gründe haben - und damit auch unterschiedliche Gruppen treffen.
„Streng genommen ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Burnout keine Krankheit, sondern ein „Faktor, der die Gesundheit beeinträchtigen kann““, sagt Enno Maaß von der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV). Betroffene fühlen sich aufgrund beruflicher oder anderer andauernder Überlastung geistig, körperlich und emotional erschöpft.
„Sie sind oft lustlos, gereizt und angespannt, zynisch und gleichgültig. Außerdem können sie ihre Aufgaben nicht mehr oder kaum noch bewältigen“, ergänzt Maaß. Hinzu kommen nicht selten Unruhe, innere Leere, Angstgefühle, Schlafprobleme und niedrige Motivation für Alltagsaufgaben, so Maaß. Auch Lebensfreude und Selbstwertgefühl seien oft beeinträchtigt.
„Lange Zeit ist davon ausgegangen worden, dass Burnout durch zu viel Arbeit entsteht. Das ist nicht so“, sagt auch die Ärztin und Autorin Mirriam Prieß. Sie hat sich in ihrem Buch „Burnout kommt nicht nur von Stress“ intensiv mit dem Thema befasst. Der Beziehungsaspekt spiele die zentrale Rolle bei der Entstehung eines Burnouts. So habe jeder, der von einem Burnout betroffen sei, konfliktreiche Beziehungen und die Beziehung zu sich selbst verloren. „Ohne Konflikt gibt es keinen Burnout“, so Prieß. Viele Burnout-Betroffene haben sich in Kämpfen erschöpft.

„Mit dem Partner, Arbeitgeber, Kollegen, mit dem System, in dem sie sich befanden, aber auch mit Lebenssituationen wie Verluste, Scheitern, Krankheit, die sie nicht akzeptieren wollten“, ergänzt die Medizinerin. Die Faktoren, die einen Burnout zudem fördern, sind vielfältig. So kann auch Perfektionismus nach Angaben von Anette Wahl-Wachendorf ein weiteres Risiko darstellen.
„Aber auch das familiäre Umfeld kann Auslöser sein, wie zum Beispiel die Pflege von Angehörigen.“ Ein Burnout kann aber grundsätzlich jeden treffen. „Besonders häufig betroffen sind Berufstätige im mittleren Lebensalter und mit eher höherer Schulbildung, höherem Einkommen oder höherer beruflicher Stellung“, erklärt Maaß.
Wer einem Burnout vorbeugen möchte, sollte sich regelmäßig fragen, ob er sich grundsätzlich in der Lage fühlt, die Anforderungen seiner Arbeit gut zu bewältigen. Zudem kann jeder selbst aktiv werden. „Stärken Sie Ihre Dialogfähigkeit, das heißt, sorgen Sie für ein Gleichgewicht zwischen Nehmen und Geben, sowohl in Ihren Beziehungen als auch in dem, was Sie tun“, sagt Prieß. Denn eine Burnout-Symptomatik sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. „Bei drei Viertel der Betroffenen treten begleitend psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen auf. Dies kann bis zur Suizid-Gefahr gehen“, erklärt Maaß. Bei Anzeichen eines Burnouts müsse zunächst versucht werden, stärker auf Phasen der Erholung zu achten, erklärt Maaß. So ist es ratsam, Urlaub vollständig und gleichmäßig zu nehmen. Auch regelmäßige Pausen sollten in den Tagesablauf eingebaut werden. Unter Umständen muss die Arbeit auch anders strukturiert werden, damit das Verhältnis zwischen Freizeit und Job ausgewogener ausfällt. Sport und Entspannung können ebenfalls helfen. „Ändert sich damit die Situation nicht, sollte ein Psychotherapeut aufgesucht werden“, sagt Maaß. Der könne erste Orientierung geben, Beschwerden einschätzen und abklären, ob es sich um eine psychische Erkrankung handelt. Bei Bedarf berate er dann zu Behandlungsmöglichkeiten und weiteren Hilfen.

„Wichtig ist dabei, dass die Betroffenen ihre persönlichen Warnsignale für Überforderung kennenlernen und für sich herausfinden, wie sie aktiv verhindern können, erneut zu erkranken“, ergänzt Maaß. Wenn der Beruf der Hauptauslöser eines Ausbrennens ist, muss man aber nicht gleich kündigen werden. „Ein Jobwechsel steht ganz am Schluss - nach Prävention und Behandlung“, erklärt Wahl-Wachendorf vom VDBW, die sich besonders mit Berufsthemen aus ärztlicher Sicht auseinandersetzt. Grundsätzlich sollte die Führungs- und Unternehmenskultur kritisch hinterfragt werden. Eventuell könne schon ein klärendes Gespräch mit dem Vorgesetzten oder ein interner Wechsel helfen. Burnout entsteht durch zu viel Stress, Selbstüberforderung und soziale Konflikte. Wer jedoch für ausreichende Ruhepausen sorgt und sein tägliches Leben in Beruf und Privatem nach seinem Wohlbefinden ausrichtet, hat beste Chancen, einen Burnout zu umgehen. (dpa)

Quelle: https://www.grenzecho.net/21221/artikel/2019-09-13/ein-burnout-kann-jeden-treffen